Kennt sich mit Interims-Managern aus: Dr. Stephan Offermanns von EIM.
Kennt sich mit Interims-Managern aus: Dr. Stephan Offermanns von EIM.

Bei Restrukturierungen kommen immer häufiger Interim-Manager zum Einsatz. Warum dem so ist, welche Erfahrungen ein Manager mitbringen muss und warum er auch dauerhaft im Unternehmen bleiben kann, erklärt Dr. Stephan Offermanns.

Unternehmeredition: Herr Dr. Offermanns, EIM vermittelt Manager auf Zeit. Wie viele kommen aus Ihrem Netzwerk und wie viele sind direkt bei Ihnen angestellt?

Dr. Stephan Offermanns: Wir meistern Herausforderungen in Unternehmen durch den von EIM betreuten Einsatz von Managern und Experten. Diese finden wir in unserem Interim-Manager-Pool, der international stetig gewachsen ist. Derzeit haben wir weltweit rund 20.000 Manager in unserer Datenbank und einen Kreis von weltweit rund 100 Partnern mit dem „EIM-Gen“. Lösen wir etwa ein Unternehmensproblem in China, so arbeiten wir eng mit unseren Kollegen vor Ort zusammen. Diese haben den kulturellen Background. Denn einen chinesischen Interim-Manager fundiert auswählen kann nur ein Chinese oder aber ein Nicht-Chinese, der 20 Jahre in China gelebt hat.

Wie lange dauert es von der Auswahl bis zur Vermittlung eines Managers?

Das ist unterschiedlich. Ein Beispiel: Ein deutsches Unternehmen verlor gleichzeitig den lokalen Finanzchef und den Chef-Controller der chinesischen Tochtergesellschaft. Alles musste sehr schnell gehen. Denn bereits fünf Tage später sollten die chinesischen Wirtschaftsprüfer vor Ort sein, und der chinesische CEO war kein Finanzexperte. Innerhalb von 36 Stunden konnten wir rund um den Globus die  industriespezifisch geeigneten und sofort verfügbaren CFO-Kandidaten finden. Zur Auswahl standen drei aus dem Office in Shanghai, drei aus dem Office in Hongkong und einer aus Deutschland. Nach kurzer Beratung mit dem deutschen Gruppen-CFO wurde ein Kandidat aus Hongkong mit Erfahrung sowohl in China als auch in westlichen Unternehmen ausgewählt. Der flog zur chinesischen Unternehmenstochter und führte ein Interview, per Video mit dem Headquarter und persönlich mit dem chinesischen CEO. Nach zwei Stunden fiel die Entscheidung für diesen Kandidaten.

Ein Einzelfall?
Nein. Allerdings entspricht er auch nicht der Regel. Im Schnitt besetzen wir Stellen innerhalb von ein bis zwei Wochen, von der ersten Anfrage bis zum Arbeitsbeginn. Das ist der große Unterschied zu einer klassischen Personalberatung.

In einem Restrukturierungsfall kommt es manchmal hart auf hart…
…dann sind die Zyklen natürlich nochmals deutlich kürzer.

Von wem werden Sie denn zu Restrukturierungseinsätzen gerufen?
Wir bekommen Mandate von Beratern, Shareholdern, Family Offi ces, Private-Equity-Gesellschaften, Insolvenzverwaltern, aber auch von weitsichtigen Unternehmern oder CEOs direkt oder indirekt. Indirekt kommen Anfragen auch über die betroffenen Banken.

In welchen Phasen des Unternehmenszyklus werden Sie denn am häufigsten nachgefragt?
Wichtig ist zunächst zu verstehen, was das Unternehmen wirklich braucht. Die Weitsichtigen rufen uns bereits früh in der Strategie- oder der Profi tabilitätskrise, hier bestehen noch sehr weitgehende Handlungsoptionen. Die Liquiditätskrise oder gar die Insolvenz sind Fälle, in denen die „Ambulanz“ gerufen wird. Das kann ein CRO von EIM oder aber schon der Insolvenzverwalter sein. Zunächst muss der „Blutverlust gestoppt“, also das Geld im Unternehmen gehalten werden. Doch schon recht frühzeitig ist auch die zukünftige Strategie des Unternehmens zu defi nieren. Hierzu werden Experten gebraucht, die nicht nur die „Aorta flicken“, sondern das Unternehmen auch wieder neu aufbauen können. Wir begleiten Unternehmen in allen Phasen.