Er spielte unter Herbert von Karajan, ist ein international angesagter Dirigent und Coach: Was können Unternehmer von Gernot Schulz lernen? Im Interview erklärt er, was Führung bedeutet – nicht nur im Orchester.

Wenn Sie an einem Abend mit einem Musiker nicht zufrieden sind, können Sie diesen ja nicht einfach aus dem Orchester werfen. Reagiert manch ein Unternehmer zu schnell mit einer Personalentscheidung?

Häufig liegt es an der Personalauswahl. Für ein Orchester ist diese sehr streng. Im einem Probespiel vor dem gesamten Orchester wird der/die Beste ermittelt. Dann aber kommt das Probejahr. Nur wer beweist, durch gutes Wahrnehmen zu einem guten Zusammenspiel fähig zu sein, wird die dann erforderliche 2/3-Mehrheit der Kollegen bekommen. Nach diesem strengen Selektionsprozess findet ein Austausch so gut wie nicht mehr statt.

Ständiges Feedback zwischen Ihnen und den Musikern ist ein absolutes Muss. Kommt dieses in den Unternehmen häufig zu kurz?

Nach meinen Erfahrungen: Ja – erst recht unter Führungsverantwortlichen. Im Orchester ist Feedback selbstverständlich. Jeder hört jeden und reagiert darauf. Auch ich nehme alles wahr und kommuniziere meine Bewertung. Diese Omni-Transparenz und selbstverständliche Feedback-Kultur ist ein hoher Leistungsanreiz.

Sie müssen aus Solisten eine Gruppe basteln. Das ist in Unternehmen ähnlich – oder?

Könner sind meist Individualisten. Die integrierende Kraft entstehen zu lassen, die den Individualisten sagen lässt: Ich habe zwar meine persönliche Ansicht, aber das gemeinsame Ganze, das hier entsteht, überzeugt und berührt mich so, dass ich alles gebe – das ist die Kunst der Führung. Erst eine  emotional wirkende Sinngebung lässt aus Solisten ein Orchester werden.


Zur Person

Prof. Gernot Schulz (© Privat)
(© Privat)

Geboren: 22.02.1952

Beruf: Dirigent, Trainer, Pädagoge

Hobbys: Zeitgeschichte, Sport, Segelfliegen

www.dirigierenundfuehren.com