„Die Pest der Branche ist der Discount“

Der Service-Gedanke war der Pluspunkt für den stationären Einzelhandel. Mit der Typenberatung aus dem Internet könnte auch dieser Vorteil schwinden. Vor allem bei Männern sieht Anna Alex, Chefin von Outfittery, großes Potenzial.

Sie und Julia Bösch halten mittlerweile noch rund neun Prozent am Unternehmen. Wie schwer fällt es, wenn man ein Unternehmen mit viel Herzblut gegründet hat, Anteile abzugeben?

Nicht so schwer, schließlich werden die Anteile ja auch mit jeder Finanzierungsrunde mehr wert. Deswegen hält sich der Wehmut in Grenzen.

Angelsächsische Investoren fragen eher danach, wie viele Mio. sie noch investieren dürfen. Deutsche danach, wann sie ihr Geld wieder zurückbekommen. Wie hoch ist der Druck der Investoren auf das Unternehmen?

Die großen Investoren sind bei uns Highland Capital Partners, Northzone und Octopus Ventures. Insofern bringen diese eher den angelsächsischen Spirit mit. Sie verstehen, dass wir Zeit brauchen, um uns zu entwickeln, und wissen, dass es nicht sinnvoll ist, Stress zu machen, wenn man sich momentan in einer Wachstumsphase befindet. Wir sind jetzt fünf Jahre alt und kommen gut voran. Da kommt keiner und sagt: In einem Jahr möchte ich aber mein Geld wiederhaben.

Wie häufig treffen Sie Ihre Investoren?

Fünf Mal im Jahr haben wir Board-Meetings. Die Investoren kommen meist zu uns nach Berlin. Wir berichten dann, wie sich das Geschäft entwickelt hat, präsentieren neue Ideen und bekommen, wenn nötig, Unterstützung aus dem Netzwerk der Investoren. Seit Kurzem haben wir eine Beiratsvorsitzende. Insgesamt sitzen jetzt zehn Leute im Board. Sechs Frauen und vier Männer.

Bekommen Sie mittlerweile von den klassischen Banken auch Kredite oder stehen diese Ihrem Geschäftsmodell noch skeptisch gegenüber?

In den ersten Jahren ist Fremdkapital für Start-ups keine Option. Der Gang zu den Kreditinstituten ist vergebene Liebesmühe. Mittlerweile arbeiten wir allerdings mit einigen zusammen. Der Fremdkapitalanteil ist jedoch noch immer gering.


„Ein IPO wäre sicherlich eine interessante Option.“

Anna Alex, Geschäftsführerin Outfittery GmbH


Wie würden die Banken denn reagieren, wenn Sie mal eine größere Finanzspritze bräuchten?

Das kann ich nicht beantworten. Bisher war diese nicht notwendig. Aber klar fühlen diese sich sicherer, je länger wir uns am Markt behaupten.

Nutzen Sie noch andere Finanzierungsinstrumente?

Bislang noch nicht.

Könnten Sie sich einen Börsengang vorstellen?

Momentan konzentrieren wir uns darauf, unser Geschäftsmodell weiter auszubauen, und haben einen Börsengang nicht auf dem Schirm. Allerdings wäre ein IPO sicherlich eine interessante Option.

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