Motivierte Mitarbeiter: "Menschen spielen ihr Spiel".

Dr. Stefan Frädrich gibt seit Jahren Motivationskurse in Unternehmen. Gerade zu Jahresbeginn ist er gut gebucht. Im Interview erklärt er, warum es keinen Prototypen für Unternehmer gibt und wie er sich den idealen Arbeitsplatz vorstellt.

Unternehmeredition: Herr Dr. Frädrich, haben Sie Vorsätze für das Jahr 2017?


Stefan Frädrich: Jahreswechsel sind für mich überhaupt nicht symbolisch, die spielen keine Rolle. Eher resümiere ich das Jahr in meinem Tagebuch als Realitätscheck, als dass ich mir Vorsätze diktiere. Man sollte sich meiner Meinung nach auch nicht auf Vorsätze konzentrieren, sondern auf Verhaltensweisen, die bestimmte Vorsätze begünstigen.

Was ist einfacher zu coachen – faule Menschen oder gestresste?

Rein statistisch begegne ich häufiger den gestressten Menschen, weil die eher etwas erreichen wollen. Generell gibt es zwei Gründe, warum Menschen auf mich zukommen: Entweder es tut ihnen etwas weh oder sie verfolgen ein bestimmtes Ziel. Beides kann sowohl faule als auch gestresste Menschen betreffen.

Sie erklären Ihren Zuhörern das Nichtrauchen genauso wie gute Führungskultur oder erfolgreiche Verkaufsstrategien. Gibt es beim Thema Motivation eine goldene Regel oder hat jedes Thema seine eigenen Gesetze?

Jedes Thema hat seine eigenen Kniffe und Tricks. Die können aber bei anderen Problemen helfen. Das kann man sich wie ein Buffet vorstellen, aus dem man sich bedienen kann. Meine Arbeit besteht darin, Buffets zu kollektionieren. Dabei bin ich ideologiefrei. Ich glaube nicht an ein Erfolgsrezept, sondern an verschiedene Tipps. Jeder sucht sich dann das aus, was für ihn funktioniert.

Was ist für Sie der Prototyp eines guten Unternehmens?

Ich glaube, es gibt keine Prototypen. Die erfolgreichen Unternehmer sind einfach bereit, ihre Ideen umzusetzen, weil das für sie sinnstiftend ist. Sie entscheiden sich dafür, dass sie auf diese Weise leben möchten, weil sie gerne etwas gestalten.

Der moderne Manager soll kein Patriarch mehr sein. Denken Sie, dass diese Entwicklung hin zum Teamplayer alternativlos ist oder können verschiedene Typen ein Unternehmen lenken?

Wenn der Chef der schlauste Mann im Raum ist, dann ist er meistens im falschen Raum. Er begrenzt nämlich sein eigenes Wachstum, weil er die eigene Kompetenz für das Nonplusultra hält. Die richtigen Brains suchen sich Leute, die im jeweiligen Fachgebiet noch besser sind als sie selbst. In der heutigen Wissensgesellschaft ist das gefragter denn je. Die wirklich guten Manager verstehen es vor allem, das Wissen ihrer Mitarbeiter anzuzapfen.

Die Jobanforderungen werden höher, seit Jahren ist landauf, landab von Burnout die Rede. Wie haben sich Ihrer Meinung nach die Arbeitsbelastung und Unternehmenskultur in den letzten Jahren entwickelt?

Ich denke nicht, dass wir zu viel arbeiten. Es gibt vielleicht Trends zur Bürokratisierung und das steht im Widerspruch zu einer zunehmenden Individualisierung und Selbstverwirklichung. Hier dient das Silicon Valley als Vorbild, weil die Mitarbeiter ihre Arbeit frei gestalten können, bis hin zu ihrer Arbeitsplatzbeschreibung. So etwas sind wir in Deutschland mit unserer Ingenieurstradition beziehungsweise unserem Perfektionsdrang nicht gewohnt.

Moderne Firmen heben die Trennung von Arbeits- und Freizeit zunehmend auf. Halten Sie diese Diffusion für motivierend oder braucht es eine klare Trennlinie zwischen den beiden Lebensbereichen?

Jetzt stelle ich eine steile These auf: Eigentlich gibt es keine Arbeit. Es gibt Projekte. Menschen spielen ihr Spiel. Die unternehmerische Aufgabe besteht darin, die Leute zu finden, die richtig Bock auf ihren Job haben, weil es für die nicht mehr Arbeit ist.


frädrich_onlineKurzprofil Dr. Stefan Frädrich

Geboren: 26.02.1972

Beruf: Motivationscoach und Speaker

Hobbies: Arbeiten, Lesen, Sport, Reisen

Größte Erfolge: Der Weg in die Selbstständigkeit und in die Buchbranche

www.stefan-fraedrich.de