Interview mit Ansgar Paul, Vorsitzender der Geschäftsführung, Oase GmbH

Vom Weidepumpenhersteller zum internationalen Teichtechnik- und Fontänenspezialisten – diese ungewöhnliche Entwicklung kann die 1949 gegründete Firma Oase GmbH aus Hörstel (Tecklenburger Land) vorweisen. Im Jahr 2002 entschloss sich die Eigentümerfamilie zum Verkauf des Unternehmens

Vom Weidepumpenhersteller zum internationalen Teichtechnik- und Fontänenspezialisten – diese ungewöhnliche Entwicklung kann die 1949 gegründete Firma Oase GmbH aus Hörstel (Tecklenburger Land) vorweisen. Im Jahr 2002 entschloss sich die Eigentümerfamilie zum Verkauf des Unternehmens. Mehrheitsgesellschafter wurde Cognetas, weitere Anteile erhielt die Führungsriege im Zuge eines Management-Buyouts. Der britische Finanzinvestor half bei der Erschließung des asiatischen Marktes und der strategischen Neuausrichtung. Im Interview spricht Ansgar Paul, Vorsitzender der Geschäftsführung, über die Erfahrung mit Private Equity und die Faszination Wasser.

Unternehmeredition: Herr Paul, was waren Ihre bislang größten Aufträge?
Paul: Unsere jüngsten Großprojekte waren der Bau einer Fontänen-Anlage vor dem Luxushotel Mardan Palace in Antalya und eine Wasserinszenierung auf der Banpo-Brücke über den Han-Fluss im südkoreanischen Seoul. Das Wasser wird dort aus dem Fluss gepumpt und mit schwenkbaren Düsen zurückgesprüht. Das sich bewegende, in verschiedenen Farben angestrahlte Wasserkleid ist im Moment die beliebteste Touristenattraktion in Seoul.
Unser bislang ambitioniertestes Projekt war der Bau der weltweit größten schwimmenden Musicalfontäne in St. Petersburg. Auf einem Schwimmponton von 70 mal 70 Metern, was fast schon einem Fußballfeld entspricht, wurde eine gigantische Wasserinszenierung installiert. Durch das Zusammenspiel von Licht, Musik, Wasser und Laser sind beeindruckende Shows möglich.

Unternehmeredition: Anfangs waren Sie auf dem Tecklenburger Land als der Weidepumpenhersteller von nebenan mitsamt Reparaturwerkstatt bekannt. Wie entstand der Wandel des Geschäftsmodells?
Paul: Das Unternehmen wurde 1949 in der Tat als Reparaturwerkstatt für Landmaschinen gegründet. Schon ab 1966 hat sich Oase aber mit Springbrunnen beschäftigt und ist dann in diesem Bereich Schritt für Schritt weitergewachsen. Dies ist ein ganz normaler Prozess, wie er bei vielen mittelständischen Unternehmen, die sich weiterentwickeln, zu beobachten ist. Heute macht Oase Living Water, ganz allgemein gesprochen, die Faszination Wasser erlebbar – in drei Geschäftsfeldern. Dies sind Wassergärten vom Teich bis zur Terrasse, Lake Management, also klares Wasser in öffentlichen Seen, und Fountain Technology. Bei letzterem geht es darum, durch Fontänenanlagen mit Wasser zu beeindrucken und zu begeistern.

Unternehmeredition: Welche Rolle spielte bei Ihrer Entwicklung der Finanzinvestor Cognetas, der 2002 als Mehrheitsgesellschafter in Ihr Unternehmen einstieg?
Paul: Zu dieser Zeit war Oase schon Marktführer im Bereich Gartenteiche. Dann kam die Frage auf: Wie geht es weiter? Was ist der nächste Schritt? Wie wird man dem Preisdruck auf den Märkten gerecht? Das führte dazu, dass uns Cognetas bei der Investition in China unterstützt hat. Dann half der Investor uns auch bei der strategischen Neupositionierung, als aus „Oase Pumpen“ „Oase Living Water“ wurde. Wir haben eine klare Struktur mit drei Geschäftsfeldern geschaffen, die Sortimente deutlich gestrafft und ein Angebot für das bis dahin wenig beachtete Mittelpreissegment entwickelt.

Unternehmeredition:
Was hat sich seit dem Verkauf in der Unternehmensführung geändert?
Paul: Die gesamte Geschäftsführung. Seit 2006 gibt es ein Geschäftsführungsteam von drei Geschäftsführern, das die Strategie konsequent umsetzt und fortschreibt. Auch die Reporting-Strukturen wurden seitdem professionell weiterentwickelt.

Unternehmeredition: Gibt es Konflikte zwischen den Minderheitsgesellschaftern aus dem Management und Cognetas?
Paul:
Das kann ich mit einem eindeutigen „Nein“ beantworten. Die Zusammenarbeit ist ausgesprochen angenehm, zielorientiert und fair. Damit meine ich insbesondere die vorbehaltlose Offenheit, unterschiedliche Sichtweisen im Diskussions- und Entscheidungsprozess zuzulassen und dabei die Auswirkungen auf die Entwicklungsperspektive für Oase in den Vordergrund zu stellen. Dazu gehört beispielsweise, auch in diesen Zeiten Investitionen, wie z.B. für das neue Oase Innovationscenter, zuzustimmen, obwohl Kostendisziplin angesagt ist. Als ich 2006 eingestiegen bin, hatte ich einiges darüber gelesen, welch negatives Image Private Equity teilweise hat. Ich kann das aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Dies liegt sicher auch daran, dass Cognetas immer mit Operating Partners zusammenarbeitet, die als Beiratsvorsitzende mit entsprechender Industrieerfahrung wertvolle Berater des Managements sind.

Unternehmeredition: Wie stark hat Ihr sehr spezielles Segment eigentlich die Finanzkrise getroffen?
Paul: Ganz unterschiedlich. Wir spüren die wirtschaftliche Entwicklung durchaus in den USA und England. Dort ist das Geschäft unter Druck. Unser größter und wichtigster Markt Deutschland entwickelt sich dagegen ausgesprochen zufriedenstellend. Die Konsumentennachfrage ist hier außerordentlich robust. Im Fontänengeschäft, das seinen Schwerpunkt im Nahen Osten und Asien hat, gibt es nach wie vor viele Projekte. Es kommt aber zu zeitlichen Verschiebungen. Im Lake Management ist das Geschäft stabil, wenn auch regional unterschiedlich. Ich sehe uns also trotz der Rezession insgesamt in einer zufriedenstellenden Entwicklung, bei der wir noch Marktanteile hinzugewinnen. Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass aus einer Krise starke Marken als Gewinner hervorgehen.

Unternehmeredition: Wie entwickelten sich bei Ihnen Umsatz und Gewinn?
Paul:2005 verzeichneten wir 97 Mio. Euro Umsatz, 2008 waren es 118 Mio. Euro. Das operative Ergebnis hat sich ebenfalls positiv entwickelt.

Unternehmeredition: Ist denn seitens Cognetas auch schon ein Exit geplant?
Paul: Sicherlich wird zu gegebener Zeit ein Exit stattfinden, das liegt im Wesen von Private Equity. Aber: Es gibt keinen Druck, dass dies unbedingt jetzt sein muss, gerade auch angesichts der aktuellen Marktsituation. Im Moment sehe ich jedenfalls keine Anzeichen, dass der Exit schon in diesem oder dem nächsten Jahr stattfinden wird. Da Oase solide finanziert ist, können wir dieses Thema gelassen angehen.

Unternehmeredition: Herr Paul, vielen Dank für dieses Gespräch.

Das Interview führte Gregor Jungheim.
jungheim@unternehmeredition.de


Zur Person: Ansgar Paul

Ansgar Paul ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Oase GmbH. Oase ist heute nach eigenen Angaben europäischer Marktführer für Teichprodukte, generierte 2008 rund 118 Mio. Euro Umsatz und hat zirka 600 Mitarbeiter, davon etwa die Hälfte in Deutschland.
www.oase-livingwater.com