„Für uns gibt es nur die Flucht nach vorne“

Durch einen Wechsel im Aufsichtsrat gelang Alko der Schritt aus der Lethargie. Die Augsburger verkauften ihre Fahrzeugsparte und übernahmen in diesem Jahr mehrere Unternehmen. Stefan Kober, Vorsitzender des Vorstands der Alko SE, will das Unternehmen wachsen sehen. Mit der Unternehmeredition sprach er über seine Strategie.

Die Bewertungen der Unternehmen sind derzeit hoch, gleichzeitig ist das Zinsniveau attraktiv. Wie agieren Sie in diesem Umfeld?

Durch das Überangebot an Kapital bieten sich viele Möglichkeiten für Übernahmen. Die Bewertungen sind jedoch jetzt schon teilweise irrational. Wir versuchen nicht mehr als das Siebenfache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zu bezahlen. Mit Preisen, die große Private-Equity-Gesellschaften bieten, wollen wir nicht mithalten.

Was dominiert bei Ihnen künftig – organisches oder zugekauftes Wachstum?

Wir versuchen pro Jahr zehn Prozent organisch zu wachsen. Schaffen wir es dann noch, genauso stark durch Übernahmen zuzulegen, ist ein perfektes Wachstum gegeben. Im Durchschnitt sind eher rund 15 Prozent realistisch und für die Organisation verkraftbar.

Wie groß ist das Interesse an Unternehmen aus Ihrem Portfolio?

Anfragen gibt es zu Genüge. Alle Großen haben schon mal angeklopft. Vor allem, nachdem wir die Sparte Fahrzeugtechnik verkauft haben. Unsere Intention ist jedoch, das Unternehmen weiterzuentwickeln und selbst Wachstumschancen zu nutzen.

Gibt es denn keine Schmerzgrenze, an der Sie weich werden?

Momentan halte ich es für ausgeschlossen, Unternehmensanteile zu verkaufen. Deswegen steigen wir erst gar nicht in die Diskussion ein.

Wie optimistisch sind Sie denn für deutsche Familienunternehmen in der Zukunft?

Es gibt in Deutschland sicherlich ganz tolle Vorzeigeunternehmen in Familienbesitz. Aber auch viele, die sich eher blockieren und untereinander nicht grün sind. Einige werden den Generationswechsel sicherlich auch nicht unbeschadet überstehen. Manchmal ist es für den Fortbestand der Firma besser, wenn ein Nichtfamilienmitglied die Führung übernimmt.


Zur Person:

Zusammen mit seinem Bruder gründete Stefan Kober das IT-Unternehmen CANCOM und brachte es an die Börse. Mittlerweile ist es im TechDAX gelistet und kommt auf eine Marktkapitalisierung von knapp einer Mrd. Euro. Kober ist mit zehn Prozent immer noch größter Einzelaktionär des Unternehmens. Nach schwerer Krankheit des Vaters  trat er in das Familienunternehmen AL-KO ein. Mit einer klaren Wachstumsstrategie will Kober den Umsatz von geschätzten 400 bis 500 Mio. Euro in diesem Jahr bis zum Jahr 2025 auf zwei Mrd. Euro steigern. Bekannt wurde das Unternehmen auch als Hauptsponsor des FC Augsburg.

www.alko.de