Seit Dezember 2014 ist Bruno Sälzer CEO und Co-Investor bei der Modemarke Bench. Der Ex-Vorstandschef von Hugo Boss und Escada über seine Beweggründe, sich aktiv am Unternehmen zu beteiligen, die Zusammenarbeit mit dem Private-Equity-Investor Emeram Capital Partners und die weitere Entwicklung der Streetwear-Marke.

Verändert die Beteiligung Ihre Arbeitsweise?

Nein. Ich denke nicht jeden Tag daran, dass ich Geld investiert habe. Im Modegeschäft kann man ohnehin nicht alles in Zahlen ausdrücken. Viel wichtiger ist das Gefühl für die Mode von morgen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ihrem Finanzinvestor Emeram? Mit Permira hatten Sie bei Hugo Boss ja nicht die besten Erfahrungen gemacht.

Das war eine andere Zeit, Anfang 2008, kurz vor der Lehman-Pleite. Damals dachte man noch, dass man Unternehmen mit dem Sechs- bis Siebenfachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verschulden kann. Das widerspricht jeglicher Art ordentlicher Betriebswirtschaftslehre.

Und heute?

Ist die Situation eine andere. Seit der Lehman-Krise gibt es dieses Modell nicht mehr. Zudem bin ich nun ja selbst mit 15 Prozent am Unternehmen beteiligt. Emeram denkt sich: „Der wird sich schon darum kümmern, ist ja schließlich auch sein Geld.“ Eigentlich ganz banal.

Wie läuft die Zusammenarbeit konkret?

Wir haben fünf Meetings pro Jahr, in denen wir vierteljährlich die Zahlen besprechen und einmal das Budget festlegen. Beraten werden wir von einem Beirat. Ein Vorteil ist auch, dass Bench eines der ersten Investments in einem Fonds war, der zehn Jahre läuft und vor zwei Jahren aufgelegt wurde. Weder der Finanzinvestor noch ich stehen unter Druck, nach wenigen Jahren das Unternehmen kurzfristig optimieren zu müssen. Für uns ist das eine gute Ausgangsbasis für eine langfristige Ausrichtung.

Warum ist der Modemarkt für Private-Equity-Gesellschaften momentan so interessant?

Es ist eine Kombination aus mehreren Dingen: Der Markt ist zersplittert, eine Vielzahl an Unternehmen ist relativ klein, und es gibt immer noch den Verdacht, dass es in einem kreativen Umfeld einiges zu optimieren gibt. Zudem sind die Kassen der Investoren voll.

Wie wirkt sich das aus?

Es ist mehr Geld unterwegs, als es passende Anlageobjekte gibt. Das führt dazu, dass die Preise steigen. Und dazu, dass in Unternehmen investiert wird, die man in normalen Zeiten nicht auf dem Zettel hatte.

Der Markt für mittelständische Modeunternehmen ist derzeit extrem schwierig. Steilmann ist insolvent, Gerry Weber oder Tom Tailor schwächeln. Wie wollen Sie mit Bench bestehen?

In den vergangenen 15 Jahren ging es fast ausschließlich nach oben. Die Unternehmen haben die Internationalisierung vorangetrieben und viele eigene Geschäfte eröffnet. Heute erkennt man, dass dies vielleicht nicht immer der richtige Weg war. Bei Bench setzen wir stark auf das Großhandelsgeschäft.