„Auch im Jahr 2009 wollen wir zusätzlich zum KfW-Sonderprogramm das hohe Niveau unserer Förderprogramme halten“ (Ausgabe 2/2009)

Interview mit Dr. Ulrich Schröder, Vorstandsvorsitzender, KfW Bankengruppe

Die KfW Bankengruppe ist Deutschlands größte Förderbank. Im Interview spricht der Vorstandsvorsitzende Dr. Ulrich Schröder über die Auswirkungen der Finanzkrise auf Mittelstand und KfW, die Entwicklung des Fördervolumens sowie die Vergabe zusätzlicher 40 Mrd. Euro zur Finanzierung deutscher Unternehmen im Rahmen der beiden Konjunkturpakete der Bundesregierung.

Die KfW Bankengruppe ist Deutschlands größte Förderbank. Im Interview spricht der Vorstandsvorsitzende Dr. Ulrich Schröder über die Auswirkungen der Finanzkrise auf Mittelstand und KfW, die Entwicklung des Fördervolumens sowie die Vergabe zusätzlicher 40 Mrd. Euro zur Finanzierung deutscher Unternehmen im Rahmen der beiden Konjunkturpakete der Bundesregierung.

Unternehmeredition: Herr Dr. Schröder, wie schätzen Sie die Auswirkungen der Finanz- und Konjunkturkrise auf den Mittelstand ein? Wie stark ist die KfW davon betroffen?
Schröder: Der KfW MittelstandsMonitor 2009, den wir vor kurzem vorgestellt haben, zeigt, dass sich das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen im Verlauf des Jahres 2008 rasch und massiv verschlechtert hat. Allerdings sind die mittelständischen Unternehmen von der Krise noch nicht ganz so stark betroffen wie die international orientierten Großunternehmen. Unsere Zahlen zeigen, dass der Rückgang bei der Investitionsbereitschaft und den Beschäftigungsplänen sich noch in Grenzen hält. Viele Firmen dürften bestrebt sein, die Produktionsanlagen nicht veralten zu lassen und knappes Fachpersonal auch in der Krise zu halten, um für den nächsten Aufschwung gerüstet zu sein. Die Aufgabe der KfW ist, es mit ihrem Sonderprogramm 2009 die Folgen der Krise für den Mittelstand abzufedern.

Unternehmeredition: Im Rahmen der beiden Konjunkturpakete der Bundesregierung stellt die KfW zusätzlich 40 Mrd. Euro zur Finanzierung deutscher Unternehmen zur Verfügung. In welcher Form werden die Mittel angeboten, und was müssen Unternehmen tun, um eine Finanzierung zu erhalten?
Schröder: Das Sonderprogramm ist ein Kreditprogramm zur Finanzierung von Investitionen und Betriebsmitteln. Für mittelständische Unternehmen stellen wir bis zu 50 Mio. Euro bereit, für große Unternehmen bis zu 300 Mio. Euro. Die Zinskonditionen sind marktkonform und orientieren sich im Einzelfall an der Bonität und den Sicherheiten des Antragstellers. Wie bei den anderen KfW-Programmen auch werden die Mittel aus dem KfW Sonderprogramm über die Hausbanken ausgereicht. Diese sind also nach wie vor die primären Ansprechpartner für die Unternehmen. Die Unternehmen wiederum können durch eine zügige Vorlage der notwendigen Unterlagen und ein Maximum an Transparenz den Banken die Kreditentscheidung erleichtern und beschleunigen. Neben der Refinanzierung bietet die KfW den Banken hohe Haftungsfreistellungen und entlastet sie damit in erheblichem Umfang vom Kreditrisiko. Angesichts der Belastungen der Finanzkrise ist dies für viele Banken ein wichtiges Element im derzeitigen Kreditgeschäft

Unternehmeredition: Die KfW Mittelstandsbank hat 2008 mit 14,3 Mrd. Euro rund 10 Mrd. Euro weniger Mittel zur Förderung des Mittelstandes eingesetzt. Was war der Grund dafür? Welches Volumen ist für dieses Jahr vorgesehen (abgesehen von dem angesprochenen Konjunkturpaket)?
Schröder: Der Rückgang ist im Wesentlichen auf den Einbruch bei den Verbriefungen zurückzuführen. Hier ist der Markt praktisch zum Erliegen gekommen. Bei den Finanzierungen sind aufgrund der im 2. Halbjahr 2008 nachlassenden Konjunktur die Globaldarlehen um 1,3 Mrd. Euro geringer ausgefallen, das programmbezogene Finanzierungsgeschäft erreichte mit 11,7 Mrd. Euro aber das hohe Niveau des Vorjahres. Auch im Jahr 2009 wollen wir zusätzlich zum KfW Sonderprogramm das hohe Niveau unserer Förderprogramme der vergangenen Jahre halten, und die bisherige Entwicklung zeigt, dass wir hier auf einem guten Weg sind.

Unternehmeredition: Bei welchen Finanzierungsinstrumenten und Förderprogrammen der KfW erwarten Sie die stärkste Nachfrage? Gibt es neue Trends?
Schröder: Einen Schwerpunkt bildet natürlich das KfW Sonderprogramm. Hier verzeichnen wir ein lebhaftes Interesse sowohl von mittelständischen Unternehmen als auch von großen Firmen. Darüber hinaus erwarten wir, dass unser „Flaggschiff“, der KfW Unternehmerkredit, auch in diesem Jahr stark in Anspruch genommen wird, besonders von kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die ja exklusiv von den zusätzlichen Zinsverbilligungen profitieren.

Unternehmeredition: Im Jahr nach dem 60-jährigen Bestehen plant die KfW eine umfassende Modernisierung. Was verstehen Sie konkret darunter? Inwiefern wird es dadurch Änderungen für mittelständische Firmen geben?
Schröder: Wir haben bereits im vergangenen Jahr die Initiative „Perspektive KfW“ gestartet, mit der wir uns grundlegend neu ausrichten. So schaffen wir zum Beispiel drei Bereiche: für private und öffentliche Kunden sowie den Mittelstand. Jede Einheit wird, unter Wahrung des Durchleitungsprinzips, näher am Kunden sein und gemäß dessen Wünschen neue Produkte entwickeln. Wie jede Bank brauchen auch wir einen starken Vertrieb, der bei unseren Kunden vor Ort ist. Bei Firmenkrediten werden wir noch stärker auf die Banken zugehen, um über unsere Produkte zu informieren.

Unternehmeredition: Wie sollten Unternehmen Ihrer Meinung nach auf die erschwerten Finanzierungsbedingungen reagieren (z. B. Investitionen reduzieren oder auf alternative Finanzierungsinstrumente zum Bankkredit ausweichen)?
Schröder: Bevor ein Unternehmen vor dem Hintergrund der aktuellen Rahmenbedingungen ein notwendiges und sinnvolles Investitionsvorhaben aufgibt, sollte es sich gründlich über das KfW Sonderprogramm 2009 informieren. Das zentrale Ziel dieses Programms ist es ja gerade, die Folgen der Finanzkrise für die Unternehmen abzufedern und sie in die Lage zu versetzen, Investitionen und Betriebsmittel trotzdem zu finanzieren. Ein investitionswilliges Unternehmen, das über eine ausreichende Bonität verfügt, sollte auch zu akzeptablen Konditionen an Fremdkapital kommen und sein Vorhaben realisieren. Die KfW bietet hierfür umfassende Informationen an, auf unserer Internet-Website, unter unseren telefonischen Servicenummern und in Form persönlicher Beratung an unseren Standorten in Frankfurt, Bonn und Berlin.

Unternehmeredition: Herr Dr. Schröder, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de

Zur Person: Dr. Ulrich Schröder
Dr. Ulrich Schröder ist seit September 2008 Vorstandsvorsitzender der KfW Bankengruppe. Diese umfasst auch die KfW Mittelstandsbank, die die Förderangebote für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland unter ihrem Dach bündelt. Die KfW Förderbanken arbeiten im Auftrag von Bund und Ländern. www.kfw.de

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