Geschäft mit Risiken:
Den Sprung nicht schaffen: "Unternehmerisch bin ich natürlich auch schon gescheitert."

Johannes Ellenberg organisiert in Stuttgart sogenannte FuckUp Nights, bei denen Unternehmer in lockerer Atmosphäre von ihren Niederlagen berichten. Im Mai fand bereits die zwölfte Ausgabe statt. Im Interview erklärt Ellenberg, warum der stiefmütterliche Umgang mit dem Scheitern ein Hemmschuh für die Wirtschaft ist.

Unternehmeredition: Herr Ellenberg, wann sind Sie selbst mal persönlich oder unternehmerisch gescheitert?


Johannes Ellenberg: Also das kleine Scheitern passiert uns doch tagtäglich. Mein Wecker klingelt jeden Morgen um sechs Uhr. Ich schaffe es vielleicht jeden zweiten Tag, dann auch wirklich aufzustehen. Unternehmerisch bin ich natürlich auch schon gescheitert. Direkt nach meinem ersten Studium der Wirtschaftsinformatik wollte ich mit zwei Kommilitonen gründen. Die sind mir im letzten Moment abgesprungen, und die Geschäftsidee war gestorben. Das war nicht das einzige Projekt, das in die Hose gegangen ist. Das Schöne ist, dass daraus mein gesamtes Engagement für die Szene entstanden ist und ich sonst heute nicht das tun würde, was ich mache.

Nun haben Sie Ihr eigenes Unternehmen. Mussten Sie da auch schon durch Krisen gehen?

Es gab viele Krisenmomente. Das fing schon bei der Gründung an, weil wir mit dem ursprünglichen Gesellschafterkreis nicht zusammengekommen sind. Auch bei anderen Geschäftsbereichen oder Projekten sind wir hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben. Aber das gehört einfach dazu, wenn man Unternehmer ist.

Mit den FuckUp Nights wollen Sie genau diese Einstellung vermitteln. Ironischerweise scheinen die ganz gut zu laufen?

Ja, die Teilnehmerzahlen sind seit dem Start der Veranstaltung unglaublich gestiegen. Mittlerweile sind wir immer ausverkauft und haben sogar Wartelisten. Es kommen immer wieder viele neue Leute, diese Durchmischung freut uns natürlich. Auch bei den Unternehmern müssen wir weniger suchen, sondern die kommen vermehrt auf uns zu.

Sie sprechen mit diesem Format vor allem junge Leute an. Ist diese Generation dem Thema gegenüber allgemein offener?

Die ältere Generation tut sich da schon schwerer. Selbst Unternehmer, die es längst geschafft haben oder bei denen die Krise lange zurückliegt, sprechen nicht offen darüber. Bei angestellten Managern ist es noch mal viel schwieriger, weil unser Verständnis von Karriere darauf nicht ausgelegt ist. Das ist schade, weil man ja so viel daraus lernen könnte.

Das Scheitern soll nicht mehr als Versagen, sondern als Lernprozess verstanden werden?

Eins der größten Innovationshemmnisse in Deutschland ist die falsche Fehlerkultur. Fehler und Scheitern ist hier gleichzusetzen mit Stigmatisierung im privaten Bereich. Im unternehmerischen Kontext bedeutet es das Aus. Deswegen reden auch viele zu spät darüber oder bitten um Rat.

Warum fällt es der Gesellschaft so schwer, das richtige Fingerspitzengefühl dafür zu finden?

Ich habe das Gefühl, dass es der Gesellschaft besonders gefällt, wenn erfolgreiche Unternehmer scheitern. Ein gewisser Neidfaktor spielt da sicherlich eine Rolle. Selbst im Start-up-Bereich überwiegen oft die hämischen Kommentare, wenn jemand den Sprung nicht schafft. Im Nachhinein wollen es viele Außenstehende oft schon vorher gewusst haben.

Wie sollte man denn selbst damit umgehen, wenn es zu spät geworden ist?

Also es braucht schon die Zeit, um sich mental davon zu erholen. Eine wichtige Erkenntnis ist dabei, dass nicht der Mensch, sondern das Projekt gescheitert ist. Ich finde es klasse, wenn sich nach dieser Phase viele Gründer bei den FuckUp Nights frohen Mutes und frisch hinstellen und neu durchstarten wollen.


Porträt 1 © Accelerate Stuttgart GmbHKurzprofil Johannes Ellenberg

Geboren: 02.03.1984 in Tübingen

Beruf: Unternehmer & Redner

Hobbys: Fitness & Ernährung

Größte Erfolge: Aufbau der Startup-Community in Stuttgart

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