„Ich bin ein Besessener“

Die Mobilität ist im Wandel. Das trifft auch den Autovermieter Sixt. Unterschiedliche Angebote will er künftig bündeln. Über die strategische Ausrichtung sprach die Unternehmeredition mit Vorstand Alexander Sixt in Pullach, der Zentrale von Sixt.

Ihre Produktgruppen ähneln sich sehr – alle haben mit Autovermietung, Carsharing oder Leasing zu tun. Haben Sie keine Angst vor einer Kannibalisierung?

Überhaupt nicht. Der durchschnittliche DriveNow-Fahrer ist 30 Jahre alt, der der Sixt Autovermietung ist über 40. Deswegen handelt es sich eher um komplementäre Gruppen. Der nächste Schritt ist, diese beiden Gruppen miteinander zu verzahnen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Vielen Kunden ist es egal, ob sie sich ein Auto kaufen, leasen oder mieten. Hauptsache es hat vier Räder und der Preis stimmt. Für uns stellt sich die Frage, wie wir Produktangebote bündeln und kombinieren, ohne sie zu kompliziert zu machen. Wir arbeiten momentan daran, die verschiedenen Geschäftsfelder in einem homogenen Pool zusammenzubringen. Für uns ist es wichtig, dem Kunden das beste Angebot zu machen.


„Jedes gefahrene Carsharing-Auto bis zu 12.500 gefahrenen Kilometern im Jahr ist günstiger als ein gekaufter Mittelklassewagen – und 70 Prozent der Deutschen fahren weniger als 12.500 Kilometer.“

Alexander Sixt, Sohn von Erich Sixt und Vorstandsmitglied


Das heißt konkret?

Wir haben derzeit ein Pilotprojekt, bei dem wir einigen Firmenkunden Mobilitätsbudgets anbieten. Dabei können sie verschiedene Subprodukte an ihre Mitarbeiter weitergeben. Sie wählen dann aus, welche Angebote sie nutzen wollen. Nur selten ist ein Dienstwagen die günstigste Lösung. Jedes gefahrene Carsharing-Auto bis zu 12.500 gefahrenen Kilometern im Jahr ist günstiger als ein gekaufter Mittelklassewagen – und 70 Prozent der Deutschen fahren weniger als 12.500 Kilometer.

Der Stellenwert des Autos sinkt. Wie wichtig ist die Marke für Sie?

Die Qualität eines Autos hat in Deutschland immer noch einen enormen Stellenwert. Das merken wir sehr stark. Mehr als 60 Prozent unserer Flotte sind Premiumfahrzeuge. Diese Strategie hat sich bislang ausgezahlt.

Das muss aber nicht so bleiben…

… das könnte sich künftig sogar noch verstärken.

Ihr Vater hatte sich zunächst vehement gegen die Einführung eines Carsharing-Modells gewehrt. Wie haben Sie ihn von DriveNow überzeugt?

Überzeugen brauchte ich ihn nicht. Er fragte mich, ob ich dafür die Verantwortung übernehmen möchte. Ich sagte ja und er: „Dann machen wir das.“ Wäre es schiefgelaufen, würde ich wohl nicht hier sitzen.

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