„French Connection“ schafft einen europäischen Marktführer

Moderne Schwimmbadtechnik von der CF-Group Foto: Sarah Chambon für Carré BleuCF Group Foto: CF Group

Der Weg in die europäische Spitzengruppe ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Das hat auch Cedrik Mayer-Klenk, CEO der CF Group am eigenen Leib erlebt. Vor fast 25 Jahren übernahm er als studierter Unternehmensberater ein kleines Unternehmen für Reinigung und Hygiene von Schwimmbädern, das sein Vater in den 80er Jahren verkauft hatte.

 „Ich habe sicher am Anfang die rosarote Brille aufgehabt und es gab in der ersten Zeit nach meinem Einstieg den einen oder anderen Tag, an dem ich gerne den Reset-Knopf gedrückt hätte“, erinnert sich Mayer-Klenk. Er kannte den Betrieb der Chemoform AG aus Wendlingen noch aus der Zeit, als er in der Produktion mitgearbeitet hat und hatte viele Ideen für die weitere Entwicklung. Mit dem Kapital aus einem Existenzgründerdarlehen begann er seinen Weg, der die deutsche CF Group inzwischen zu einem der drei größten Unternehmen in Europa für Sauberkeit, Hygiene und Pflege in privaten und öffentlichen Schwimmbädern gemacht hat.


Ein hartes Stück Arbeit

Im Nachhinein war es aus seiner Sicht „ein hartes Stück Arbeit“. Seine ersten Schritte absolvierte er in Osteuropa und wurde dafür anfangs belächelt. In seinem Umfeld konnte man sich nicht vorstellen, dass man in diesen ärmeren Ländern Zubehör für Schwimmbäder verkaufen kann. Es stellte sich aber als kluger Schachzug heraus, denn Chemoform agierte dort beinahe ohne Mitbewerber und konnte so quasi ‚unter dem Radar‘ fliegen. Wichtigste Zielmärkte waren zunächst Polen und Rumänien und hier wurde ein einträgliches Geschäft aufgebaut. „Wir konnten uns in diesen Märkten sehr gut entwickeln und haben damit die Grundlage für weiteres Wachstum geschaffen“, erinnert sich Mayer-Klenk.

Erste Akquisitionen ab 2001

Recht früh ergaben sich dann Gelegenheiten, neben dem organischen Wachstum auch durch Firmenübernahmen für Expansion zu sorgen. Bereits 2001 gab es die erste Akquisition – es folgten weitere Käufe, teils Krisenfälle, teils Carve-Outs. Mayer-Klenk kam es dabei aber nicht auf den Faktor Größe an, sondern er wollte neue Märkte erschließen oder den Zugriff auf neue Vertriebswege bekommen. Ein wichtiger Schritt in dieser Phase war unter anderem der Vertrieb der eigenen Produkte über Baumärkte.

Großer Zusammenschluss geplant

2019 war dann der Punkt erreicht, an dem eine weitere geplante Transaktion der Hilfe eines externen Partners bedurfte. Es ging um den Zusammenschluss von Chemoform mit der französischen FIJA-Gruppe zur heutigen CF Group. „Alleine schon aufgrund der Größe von FIJA war es notwendig, dass wir uns Unterstützung von außen holen. Wir hatten eine Vielzahl von Angeboten, zu denen auch eine Kreditfinanzierung gehörte. Uns war es aber wichtig, dass wir auch in der Zukunft finanziell beweglich bleiben, um auf Entwicklungen des Marktes reagieren zu können“, erklärt Mayer-Klenk. Die ursprüngliche Idee war eine Mezzanine-Finanzierung, mit diesem Modell machte sich die beauftragte M&A-Beratung auf die Suche.

Erfahrung im französischen Markt

Einer der möglichen Finanzierungspartner für die Abwicklung war Sébastien Neiss, Geschäftsführer von Crédit Mutuel Equity und verantwortlich für Deutschland. Als die Anfrage bei ihm ankam, setzte er sich mit seinem Team zusammen und entwickelte eine alternative Strategie. „Wir sind seit 40 Jahren in Frankreich aktiv und nun auch seit fünf Jahren in Deutschland. Unsere Spezialität sind langfristige Minderheitsbeteiligungen an Familienunternehmen, die wir aus der Bankbilanz der Crédit Mutuel Alliance Fédérale-Gruppe finanzieren. Wie das Ergebnis zeigt, haben wir den besten Vorschlag gemacht für die weitere Entwicklung“, erklärt Neiss. Für Crédit Mutuel Equity sprach zudem, dass die Gesellschaft bereits über umfangreiche Erfahrung im französischen Markt für private und öffentliche Bäder verfügte. Frankreich hat in Europa den größten Markt in der Schwimmbadbranche, so dass hier eine gute Expertise die Basis für den unternehmerischen Erfolg liefert.

Es passte gut zusammen

Werk der CF-Group in Wendlingen Foto: CF Group

Mayer-Klenk kannte die FIJA-Gruppe schon längere Zeit, ehe der Gedanke eines Zusammenschlusses Form annahm. FIJA war Kunde der Chemoform AG und es gab zudem gemeinsame Projekte. Als sich abzeichnete, dass für den Hauptgesellschafter eine Nachfolgeregelung gesucht wird, begannen die Gespräche. „Das passte alles sehr gut zusammen, die Unternehmen sind komplementär, und für uns war es die perfekte Gelegenheit für einen Einstieg in den französischen Markt“, erinnert sich Mayer-Klenk, der in Frankreich geboren wurde und daher fließend französisch spricht.

Minderheitsbeteiligungen in Frankreich üblich

Die Finanzierung über eine Minderheitsbeteiligung durch die Crédit Mutuel Equity war für alle Beteiligten die optimale Lösung. „In Deutschland ist diese Form der Finanzierung von Transaktionen eher die Ausnahme, während in Frankreich der Markt für Minderheitsbeteiligungen fünf- bis achtmal größer ist“, sagt Neiss. Er begründet das unter anderem mit den regulatorischen, gesetzlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen, aufgrund derer französische Unternehmen einen höheren externen Kapitalbedarf haben und Banken eine größere Rolle im Beteiligungsmarkt einnehmen können als in Deutschland. Die Minderheitsbeteiligung sei in Frankreich daher ein weitverbreitetes Tool zur Finanzierung. Crédit Mutuel Equity könne bei seinen Beteiligungen langfristig agieren, da man nicht an Fondslaufzeiten gebunden ist. Schließlich wurden die Verhandlungen zügig abgeschlossen: „Das ging außergewöhnlich schnell“, erinnert sich Neiss.

Positive Bilanz nach zwei Jahren

Foto: François Deladerrière für Carré Bleu

Zwei Jahre nach dem Zusammenschluss ziehen Neiss und Mayer-Klenk eine positive Bilanz. „Die Entwicklung liegt über unseren Erwartungen, wir haben ein sehr gutes Wachstum und es gibt eine Vielzahl von positiven Aspekten. Die Kulturen beider Unternehmen passen sehr gut zusammen“, sagt Mayer-Klenk. Dies sei unter anderem der Tatsache zu verdanken, dass der Zusammenschluss von langer Hand vorbereitet war und somit für die Mitarbeiter nicht überraschend kam. „So eine gute Vorbereitung habe ich bislang selten erlebt“, lobt Neiss den Prozess. Es wurde zudem eine gute Governance-Lösung gefunden, indem der frühere Inhaber der FIJA-Gruppe nun im Aufsichtsrat vertreten ist.

Corona bringt Licht und Schatten

Ein Jahr nach dem weltweiten Ausbruch der Corona-Pandemie sieht Chemoform-Chef Mayer-Klenk Licht und Schatten bei den geschäftlichen Folgen für sein Unternehmen. Bei den öffentlichen Bädern und Thermen sei der Markt stark belastet, während es erhebliche Zuwächse bei privaten Bädern und Pools gibt. Zusätzliche Erlöse gab es durch einen kurzfristigen Einstieg in die Produktion von Desinfektionsmitteln. „Wir haben in den vergangenen Monaten zudem einen gewaltigen Digitalisierungsschub erlebt“, sagt Mayer-Klenk. Davon werde das Unternehmen weiter profitieren.

Für die Zukunft sind nach Aussage von Mayer-Klenk weitere Übernahmen nicht ausgeschlossen – die Entwicklung der CF Group schreite stetig voran und es ergäben sich immer wieder interessante Optionen. Außerdem arbeite man daran, nachhaltiger zu produzieren und den Energieverbrauch bei der Produktion zu senken.


ZUR PERSON

Cedrik Mayer-Klenk Foto: CF Group

Cedrik Mayer-Klenk ist Vorstandsvorsitzender der Chemoform AG mit Sitz in Wendlingen und Köngen. Er hat das Unternehmen vor fast 25 Jahren mit 15 Mitarbeitern übernommen und seither zu einem der europäischen Marktführer mit rund 1.000 Beschäftigten aufgebaut. Das Unternehmen bietet Produkte für Sauberkeit, Hygiene und Pflege in privaten und öffentlichen Schwimmbädern. 2019 schlossen sich die Chemoform AG und die französische FIJA Gruppe zur CF Group zusammen. Sie vereint eine ganze Reihe von Unternehmen und Marken in den Marktsegmenten Schwimmbadwasserpflege, Sauna/Wellness, Pools und Zubehör.

 

Sébastien Neiss Foto: Crédit Mutuel Equity

Sébastien Neiss leitet seit 2018 das deutsche Büro von Crédit Mutuel Equity (CME), einer Tochtergesellschaft für Direktbeteiligungen der Crédit Mutuel Alliance Fédérale. CME bietet mittelständischen Unternehmen Lösungen in allen Bereichen der Eigenkapitalfinanzierung. Der Investitionsfokus liegt auf Minderheitsbeteiligungen mit einem Transaktionsvolumen zwischen 5 und 30 Millionen Euro. Aktuell ist CME mit rund 3,4 Milliarden Euro Eigenkapital in rund 350 Unternehmen investiert.