Seit mehr als 30 Jahren entwickelt und produziert die W. Krömker GmbH Produkte für die Medizintechnik. Als ersten Schritt zu einer Nachfolgelösung verkaufte Geschäftsführer Wilfried Krömker Ende 2012 die Mehrheit an seinem Unternehmen an zwei Beteiligungsgesellschaften. Im Gespräch berichtet er über die Entwicklung seines Betriebs und die Erfahrung mit den neuen Mitgesellschaftern.

Unternehmeredition: Herr Krömker, von einem kleinen Betrieb entwickelte sich Ihr Unternehmen zu einem führenden Dienstleister der Medizintechnik. Wie fing alles an?
Wilfried Krömker: In meinem Haus, im Keller. Dort tüftelte ich an den ersten Gelenkarmen für die Medizintechnik, neben meinem Beruf als Hubschraubertechniker bei der Bundeswehr. Schnell bekam ich die ersten Aufträge, und bald darauf baute ich eine kleine Halle mit einem Kredit von der Volksbank Schaumburg. Damals mussten wir jeden Pfennig umdrehen. Schon bald waren wir führend in der Gelenkarm-Schwenkarmtechnik; heute haben wir mehr als 40 Mitarbeiter und wachsen stetig.


Ihre Kunden sind große Unternehmen wie Dräger, Hamilton, Maquet und B. Braun Melsungen. Wie behaupten sie sich gegen die Konkurrenz?
Wir haben uns auf das Engineering spezialisiert und sind ein absoluter Nischenplayer. Die Kunden geben uns einen Anforderungskatalog und bekommen einen Prototyp, und wir die Zusage, anschließend die Produkte in Serie zu produzieren. Diese Strategie hat bislang hervorragend funktioniert, unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt. Aufgrund der Flexibilität präferieren unsere Kunden mittelständische Unternehmen als Zulieferer. Die Anforderungen an die Produkte sind immer verschieden. Wir haben wenig Wettbewerb, da wir häufig nur kleine Serien herstellen.

Im Jahr 2012 haben Sie die Anteilsmehrheit an VR Equitypartner und Invicto verkauft. Weshalb?
Ich bin jetzt 64 Jahre alt und suche einen Nachfolger. Meine Tochter und mein Sohn hatten kein Interesse, das Unternehmen zu übernehmen. Schon vor mehreren Jahren sagten sie zu mir: „Papa, wir machen das nicht.“ Ich hatte die leise Hoffnung, dass der Schwiegersohn in das Unternehmen einsteigt; er wollte aber auch nicht.

Wie ging es weiter?
Ich nahm einen Geschäftsführer mit ins Unternehmen, der mich allerdings über den Tisch zog. Momentan haben wir wieder einen zweiten Geschäftsführer. Ihm alleine wollte ich die Verantwortung allerdings nicht aufbürden. Deswegen kam ich auf die Idee, einen Investor ins Unternehmen zu holen.

Haben Sie dabei einen Experten hinzugezogen?
Ich hatte einen guten Steuerberater, der mir seit Jahren zur Seite steht und früher Firmenverkäufe tätigte. Über die Volksbank Schaumburg kam dann der Kontakt zu VR Equitypartner zustande; die Unterstützung der Bank hat mir sehr geholfen. In Kombination mit Invicto haben wir schließlich den idealen Partner gefunden, der sich auf Unternehmensnachfolgen spezialisiert hat und uns auch operativ unterstützt.

Wie sind bislang Ihre Erfahrungen mit den Investoren?
Es war definitiv der richtige Weg. Wir sind gestärkt und starten jetzt richtig durch. Wir haben gute Kontakte und gewinnen große Aufträge. Der Einstieg der Investoren gab mir eine gewisse Sicherheit und brachte neue Perspektiven ins Unternehmen. Für zehn Jahre haben sie die gesamten Hallen, Gebäude und Grundstücke gepachtet. Bei der Strategieentwicklung unterstützen sie uns ebenfalls, damit wir auch künftig überproportional am Branchenwachstum von bisher durchschnittlich 5% bis 8% partizipieren können. Vermehrt kommen Anfragen aus Schwellenländern. Wir haben ein positives Image und unser Ergebnis passt auch.

Was hat sich denn seit dem Verkauf für Sie selbst geändert?
Gar nicht so viel. Es gibt eine Vereinbarung, dass ich wie bisher weiter machen soll, bis ein kompetenter Nachfolger gefunden ist. Das funktioniert bislang auch gut. Durch die lange Tätigkeit habe ich gute Kontakte in den Markt und eine breite Kundenbasis. Mein Erfahrungsschatz aus 37 Jahren hilft doch sehr.

Haben Sie schon einen Nachfolger für sich gefunden?
Über einen Personalberater suchen wir momentan intensiv nach einem geeigneten Kandidaten. Es ist allerdings nicht einfach jemanden zu finden, der den nötigen Mut, die Kompetenz und das richtige Gespür für Kunden und Mitarbeiter mitbringt.

Ist es schwer, einen geeigneten Kandidaten zu finden?
Viele Bewerber sind im Konzern groß geworden und haben über Jahre hinweg die Denke einer großen Gesellschaft eingeimpft bekommen. Die passt nicht immer zu einem Mittelständler wie uns. In den Konzernen haben die Mitarbeiter keine Entscheidungsfreiheit mehr. Da braucht es wegen einer Kleinigkeit 20 Unterschriften. Ich treffe 90% der Entscheidungen alleine. Und diese Entscheidungskraft muss der Nachfolger unbedingt mitbringen.

Sie sind jetzt 64 Jahre alt, wie lange wollen Sie als Geschäftsführer noch an Bord bleiben?
Ende dieses Jahres endet mein Vertrag, den ich möglicherweise verlängern werde. Mein Herzblut hängt am Unternehmen, und ich habe großes Interesse, dass es erfolgreich weitergeht.


Wie sieht es mit einer Expansion ins Ausland aus?

Wir verkaufen neue Produkte meist an die großen Kunden hier in Deutschland. Diese haben wiederum Kunden im Ausland. Indirekt profitieren wir also von deren Aktivitäten. Auslandsgesellschaften zu gründen und einen Vertrieb aufzubauen ist aktuell nicht geplant. Wir haben jedoch viele neue Ideen im Bereich Marketing und Vertrieb, die wir sukzessive umsetzen werden.

Bedingt die Zusammenarbeit mit Beteiligungsgesellschaften nicht einen hohen zusätzlich Aufwand?
In gewisser Weise schon. Es gibt einige Besprechungen mehr, wir diskutieren Strategien und regelmäßig informiere ich die Investoren über aktuelle Themen und Zahlen. Das ist aber nicht negativ, schließlich stehen sie mir im Gegenzug mit Rat und Tat zur Seite. Aktuell helfen sie mir etwa sehr bei der Nachfolgelösung. Und schließlich haben sie mit 90% auch die Anteilsmehrheit. Mir gehören die übrigen 10%.

Wie lange wollen die Investoren an Bord bleiben?
Sie wollen über Jahre investiert bleiben, das war eine meiner Bedingungen. Weder Invicto noch die VR Equitypartner sind klassische Private-Equity-Investoren mit Verkaufsdruck oder zeitlicher Limitierung. Darauf wird aber auch die Volksbank Schaumburg ein Auge haben, schließlich sind wir ein guter Kunde.


Zur Person:
Wilfried Krömker ist gelernter Maschinenbauer und startete seine Karriere bei der Bundeswehr als Hubschraubermechaniker. Nebenher tüftelte der 64-Jährige in seinem Keller an Gelenkarmen für die Medizintechnik und war schnell erfolgreich. Heute beschäftigt das Unternehmen 40 Mitarbeiter und beliefert große Medizintechnikunternehmen wie Dräger oder B. Braun Melsungen. www.kroemker-medtec.de