Wachstumsfinanzierung mit Standard-Mezzanine (Ausgabe 3/2009)

Oettinger Brauerei GmbH: Direkt am Endkunden

Unabhängigkeit ist für Michael Mayer ein hohes Gut. Deswegen, sagt der kaufmännische Geschäftsführer der Oettinger Brauerei GmbH, sei das aufgenommene Mezzanine-Kapital auch nur eines von mehreren Finanzierungsinstrumenten

Unabhängigkeit ist für Michael Mayer ein hohes Gut. Deswegen, sagt der kaufmännische Geschäftsführer der Oettinger Brauerei GmbH, sei das aufgenommene Mezzanine-Kapital auch nur eines von mehreren Finanzierungsinstrumenten. Gleichwohl kommt die aufgestockte Eigenkapitalquote der Brauerei-Gruppe, die mittlerweile auch in Moskau Bier abfüllt, für die weitere Expansion nicht ungelegen.

Bier-Aldi mit cleverer Strategie
In der deutschen Brauerei-Szene ist die Oettinger-Gruppe so etwas wie das ungeliebte Stiefkind. Konkurrenten lästern gern über den „Bier-Aldi“, der keine aufwendige Werbung macht und nicht in der Kneipe zu haben ist, dafür aber – unter Umgehung des Getränkegroßhandels – sein Bier von fünf strategisch gut gelegenen Brauereien in ganz Deutschland mit einer eigenen Laster-Flotte direkt in die Supermärkte fahren lässt. Das trägt nicht nur dazu bei, dass der Kasten Oettinger den Endkunden mitunter weniger als die Hälfte eines Marken-Kastens kostet. Sondern auch, dass die komplett in Familienbesitz befindliche Brauerei-Gruppe mit einer Produktion von 8,5 Mio. Hektolitern Marktführer ist.

Mehrere Finanzierungsinstrumente
„Das ist gleichzeitig auch die nächste Herausforderung“, sagt Michael Mayer. Der deutsche Markt sei allmählich dicht, weiteres Wachstum vor allem über Handelsmarken oder den Export zu erreichen. Seit Oktober 2008 produziert bereits eine Moskauer Brauerei in Lizenz Oettinger für den russischen Markt. Das, so Mayer, sei „sicher nicht der letzte Schritt“ gewesen. Ähnlich pragmatisch wie den Vertrieb – Seniorchef Günther Kollmar spricht scherzhaft von seiner „Großspedition mit angeschlossener Brauerei“ – organisiert Oettinger die Finanzierung des Kurses. „Die klassischen Banken entwickeln sich immer mehr zum Vermittler zwischen Kapitalgeber und -nehmer“, sagt Finanzchef Mayer. Aus strategischen Gründen sei es deshalb sinnvoll, weitere Finanzierungspartner und -instrumente ins Boot zu holen. Für zukünftige Akquisitionen „empfiehlt es sich ohnehin, die Eigenkapitalseite zu stärken“, sagt Mayer. Eine der Hausbanken, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), vermittelte das SmartMezzanine Programm der HSH Nordbank und der LBBW, das von dem Züricher Mezzanine-Spezialisten Altium MitKap AG gemanagt wird. Neben einem Konsortialkredit und Schuldscheindarlehen nahm Oettinger fünf Mio. Euro Mezzanine-Kapital auf. Dadurch stieg die Eigenkapitalquote von 32 auf gut 42%.

Eigenkapital mit Hebelwirkung
Ein Vorteil, den sowohl Mayer als auch Philipp Wagner von Altium MitKap hervorheben, ist die unkomplizierte Abwicklung des weitgehend standardisierten Produktes. „Der Prozess ist auf das Wesentliche konzentriert, das Geld steht sofort zur Verfügung. Übrigens wird über SmartMezzanine trotz Krise weiterhin Kapital ausgereicht“, betont Wagner. Und Mayer bewertet den Prüfungs- und Ausreichungsprozess kurzum als „mittelstandsgeeignet – auch im laufenden Betrieb.“ Da Oettinger seine Finanzierungspartner zudem ohnehin proaktiv über das laufende Geschäft informiere, entstehe ein „fruchtbares Miteinander“, aus dem „durchaus auch längere Partnerschaften wachsen können und sollen.“ Das Mezzanine muss im Juli 2013, nach sieben Jahren Laufzeit, zurückgezahlt werden. Bis dahin, ist Mayer sicher, werde es sich durch die Hebelwirkung des höheren Eigenkapitals mehrfach ausgezahlt haben. „Sie bekommen schlicht erheblich günstigere Konditionen bei anderen Finanzierungen. Das und das Plus an Sicherheit sind den Mehrpreis zu anderen Instrumenten wert“, sagt Mayer. Ein Teil des Geldes sei unmittelbar in Bau und Inbetriebnahme zweier neuer Abfüllanlagen geflossen, der Rest stehe für die geplante Ausdehnung des „Bier-Aldis“ zur Verfügung.

Lars Radau
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil Oettinger Brauerei GmbH
Gründungsjahr: 1956
Branche: Brauerei
Unternehmenssitz: Oettingen (Bayern)
Mitarbeiterzahl: 1.112
Umsatz 2008: 420 Mio. Euro
Internet: www.oettinger-bier.de

„Nicht nur von einer Quelle abhängig“
Interview mit Michael Mayer, kaufmännischer Geschäftsführer, Oettinger Gruppe

Unternehmeredition: Herr Mayer, wo liegt aus Ihrer Sicht der Hauptvorteil der Mezzanine-Finanzierung?
Michael Mayer: Dass das Geld zu 100% dem bilanziellen Eigenkapital zugerechnet wird, verbessert schlicht und einfach unser Standing bei weiteren Finanzierungsanfragen. Das ermöglicht dort bessere Konditionen, so dass sich schließlich auch der Mehrpreis zu anderen Finanzierungsinstrumenten relativiert. Am Ende dürfte da mindestens ein Nullsummenspiel herauskommen.

Unternehmeredition: Sie stellen die Finanzierung bei Oettinger bewusst auf mehrere Säulen, Mezzanine-Kapital ist nur eine davon. Warum?
Mayer: Wir sind in der komfortablen Lage, mehrere Finanzierungsinstrumente ausprobieren zu können. Wenn Sie als Unternehmen Eigenkapital brauchen, um überhaupt zu überleben, ist ein Mezzanine-Darlehen auch sicherlich nicht die richtige Lösung. Für uns hat es aber als Bestandteil eines Mixes gut gepasst – zum einen auf der finanziellen Seite, zum anderen auch, um uns eine größere Unabhängigkeit bei der Kapitalbeschaffung zu sichern und nicht mehr von einer Quelle abhängig zu sein.

Unternehmeredition: Oettinger ist auf der anderen Seite dadurch zu einer für Familienunternehmen großen Transparenz gezwungen. Nehmen Sie das für die Unabhängigkeit in Kauf?
Mayer: Es gibt da einen dummen Spruch: „Never surprise your banker – überrasche nie deinen Banker“. Der ist genau genommen alles andere als dumm. Nur wenn man die Karten klar und offen auf den Tisch legt, bekommt man auch adäquate Reaktionen. Deswegen informieren wir unsere Partner proaktiv über das, was im Unternehmen passiert oder ansteht. Das ist zum einen hilfreich, wenn man wie wir längere Partnerschaften pflegen will – und zum anderen erst recht, wenn es mal nicht wie geplant läuft.

Unternehmeredition: Herr Mayer, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lars Radau.
redaktion@unternehmeredition.de

Autorenprofil
Vorheriger Artikel„Einstmals günstige Finanzierungsform entpuppt sich in schwierigen Zeiten als Brandbeschleuniger“ (Ausgabe 3/2009)
Nächster ArtikelWachstumsfinanzierung durch stille Beteiligung (Ausgabe 3/2009)