Kurze Zeit sah es nicht gut aus für die SHS AG aus München: Abschreibungen auf eine strauchelnde spanische Tochtergesellschaft trieben die Gruppe 2008 in die roten Zahlen, auch weite Teile des operativen Geschäfts waren nicht profitabel. CEO Stefan Gilmozzi startete einen straffen Aufräumkurs. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Bereits das Geschäftsjahr 2011 war eines der erfolgreichsten der Firmengeschichte. 

Die Software entscheidet: Während manche Kunden bei ihrem Online-Einkauf per Rechnung bezahlen dürfen, dürfen das andere nur per Vorabkasse. Dahinter steckt oft Technologie der SHS Viveon AG aus München. Der Konzern bietet Software zum Management von riesigen Datenmengen. Kunden sind etwa BMW Financial Services, Vodafone und die Comdirect Bank, die damit die Bonität ihrer Kunden überprüfen. Oder der Shell Konzern, der mit Hilfe der Münchner sein Credit Management betreibt.

Die Erfolgsgeschichte des Konzerns begann 2006, als die SHS Informationssysteme AG und die Viveon AG fusionierten. Geschäftsfeld der Viveon AG war die Beratung im Bereich Risiko- und Werteevaluation von Kundenbeziehungen, die SHS AG hatte schon immer Software in diesem Bereich entwickelt. Doch bereits zum Zeitpunkt des Zusammenschlusses waren die Gewichte ungleich geteilt. Der Geschäftsbereich der Viveon AG, verantwortet von Mitgründer Stefan Gilmozzi, war als einziger profitabel; die Tochtergesellschaften der SHS, die spanische SHS Polar sowie der Softwareentwickler Guardean GmbH, erwirtschafteten zwar stabile Umsätze, schrieben unterm Strich aber niedrige einstellige Millionenverluste. Außerdem belasteten Abschreibungen auf Darlehensforderungen gegenüber der SHS Polar das Jahresergebnis beträchtlich. Im Abschluss 2008 stellte der Wirtschaftsprüfer deshalb nur noch ein eingeschränktes Testat aus. Spätestens da war klar: Es musste etwas geschehen.

Restrukturierung „One Company“
Zum Oktober 2009 wurde Stefan Gilmozzi zum alleinigen Vorstand ernannt, einige Restrukturierungsschritte konnte er aber schon im Juni einleiten. Bereits 2008 war eine Kapitalherabsetzung im Verhältnis 1:40 notwendig gewesen – die hohen Abschreibungen auf die SHS Polar hatten das Eigenkapital von 11,1 Mio. auf 375.000 EUR wegschmelzen lassen, der Aktienkurs lag zeitweise bei 7 Cent. Für die daran anschließende Rekapitalisierung der Gesellschaft konnte Gilmozzi wichtige Großinvestoren gewinnen. Die SHS Polar wurde für 5.000 EUR abgestoßen, aufgrund einer Insolvenz der Käuferfirma kam jedoch nicht einmal dieser Betrag rein. Als nächstes machte sich Gilmozzi an die komplizierte Holding-Struktur: Die verbleibenden zwei Tochtergesellschaften SHS Viveon AG und Guardean GmbH hatten beide jeweils eigene Finanzbuchhaltungen und Büroverwaltungen, außerdem wickelten sie ihre Personal- und Marketingabteilungen eigenständig ab. Eine teure und ineffiziente Doppelstruktur. Unter dem Motto „One Company“ zentralisierte Gilmozzi alles in der in München ansässigen SHS Viveon AG, die fortan als Mutterkonzern fungierte. Außerdem kündigte er alle Verträge, die keine direkte Wertschöpfung brachten: also keine Agentur für Investor Relations mehr, kein Designated Sponsoring, der Besuch von Messen fiel ebenfalls flach. Aus Kostengründen entschied sich das Unternehmen ie Firma gar dazu, vom Prime Standard der Frankfurter Börse in den Freiverkehr der Regionalbörse München zu wechseln.

Rigider Sparkurs

Über den rigiden Sparkurs hinaus führte Gilmozzi auch die Bereiche Consulting und Softwareentwicklung näher zusammen und verschlankte Prozesse und Strukturen. Besonders schmerzhaft waren die Restrukturierungsmaßnahmen bei der Guardean GmbH: 14 Mitarbeiter mussten entlassen werden, auch sonst brachen für die Software-Entwickler neue Zeiten an. Kundenstamm und Auftragslage waren stabil, Verluste ergaben sich jedoch aus vorzeitig zugesprochenem Budget, das dann doch keine Returns erzielte. Fortan musste die Guardean mit so viel liquiden Mitteln auskommen, wie sie auch an sicheren Einnahmen nachweisen konnte. Jeder zusätzliche Verkauf konnte künftig sofort als Gewinn verbucht werden.

Die Geschäftszahlen von 2009 gaben dem Sparkurs von Gilmozzi Recht: Das Betriebsergebnis von -3 Mio. EUR 2008 konnte bei 0,4 Mio. EUR stabilisiert werden, ohne die Abschreibung auf das Darlehen der SHS Polar wäre ein positiver Jahresüberschuss rausgesprungen.