Johann Gottlob Nathusius galt um 1810 als Gründer des ersten deutschen Industriekonzerns. 200 Jahre später ist sein Ururenkel mit der Sanierung des traditionsreichen Fahrradherstellers MIFA beschäftigt: Heinrich von Nathusius, Seniorchef von IFA Rotorion, übernahm den insolventen Fahrradhersteller. 

„Wir wollen die Importe von Fahrrädern ablösen“

Interview mit Heinrich von Nathusius, Geschäftsführender Gesellschafter, MIFA Bike Gesellschaft GmbH

Unternehmeredition: Herr von Nathusius, Sie wollen im Zuge der Restrukturierung den Fahrradhersteller MIFA wie einen Automobilzulieferer aufstellen. Warum orientieren Sie sich an der Automobilindustrie?


Heinrich von Nathusius (© Privat)
(© Privat)

Von Nathusius: Das hat zwei Gründe. Zum einen ist die mittelständische unternehmergeführte Fahrradindustrie in Deutschland fast ausschließlich handwerklich geprägt. Man kennt hier kaum effiziente Produktionsstrukturen. Zum anderen – und das ist unser Ansatzpunkt – ist die eigene Wertschöpfungsquote bei MIFA mit 30 bis 35 Prozent ähnlich wie bei einem Automobilzulieferer. Das heißt, bis zu 70 Prozent der Teile werden zugekauft und von uns montiert und veredelt. Je kleiner die eigene Wertschöpfung, desto schlanker muss das Unternehmen sein.

Reicht eine straffere Produktion aus, um gegen die Billigkonkurrenz aus Fernost und Südeuropa langfristig im Wettbewerb zu bestehen?

Das lässt sich in Zahlen belegen. Nahezu alle Hersteller auf der Welt haben eine dreißigprozentige eigene Wertschöpfung. Zwar liegen die Personalkosten in Litauen mit 7,5 Prozent um die Hälfte niedriger als in Deutschland. Allerdings werden die geringeren Personalkosten durch erhebliche Mehrkosten für Transport und Fracht ausgeglichen.

Wo will MIFA strategisch neue Marktanteile gewinnen?

Derzeit werden in Deutschland nur zwei Mio. Fahrräder hergestellt, davon eine Mio. Fahrräder exportiert. Umgekehrt werden aber drei Mio. Räder importiert. Hier können wir uns vorstellen, mit einer Produktion Made in Germany die Zahl der Importe zu verringern. Zudem setzen wir auf den Markt für E-Bikes, der jährlich um zehn Prozent wächst.

Vielen Dank für das Gespräch.