Von der Beteiligungsfinanzierung zum Börsengang

 

Der umsatzstärkste Fahrradhersteller Deutschlands ist aus einem Management Buy-out (MBO) hervorgegangen. Finanziert mit Beteiligungskapital, gelang eine strategische Neuausrichtung mit starkem Wachstum und steigender Profitabilität. Zu Beginn dieses Jahres beschaffte sich Derby Cycle mit dem erfolgreichen Gang an die Börse das notwendige Kapital für die weitere Expansion. Das Unternehmen will nun vor allem die Wachstumschancen an den internationalen Märkten und die steigende Nachfrage nach Elektrofahrrädern nutzen.

Konsequenter Neustart nach MBO

Angesichts der jüngsten Umfragen des Zweirad-Industrieverbandes (ZIV) darf sich Mathias Seidler, Vorstandsvorsitzender der Derby Cycle AG, bestätigt fühlen. Denn die Bundesbürger geben immer mehr Geld für höherwertige Fahrräder und Elektro-Bicycles aus. Seidler hatte den Trend bereits erkannt, als sich die einstige Muttergesellschaft Derby Cycle Corp. im Jahr 2005 für eine Trennung von ihren Deutschland-Aktivitäten entschieden hatte. Als damaliger Geschäftsführer übernahm er diese im Zuge eines mit Private Equity unterlegten Management Buy-outs und verband die Unternehmensgründung unverzüglich mit einer strategischen Neuausrichtung. An die Stelle des Vertriebs über Discounter und Baumärkte sollte die qualitativ wie preislich höherwertige Positionierung im Fachhandel treten. Diese Philosophie wollte das Management auch internationalisieren und darüber hinaus den Einstieg in die Produktion von Elektrofahrrädern wagen. Alle Schritte wurden binnen weniger Jahre konsequent umgesetzt. „Die Strategie trägt ungebrochen Früchte, insbesondere bei den E-Bikes und den sportiven Fahrrädern sind wir weiter auf Wachstumskurs“, freut sich Seidler.

Mit Private Equity auf Wachstumskurs

Möglich wurde die Neuausrichtung durch das Engagement der Beteiligungsgesellschaft Finatem, die im Zuge des Management Buy-outs 85% der Anteile übernommen hatte. Der Finanzinvestor stand dem Management darüber hinaus als Beirat zur Seite, wirkte aber nicht aktiv auf die operative Geschäftstätigkeit ein. Derby Cycle investierte auf Basis seines soliden Kapitalfundaments nun kräftig in Wachstum. Ergebnis: Schon in den ersten fünf Jahren ist es gelungen, den Umsatz annähernd zu verdoppeln. Noch besser entwickelt haben sich die Gewinne, weil in der gleichen Zeit die EBIT-Marge von 5% auf heute 7% gestiegen ist. Klar war aber nach einiger Zeit auch: Mit der Innenfinanzierung allein würde das Unternehmen sein weltweites Umsatzpotenzial kaum ausschöpfen können. Auch der Finanzinvestor konnte kein weiteres Kapital zuschießen. Er strebte vielmehr, wie es zum Geschäftsmodell von Private Equity gehört, nach einigen Jahren den Verkauf seiner Anteile an.

Erfolgreicher Börsengang

Doch Derby war mit seiner Marktposition und dem Wachstumspotenzial mittlerweile attraktiv genug, um auch die Investoren am Kapitalmarkt für sich zu begeistern. Bei dem im März abgeschlossenen Gang an den Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse konnte die Gesellschaft ein Volumen von insgesamt 76,1 Mio. EUR platzieren. Der Börsenneuling überzeugte die Investoren mit einer ganzen Reihe von Argumenten. So ist Derby Cycle gemessen am Umsatz heute der größte deutsche Fahrradhersteller und kann seine in der Heimat erfolgreiche Geschäftsphilosophie nun auf die Weltmärkte übertragen. Die Räder des Unternehmens werden mittlerweile in mehr als 40 Ländern verkauft. Mit dem Emissionserlös soll die Expansion nun durch selektive Akquisitionen von Distributoren ebenso wie durch organisches Wachstum vorangetrieben werden.

Profitieren von den Megatrends

Das Auslandsgeschäft ist bereits im 4. Quartal 2010 wieder überproportional gewachsen und im Vorjahresvergleich von 27,8% auf 32,6% gestiegen. Das Unternehmen sieht sich zudem beim Zukunftsthema Elektrofahrräder mit einem Marktanteil von 20% als Nummer eins in Deutschland ebenfalls bestens positioniert. Derby Cycle baut darauf, dass sich das E-Bike als Transportmittel im Alltag noch viel stärker durchsetzen wird als bisher. „Hier kommen von der demografischen Veränderung bis hin zum Umweltbewusstsein gleich mehrere Megatrends zum Tragen“, sagt Bögershausen.

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