Stoffe mit neuer Schlagkraft: Penn hat seine Größe den Marktverhälntissen angepasst (© Penn Textile Solutions)
Stoffe mit neuer Schlagkraft: Penn hat seine Größe den Marktverhälntissen angepasst.

Seit 2010 musste der Textilhersteller Penn Textile Solutions miterleben, wie sein Umsatz von Jahr zu Jahr schrumpfte – von 30 auf 19 Mio. Euro. Im Zuge einer Insolvenz in Eigenverwaltung hat Penn seine Größe nun der Situation am Markt angepasst und plant auch wieder zu wachsen.

Die Gründe für den Marktrückgang in der Branche sind zahlreich. Immer mehr Billiganbieter schießen aus dem Boden, asiatische Anbieter drängen auf den europäischen Markt, während gleichzeitig die Nachfrage global zurückgeht. Damit bekommt jeder Wettbewerber im Segment nur noch einen kleineren Teil vom Kuchen ab. Eine Konsolidierung der Branche geht nur schleppend voran. Speziell bei Penn kam noch hinzu, dass nach der weltweiten Finanzkrise vormals starke Märkte wie Großbritannien und Spanien wegbrachen. Diese Länder waren von der Krise besonders hart getroffen, die Arbeitslosigkeit war hoch, und die verfügbaren Einkommen sanken. Zudem veränderte sich in den vergangenen Jahren das Kaufverhalten. „Die Menschen sparten, aber eher an Wäsche als etwa an elektronischen Gadgets“, sagt Geschäftsführer Markus Regenstein. Alle Gründe zusammen nennt er einen Giftcocktail, der dazu geführt habe, dass Penn auf die Zahlungsunfähigkeit zusteuerte.

Banken spielten nicht mit

Stoffe von Penn: Vor allem die Wirtschafts- und Finanzkrise ließ die Nachfrage einbrechen (© Penn Textile Solutions)
Stoffe von Penn: Vor allem die Wirtschafts- und Finanzkrise ließ die Nachfrage einbrechen. (© Penn Textile Solutions)

Soweit ließ es die Geschäftsführung aber nicht kommen. Schon länger hatte sie an Konzepten gearbeitet, mit denen man auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren konnte. Die beteiligten Banken waren von diesen Vorschlägen angesichts der bereits sehr angespannten Liquiditätssituation aber nicht zu überzeugen. Mit dem Sanierungskonzept in der Tasche beantragte Penn daher im vorigen Herbst eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Insolvenzgericht und der Gläubigerausschuss akzeptierten den vorgeschlagenen Weg. Seit dem 1. April 2016 ist Penn nach genau einem halben Jahr aus der Insolvenz heraus.

„Durch das erfolgreich durchgeführte Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung ist es gelungen, Penn innerhalb kürzester Zeit bilanziell zu sanieren“, sagt Dr. Jasper Stahlschmidt, Partner der auf Restrukturierung und Sanierung spezialisierten Düsseldorfer Beratungsgesellschaft Buchalik Brömmekamp. Der Insolvenzplan sah neben den Sanierungsmaßnahmen und der Entschuldung des Unternehmens Quotenzahlungen an die Gläubiger vor. Penn konnte sich durch die Insolvenz von Altlasten befreien und den anvisierten Personalabbau in Angriff nehmen. „Beides wäre in einem außerinsolvenzlichen Sanierungsprozess aufgrund der hohen Restrukturierungskosten kaum durchführbar gewesen“, erklärt Stahlschmidt. Buchalik Brömmekamp stellte der Penn-Geschäftsleitung während des Insolvenzverfahrens einen Sanierungsgeschäftsführer zur Verfügung. „Diese Maßnahme stärkte das Vertrauen des Gerichts und der Stakeholder in das Verfahren und in die Fortführung des Unternehmens“, sagt Stahlschmidt.