Die nächste Generation: Zweimal früh in Verantwortung
Diese Familie hat wirklich Erfahrung mit jungen Nachfolgern. Jürgen Weber hatte die von seinem Großvater Heinrich Weber 1948 gegründete Handelsfirma Werkzeug Weber in Aschaffenburg mit 17 übernehmen müssen, weil sein Vater Anton Weber mit 45 gestorben war. Mit 18 hatte er einen Moped-Unfall, an dessen Folgen er noch heute leidet, doch das Unternehmen führte er mit viel Energie fort. Ende der 90-er Jahre aber erzwang seine gesundheitliche Lage eine Entscheidung: Verkauf oder Übergabe. Gegen den Rat seines Steuerberaters entschied er sich für seine Tochter Vanessa Weber. Mit 18 trat sie in die Firma ein, mit 21 übernahm sie 2002 die Leitung. Damals war sie Groß- und Außenhandelskauffrau. Dass sie aufs geplante BWL-Studium verzichtete, bereut sie nicht: „Für mich war die Praxis die beste Schule.“ Trotzdem bildet sie sich weiter, wo sie kann, engagiert sich von ihrem Einkaufsverband bis zu den Wirtschaftsjunioren, hält Vorträge, veranstaltet Seminare.

Kundengewinnung: Geschäftliche Ideen an allen Ecken
Auf dem vom Urgroßvater mit Vertretungen für Großmaschinen und Bearbeitungswerkzeuge geschaffenen und von den Folgegenerationen gestärkten Fundament baut die junge Inhaberin das Angebot kräftig aus. Von Kleinwerkzeugen bis zur kompletten Betriebsausstattung reicht die Produktpalette. Etwa 2.000 Kunden werden beliefert – mit Schwerpunkt im Raum Aschaffenburg, aber auch in ganz Deutschland und im Ausland. Das Unternehmerische liegt ihr im Blut. Als sie einmal den Einkäufer eines Fitnessstudios wegen Umkleidekabinen anrief, wollte dieses Unternehmen gerade seine 100 deutschen Filialen mit Werkzeugen ausstatten. Ob sie schnell ein Angebot schicken könne? Sie tat es und bekam den Auftrag – für alle deutschen Standorte. Sportarenen, Bankfilialen, Fotostudios, sogar der Wiener Prater und der Neubau des russischen Bolschoi-Theaters wurden mit Werkzeugen dieser Firma errichtet. Als ein Greenscreen für Filmaufnahmen benötigt wurde, beschaffte ihn Vanessa Weber. „Wir sind Problemlöser“, sagt sie.


Finanzfolgen: Ohne Nachfolgeregelung droht schlechteres Rating
Von knapp 2 auf rund 10 Mio. EUR hat Vanessa Weber den Umsatz seit 2002 vergrößert, die Belegschaft von neun auf 15 Mitarbeiter. Weiteres, aber nicht sprunghaftes Wachstum strebt sie an. Auch ertragsmäßig stehe die Firma gut da – mit sehr gutem Rating. Die frühe Weichenstellung zahlt sich offenbar aus: Fehlende Nachfolgeregelung, warnt sie, führe oft zu schlechterem Rating. Frühe Planungen hält sie für eine Kernaufgabe: Wollen, können es die Kinder wirklich? Aber wenn die Entscheidung gefallen sei, müssten die Älteren den Jüngeren die Aufgabe zutrauen. „Manchmal“, sagt sie schmunzelnd, „werden potenzielle Nachfolger noch mit 56 als Junioren bezeichnet. “

Lorenz Goslich
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Werkzeug Weber GmbH & Co. KG
Gründungsjahr: 1948
Branche: Werkzeuge, Betriebseinrichtung
Unternehmenssitz: Aschaffenburg
Mitarbeiter: 15
Umsatz 2011: 9,5 Mio. EUR
Internet: www.werkzeugweber.de