Schuldenabbau und Wachstumsfinanzierung durch IPO (Ausgabe 2/2010)

Tom Tailor AG: Modeunternehmen wagt Schritt auf die Börse

Bereits im Jahr 2006 war ein IPO des Hamburger Modeunternehmens Tom Tailor in der Diskussion. Ein sich verschlechterndes Kapitalmarktumfeld machte seinerzeit die Pläne zunichte. Im zweiten Anlauf klappte es schließlich: Seit Ende März ist der Titel im Prime Standard der Deutschen Börse notiert.

Bereits im Jahr 2006 war ein IPO des Hamburger Modeunternehmens Tom Tailor in der Diskussion. Ein sich verschlechterndes Kapitalmarktumfeld machte seinerzeit die Pläne zunichte. Im zweiten Anlauf klappte es schließlich: Seit Ende März ist der Titel im Prime Standard der Deutschen Börse notiert. Der Börsengang dient dabei vorrangig dem Schuldenabbau.

Fashion-Follower mit schlanken Strukturen
Die Hanseaten blicken auf eine inzwischen fast fünfzigjährige Unternehmenshistorie zurück. Mit einem Jahresumsatz von zuletzt 300 Mio. EUR ist das Modehaus jedoch deutlich kleiner als die Wettbewerber Esprit und S.Oliver, die eine ähnliche Zielgruppe mit ihren Kollektionen ansprechen. Derzeit betreibt Tom Tailor 87 Geschäfte in Eigenregie – darunter 25 Outlet-Stores in Deutschland und Österreich -, hinzu kommen über 200 Franchise-Geschäfte, 1.100 Shop-in-Shops und über 4.500 Multi-Label-Verkaufsstellen u.a. in großen Warenhäusern. Wie für die Branche üblich, lässt das Unternehmen ausschließlich in Asien fertigen, Beschaffung und Fertigung sind komplett ausgelagert. Um das Absatzrisiko einer neuen Kollektion zu reduzieren, versucht man möglichst zeitnah, Erfolg versprechende Trends aufzugreifen. „Fashion-Follower“ lautet hierfür die Umschreibung im Firmen-Jargon.

Keine Alternative zum IPO
Die Einnahmen aus dem Börsengang fließen größtenteils in den Abbau der doch erheblichen Finanzverschuldung – eine Folge des Leveraged-Buy-outs durch das Private-Equity-Haus Alpha. Darüber hinaus will das Management den Ausbau des eigenen Filialnetzes in Deutschland und dem angrenzenden Ausland vorantreiben und so das erprobte Geschäftsmodell auf weitere Märkte multiplizieren. Zwischen 60 und 70 Läden sollen fortan pro Jahr eröffnet werden. Für Finanzvorstand Dr. Axel Rebien gab es daher auch keine Alternative zu einem IPO: „Der Börsengang lieferte den nachhaltigen Zugang zum Kapitalmarkt und ist damit der nächste logische Schritt auf dem Wachstumspfad des Unternehmens.“ Es kam den Verantwortlichen somit vor allem auf die Schaffung eines neuen Finanzierungsfensters an, auf das man bei der Umsetzung seiner ehrgeizigen Wachstumsziele auch zukünftig bauen kann. Nicht zuletzt wird die Rückzahlung der teuren Kredite die Verschuldungsrate deutlich senken und die Bilanzqualität verbessern.

Bruttoemissionserlös von 143 Mio. EUR
In den Wochen nach der Erstnotiz verlief das Börsenleben der Tom-Tailor-Aktie zunächst recht unspektakulär. Der Wert pendelte um seinen Ausgabekurs von 13 EUR. Das Angebot indes war nach Angaben der Gesellschaft deutlich überzeichnet und spülte dem Unternehmen einen Bruttoemissionserlös von 143 Mio. EUR in die Kasse. Kein Wunder, dass Finanzchef Rebien mit der Resonanz auf den Börsengang sehr zufrieden ist: „Das Feedback von Investoren – und wir haben mit über 80 Investoren in fünf europäischen Ländern gesprochen -, aber auch das von Analysten, Journalisten sowie unseren Geschäftspartnern und Mitarbeitern war sehr positiv.“ Es sei gelungen, die Equity Story glaubhaft zu vermitteln, so der CFO. Jetzt gilt es, den Ankündigungen Taten folgen zu lassen. Hierzu zählt auch das Versprechen, ab dem Geschäftsjahr 2011/12 zwischen 30 und 40% des Gewinns an die neuen Anteilseigner ausschütten zu wollen.

Marcus Wessel
redaktion@unternehmeredition.de


Kurzprofil: Tom Tailor AG

Gründungsjahr: 1962
Branche: Textilbranche
Unternehmenssitz: Hamburg
Umsatz 2009: 300,2 Mio. EUR
Mitarbeiter: 740
Internet: www.tom-tailor.com

Autorenprofil

Marcus Wessel ist Gastautor.

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