Restrukturierung mit individuellem Mezzanine (Ausgabe 2/2008)

Triumph-Adler AG: Von der Sanierung eines Mythos

Nicht viele Unternehmen haben eine solch wechselvolle Geschichte durchlaufen wie die Nürnberger Triumph-Adler AG. Einst ein klangvoller Name der deutschen Industrie mit weltweit hoch geschätzten Produkten,…

Nicht viele Unternehmen haben eine solch wechselvolle Geschichte durchlaufen wie die Nürnberger Triumph-Adler AG. Einst ein klangvoller Name der deutschen Industrie mit weltweit hoch geschätzten Produkten, wie Fahrrädern, Motorrädern, sogar Autos und zuletzt Schreibmaschinen, stand die Firma vor einigen Jahren vor dem endgültigen Aus. Sie schien sich einzureihen neben traditionsreichen Unternehmen wie Grundig oder AEG. Doch Triumph-Adler hat heute einen bemerkenswerten Turnaround geschafft, mit einem völlig neuen Geschäftsmodell, weg vom industriellen Produzenten hin zum Dienstleister, und nicht zuletzt dank der Hilfe einer Mezzanine-Finanzierungslösung.

Triumph-Adler heute: Expansion und Profitabilität
Ende März legte Triumph-Adler seine Zahlen für das Jahr 2007 vor. Es sind überzeugende Zahlen eines Unternehmens mit intaktem Wachstum und guten Gewinnen. So stieg der Umsatz um 10% auf 416 Mio. Euro und das EBIT um 17,3 % auf knapp 28 Mio. Euro. Zurückzuführen ist dies auf eine konsequente Restrukturierung, die 1999 begann und Triumph-Adler von einem Industrieunternehmen in einen Service-Dienstleister transformiert hat. Vor dieser tief greifenden Neuausrichtung stand ein langer und stetiger Niedergang. So hatte das Unternehmen 1974, auf dem Höhepunkt seiner Expansion, noch 12.000 Beschäftigte und einen Umsatz von 650 Mio. DM. Dann begann das Kerngeschäft, die Produktion von mechanischen und elektronischen Schreibmaschinen, wegzubrechen und der Schritt in den PC-Markt, bereits als unselbstständiges Tochterunternehmen der italienischen Olivetti, misslang.

Die Restrukturierung: Schwieriger Neubeginn
Bereits 1999 ging Triumph-Adler – damals eine Mittelstandsholding mit einem Portfolio aus unterschiedlichsten Geschäftsbereichen wie Bautechnik, Handel mit Kopier- und Fax-Systemen und sogar Spielpuppen – daran, ein neues Geschäftsmodell zu entwerfen und umzusetzen. Erste Schritte waren der Börsengang der Tochtergesellschaft Zapf Creation und die Übernahme der UTAX GmbH, wodurch Expertise im sogenannten Document Business – also der Prozessoptimierung in den Bereichen Drucken, Kopieren, Faxen und Dokumentenarchivierung – aufgebaut wurde. 2003 folgte der Abschluss eines weitreichenden Kooperationsabkommens mit dem japanischen Gerätehersteller Kyocera, im Rahmen dessen sich Kyocera mit knapp 30% am Kapital der Triumph-Adler beteiligte. Heute, nachdem die Umstrukturierung abgeschlossen ist, sieht sich Triumph-Adler als Beratungs-, Handels- und Serviceunternehmen für Kunden, die Inhalte professionell zu Papier bringen oder speichern und archivieren wollen. Dabei gliedert sich das operative Geschäft in zwei Bereiche: die Distribution und den Direktvertrieb. Im Direktvertrieb – dem wichtigsten Vertriebskanal von Triumph-Adler – werden den Kunden umfassende Lösungen rund um das Dokument von der Beratung bis hin zum Service der Geräte angeboten. „2006 haben wir nach mehreren Jahren der Konsolidierung und Restrukturierung, die nicht immer einfach waren, den Turnaround geschafft und sind heute ein gesundes Unternehmen mit ehrgeizigen Expansionsplänen“, erläutert Finanzvorstand Dr. Bernd Köhler die derzeitige Situation von Triumph-Adler.

Schlüsselrolle Mezzanine-Finanzierung
2004 geriet der Neuanfang in eine kritische Phase. Das Unternehmen benötigte eine hohe Summe, um die Restrukturierung abschließen zu können. Banken zeigten sich jedoch in punkto Kreditvergabe zögerlich, der Kapitalmarkt fiel aufgrund des niedrigen Börsenkurses von Triumph-Adler als Geldquelle ebenfalls aus, und für Standard-Mezzanineprogramme war die benötigte Summe deutlich zu hoch. Auf der Suche nach Investoren wurde Triumph-Adler schließlich bei der luxemburgischen DAM Capital fündig, einer Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Anschutz Corporation, die insgesamt 30 Mio. Euro kurzfristig bereitstellte. „Wir haben uns das Unternehmen genau angesehen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich in einer Post-Stressed-Phase befindet. Hier setzt unsere Investmentphilosophie an, jenen Firmen schnell Mittel bereitzustellen, bei denen der Turnaround absehbar ist, Banken aber noch keine neuen Kredite geben“, erläutert Dirk van Daele, Mitgründer und Co-CEO von DAM Capital. Das frische Kapital eröffnete dem Unternehmen einerseits dringend benötigte neue operative Spielräume, andererseits aber auch zusätzliche Möglichkeiten der Refinanzierung. Dies hatte allerdings auch seinen Preis, der sich in Form einer hohen jährlichen Zinsbelastung in Höhe von ca. 17 % niederschlug.

Fazit
Ohne die Mezzanine-Finanzierung, die Triumph-Adler kurzfristig neue Handlungsmöglichkeiten eröffnete, würde das Unternehmen in dieser Form heute nicht mehr existieren. Die kurz vor dem Abschluss stehende Restrukturierung hätte nicht finalisiert werden können und der darauf folgende Turnaround wäre ausgeblieben. Wie nachhaltig dieser eintrat, zeigt sich in der Tatsache, dass Triumph-Adler die vergleichsweise teure Finanzierung von DAM Capital bereits nach drei Jahren ablösen und durch günstigere Verbindlichkeiten ersetzen konnte.

Michael Liecke

„Ohne die Mezzanine-Finanzierung hätten wir unsere Neustrukturierung wahrscheinlich nicht umsetzen können“

Interview mit Dr. Bernd Köhler, Finanzvorstand der Triumph-Adler AG

Unternehmeredition: Herr Dr. Köhler, was waren die wichtigsten Punkte der strategischen Neuausrichtung ihres Unternehmens?
Köhler:
Die Struktur der Triumph-Adler AG, ursprünglich Mitte der 90er Jahre aufgesetzt, bestand in einer Mittelstandsholding mit unterschiedlichsten Aktivitäten, von Bau, Spielwaren und Document Business bis hin zu Gesundheit. Ab 2000 hat das Management begonnen, das Unternehmen zu refokussieren und zahlreiche Aktivitäten abzustoßen. Man wollte lediglich zwei Bereiche weiterführen: Document Business und Präsentationstechnik. Letztere musste aufgrund von operativen Schwierigkeiten 2004 ebenfalls aufgegeben werden, woraufhin das Document Business als unser einziges – im Übrigen für sich genommen immer profitables – Kerngeschäft verblieben ist. Damit konnten wir das Unternehmen unter anderem mit Hilfe der Mezzanine-Finanzierung von DAM Capital bis zum Jahr 2006 nachhaltig in die Gewinnzone führen.

Unternehmeredition: Hat DAM Capital in irgendeiner Weise Einfluss genommen auf die Restrukturierung?
Köhler:
Aktive Einflussnahme in das operative Geschäft nein, dennoch ist DAM nahe am Unternehmen gewesen und hat sich monatlich in Form von Telefonkonferenzen über die Fortschritte unterrichten lassen. 2005 war dann aber sicherlich nicht einfach für DAM, als bei uns das Management wechselte, was zu einigen Irritationen führte. Dennoch war die Grundlage unserer Zusammenarbeit mit DAM nicht gefährdet, nicht zuletzt weil es einen vom Unternehmen zusammen mit einer namhaften Unternehmensberatung erarbeiteten Restrukturierungsfahrplan gab, den wir insbesondere ab Ende 2005 konsequent und nachhaltig abgearbeitet haben.

Unternehmeredition: Welche Vorteile hatte die individuelle Mezzanine-Lösung von DAM Capital gegenüber Standard-Mezzanineprogrammen?
Köhler:
Zunächst wären Standardprogramme für uns nicht in Frage gekommen, da unser Finanzierungsbedarf hierfür einfach zu hoch war. Der große Vorteil bei DAM war für uns zudem, dass es eine relativ lange Laufzeit gab, wir aber dennoch diese Verbindlichkeit jederzeit ablösen konnten – allerdings unter Inkaufnahme zusätzlicher Kosten. Außerdem hat uns DAM das Signal gegeben, dass sie auch im Falle von Schwierigkeiten bei unserer Umstrukturierung am Unternehmen dran bleiben und ihre Forderungen nicht verbriefen und am Kapitalmarkt platzieren würde. Ex Post kann man sagen, dass wir ohne die Mezzanine-Finanzierung von DAM Capital die Neustrukturierung der Triumph-Adler wahrscheinlich nicht hätten umsetzen können, auch wenn wir dadurch über mehrere Jahre hohe Zinsbelastungen tragen mussten.

Unternehmeredition: Herr Dr. Köhler, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Michael Liecke.

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