Quote überzeugt: rheindata begeistert Beschäftigte

Stille Beteiligung wird mit bis zu 36% bezuschusst

Foto: © Monopoly919_AdobeStock

Die Möglichkeit zur stillen Beteiligung ist bei der rheindata GmbH seit 2018 Teil eines umfassenden Pakets zur Positionierung als attraktiver Arbeitgeber.

Bei rheindata wird großer Wert auf Zusammenhalt und gegenseitigen Respekt gelegt – hier das Team bei einem Event in Porto
Foto: © rheindata GmbH

Die rheindata GmbH bezeichnet sich als „eine vergleichsweise kleine und familiäre, auf jeden Fall sehr unbürokratisches Beratungsunternehmen für die Themen Business Intelligence, ­Data Engineering und Data Science“. Dabei will man kein Familienersatz sein, sondern legt vielmehr ­großen Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit zu Freizeit. „Für unser Selbstverständnis ist ein offener, ehr­licher und transparenter Umgang mit­einander sehr wichtig, weil wir langfristig miteinander arbeiten möchten“, formuliert es Geschäftsführer Frank Hecker.

Beteiligung – Teil eines umfassenden Attraktivitätspakets

Deshalb bietet rheindata eine Reihe von Zusatzleistungen an. Dazu zählen ein Mitspracherecht bei der Projektwahl für jene Berater, die überwiegend regional eingesetzt werden möchten, die Möglichkeit zum Homeoffice, kostenlose Mitgliedschaft im Fitnessclub, Dienstwagen, Jobticket und Jobrad, ­individuell gestaltbare Sabbaticals, jedes fünfte Jahr zehn statt sechs Wochen ­Urlaub – und natürlich das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm, das als stille Beteiligung aufgesetzt ist. Der Anstoß für dieses Programm erfolgte durch eine gewisse Personalfluktuation: „Wir haben damals in kurzer Zeit drei Mitarbeiter verloren. Auch wenn als Gründe auch solche angeführt wurden, auf die ich keinen Einfluss habe, zum Beispiel fachliche Neuorientierung, so hatte mich das geschockt, da wir gerade für ein Beratungsunternehmen eigentlich eine sehr gute Verweildauer haben“, erinnert sich Hecker. „Ich hatte also den Eindruck, es muss sich etwas ändern.“

Hecker gefiel die Idee allerdings auch unabhängig von diesen drei Kündigungen. Seine Überzeugung: „Jeder trägt zum Unternehmenserfolg bei, vom Assistenten über die Beraterinnen und Berater bis zur Geschäftsführung. Deswegen soll bei uns auch jeder am Unternehmenserfolg beteiligt werden – und zwar nachhaltig.“ Zur Verdeut­lichung der besonderen Beziehung der bei rheindata Beschäftigten zum Unternehmen verfolgt er deswegen mit der Mitarbeiterbeteiligung das Ziel, zusätzlich zur individuellen, leistungsabhängigen Vergütung eine Form der Teil­habe anzubieten, die über eine unternehmensweite, jährliche Erfolgsprämie hinausgeht. „Wir bieten unseren Beschäf­tigten deswegen die Beteiligung in Form der ‚stillen Gesellschaft‘ an.“

Vorteil stille Beteiligung: Einfach zu verstehen

Ein großer Vorteil aus Sicht des Beratungsunternehmens: Grundsätzlich funk­tioniere ein solches Modell sehr einfach. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab einem Jahr Betriebszuge­hörigkeit erhalten einmal pro Jahr das Angebot, in das Unternehmen zu investieren. Der vom Beschäftigten investierte Betrag wird vom Unternehmen aufgestockt, wobei steuer- und sozialversicherungsrechtliche Freibeträge so weit wie möglich genutzt werden. In den Folgejahren erhält der Beschäftige dann – abhängig vom Unternehmenserfolg des jeweils vorherigen, abgeschlossenen Geschäftsjahres – eine Verzinsung auf sein eingesetztes Kapital, inklusive des Unternehmenszuschusses.

Im Einführungsjahr 2018 ermöglichte rheindata Beteiligungen zwischen 500 und 10.000 EUR Eigenbeteiligung. Diese werden von Unternehmensseite um 15% bis 36% aufgestockt. In Folgejahren ist eine Beschränkung der Eigen­beteiligung auf 5.000 EUR pro Jahr eingezogen, insgesamt auf 25.000 EUR je Beschäftigtem über alle Jahre. Die Ver­zinsung des gesamten Kapitals (Eigenbeteiligung plus Aufstockung) erfolgt in den Folgejahren auf Basis der EBIT-­Marge. Je höher die Umsatzrentabilität, desto besser die Verzinsung. Im Durchschnitt hätte sie in den Jahren 2016 bis 2018 (auf Basis der EBIT-Margen von 2015 bis 2017) bei 11% gelegen – und ­dabei ist der Renditeeffekt durch die unternehmensseitige Kapitalaufstockung­ noch nicht berücksichtigt.

Grundsätzlich kann das Beteiligungsangebot von Jahr zu Jahr variieren, die Verzinsung der in Vorjahren investierten Beteiligungen bleibt davon jedoch unberührt. Für diese gilt weiterhin die ursprüngliche Vereinbarung.

„Teilnahmequote von Anfang an sehr hoch“

Interview mit Frank Hecker, Geschäftsführer, rheindata GmbH

Unternehmeredition: Sie haben das Programm 2018 gestartet. Wie ­entwickelt sich die Teilnahmequote?

Frank Hecker: Sie war von Anfang an sehr hoch und liegt immer noch bei ­etwa 90% bezogen auf die Berechtigten, also alle, die ein Jahr oder länger im Unternehmen sind. Rein finanziell dürfte man aus Sicht der Mitarbeitenden kaum einen Grund sehen, nicht teilzunehmen. Allerdings ist die Inves­tition aufgrund der Haltefrist von fünf Jahren natürlich nicht so liquide wie andere Anlagen – das kann natürlich ­eine Rolle spielen.

Welches sind Ihre Hauptziele?

Es sind vor allem die Mitarbeiter­bindung und die Identifikation mit dem Unternehmen, die uns am Beteiligungsprogramm interessieren. Motivation hinsichtlich Umsatzgenerierung regeln wir über das variable Gehalt. In dieser Hinsicht muss man eher aufpassen, dass die extrinsische Motivation keine zu große Bedeutung erlangt. Auch ­andere Faktoren, zum Beispiel Kostenbewusstsein, haben für uns eigentlich keine Rolle gespielt, da unsere Mitarbeitenden da immer schon bestens ­aufgestellt waren.

Sind die stillen Beteiligungen im ­Kapitalmix Ihres Unternehmens ­wesentlich?

Überhaupt nicht, eher im Gegenteil. Insbesondere in der Zeit des Verwahrentgelts, die hoffentlich bald vorbei sein wird, ist es eher eine Last, auch noch die Einlagen der Mitarbeitenden zu haben.

Zwischenfazit: Können Sie anderen Mittelständlern ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm empfehlen? Was lief gut, was weniger gut?

Wenn man sein Unternehmen in alter Patriarchenform führt, dürfte ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm auch nicht helfen – es muss sich ­meines Erachtens schon glaubhaft in eine ­generelle Kultur des gegen­seitigen ­Respekts und Umgangs auf Augenhöhe einreihen. Ich würde es auf jeden Fall immer wieder unter kompetenter ­Begleitung durch Profis und natürlich unter Einbeziehung der Mitarbeitenden einführen. Das lief bei uns hervor­ragend, und mir fällt tatsächlich auch nichts ein, was ich beim nächsten Mal anders machen würde.


ZUR PERSON

Frank Hecker ist Geschäftsführer der rheindata GmbH.

www.rheindata.com


Kurzprofil rheindata GmbH

Gründungsjahr: 2009
Branche: Business Intelligence
Unternehmenssitz: Köln
Mitarbeiterzahl: 23
www.rheindata.com

Autorenprofil
Stefan Preuss

Stefan Preuss ist Mitglied der GoingPublic Redaktion.

Vorheriger ArtikelInternationale Programme – wie man sie richtig ausrollt
Nächster ArtikelLeysieffer gerettet – Verkauf an Zeitfracht Gruppe vereinbart