Pharma-Hightech für den Subkontinent (Ausgabe 4/2007)

Im kommenden Jahr wird die Seidenader Maschinenbau GmbH, einer der weltweit führenden Hersteller von Inspektionsmaschinen für die Pharmaindustrie, sein Indien-Engagement erheblich ausweiten und in Bangalore einen Service-Stützpunkt einrichten, der technischen Support in der gesamten Asien-Pazifik-Region ermöglicht. Bereits jetzt biete insbesondere der indische Markt – trotz seiner Eigenheiten – ein „sehr großes Potenzial“.

Trend zu Hightech-Equipment
Auf dem indischen Subkontinent gebe es, betont Geschäftsführer Nik Seidenader, seit geraumer Zeit zwei parallel verlaufende Trends: Zum einen verlagerten führende Pharma-Konzerne wie AstraZeneca, Novartis oder Merck Teile ihrer Produktion und Anlagen nach Indien. Zum anderen seien indische Pharma- und Biotech-Firmen sehr engagiert dabei, sich neue Märkte in Europa und Amerika zu erschließen. „Und dieser Zugang funktioniert nur, wenn Sie sozusagen auf Weltniveau produzieren können“, sagt Seidenader. Also zieht die Nachfrage nach modernem Produktions-Equipment stetig an. „Wir sind auf diesen Zug vor gut 18 Monaten aufgesprungen“, erzählt Seidenader. Seitdem konnte das mittelständische Unternehmen, an dem unter anderem die Bayerische Beteiligungsgesellschaft BayBG beteiligt ist, mit seinem indischen Partner Salesworth zwölf seiner Inspektionsmaschinen verkaufen.

„Made in Germany“ als Marketingvorteil
In den Auftragsbüchern steht damit ein Volumen von rund 5 Mio. Euro – eine Zahl, mit der Nik Seidenader „sehr zufrieden“ ist. Zwar hatten italienische und japanische Mitbewerber den boomenden Markt Indien noch ein wenig früher entdeckt. „Das Argument ‚Made in Germany’ erwies sich in Präsentationen und Verhandlungen aber als sehr wirkungsvoll“, sagt Seidenader. Allerdings liege das Preisniveau, das in Indien für die Hightech-Maschinen aus dem bayerischen Markt Schwaben erzielt werden könne, noch „ein gutes Stück unter dem, was auf dem Weltmarkt eigentlich üblich ist“. Der 47-jährige Manager ist aber optimistisch, dass sich diese Lücke mit der zunehmenden Automatisierung und Modernisierung der Pharma-Produktion schließen wird. Dazu beitragen dürfte auch der Service-Stützpunkt, an dem ab Mitte 2008 zwei im Mutterhaus geschulte ortsansässige Techniker ihre Arbeit aufnehmen. Insbesondere indische Kunden seien in der Vergangenheit enttäuscht gewesen, dass es so wenig Unterstützung für europäische Anlagen gab.

Lokale Präsenz als Vorteil
Genau hier habe der Kern für die Entscheidung gelegen, das Engagement auszubauen. „Die lokale Präsenz soll es den Kunden ermöglichen, schneller einen größeren Wert aus ihren Investitionen zu ziehen und bei geringeren Kosten die Maschinen besser instand zu halten“, betont Seidenader. Die Strategie bringe beiden Seiten Vorteile: Erstens spreche sich guter und schneller Service rum, so Seidenader. Zweitens begegne man mit lokalem Personal im Support-Center auch Sprachproblemen, welche die Installation der Maschinen oder die Fehlerbehebung erschweren. Auf diese Weise will Seidenader sich langfristig ein gutes Stück des „überzeugenden Potenzials“ sichern: Der geschäftsführende Gesellschafter des Maschinenbauers hat die feste Absicht, Marktanteil und Umsatz auf dem indischen Subkontinent „kontinuierlich auszubauen“.

Lars Radau
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil Seidenader-Gruppe
Gründungsjahr 1895
Branche: Spezialmaschinenbau
Unternehmenssitz: Markt Schwaben
Mitarbeiter: 240
Umsatz 2006: 31 Mio. Euro
Internet: www.seidenader.de