Owner Buyout (Ausgabe 2/2008)

LIMO Lissotschenko Mikrooptik GmbH: Innovationen bei Linsen und LasernWas haben Druckmaschinen und Weltraumteleskope gemeinsam? In beiden finden die Technologien der LIMO Lissotschenko Mikrooptik GmbH Anwendung. Seit 16 Jahren entwickelt und vertreibt das Unternehmen Produkte aus den Bereichen Mikrooptik und Lasersysteme

Was haben Druckmaschinen und Weltraumteleskope gemeinsam? In beiden finden die Technologien der LIMO Lissotschenko Mikrooptik GmbH Anwendung. Seit 16 Jahren entwickelt und vertreibt das Unternehmen Produkte aus den Bereichen Mikrooptik und Lasersysteme, für die es in der Industrie verschiedenste Anwendungsmöglichkeiten gibt. 2006 stand LIMO vor einer – vor allem finanziellen – Herausforderung, als einer der Firmengründer aus dem Unternehmen ausschied. Den Owner Buyout finanzierte DZ Equity Partner mit individuellem Mezzanine.

Weltmarktführer bei Mikrooptiken
Dass ihre Produkte äußerst innovativ sind, hat die LIMO Lissotschenko Mikrooptik GmbH schwarz auf weiß: Im Januar 2008 siegte das Unternehmen mit Sitz in Dortmund in der Kategorie „Mittelstand“ beim 28. Innovationspreis der deutschen Wirtschaft. Das Produktspektrum des Mittelständlers reicht von Mikrolinsen über Mikrolinsensysteme bis hin zu Hochleistungsdiodenlasersystemen. Diese Produkte liefert LIMO an industrielle Großunternehmen aus den Branchen Druck-, Medizin-, Halbleiter-, Weltraum-, Beleuchtungs- und Messtechnik sowie Materialverarbeitung und Telekommunikation. Mikrolinsen und Laser von LIMO befinden sich z. B. in Druckmaschinen, Weltraumteleskopen, Computern und in Produktionsanlagen für Solarzellen und Flachbildschirme. Laut Dr. Vitalij Lissotschenko, Geschäftsführender Gesellschafter von LIMO, hat das Unternehmen bei refraktiven Mikrooptiken die Spitze des Weltmarkts erreicht – die Technologieführerschaft bei Lasersystemen sei nun der nächste Streich, den das Unternehmen plant. Die Grundlage dafür sei der Wettbewerbsvorteil von LIMO, der sich aus Synergien der beiden Bereiche Mikrooptik und Laser ergibt: die Laserstrahlformung auf Mikrooptik-Basis. Das Unternehmen hat inzwischen rund 350 Patente auf seine Produkte angemeldet. 2007 erzielte es einen Umsatz von 26 Mio. Euro.

Individuelle Genusscheinfinanzierung
1992 gründeten der Ukrainer Lissotschenko und sein deutscher Partner LIMO. Damit wurde dem Unternehmen die Internationalität sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Heute beschäftigt das Unternehmen 220 Mitarbeiter aus 24 Nationen. Der deutsche Mitgründer und 50%-Gesellschafter, der das kaufmännische Fachwissen eingebracht hatte, zog sich im August 2006 aus dem Geschäft zurück. Dessen Anteile übernahm im Oktober 2006 Lissotschenko, der bei der Gründung das technische Know-how mitgebracht hatte: Er ist seither der alleinige Anteilseigner (100%). Um den Kaufpreis für die Anteile, der im zweistelligen Millionen-Bereich lag, aufzubringen, holte er sich institutionelle Mezzanine-Geber mit an Bord: Den Owner Buyout finanzierte DZ Equity Partner zu 30% mit individuellem Mezzanine-Kapital auf Genussscheinbasis. Die restlichen 70% des erforderlichen Kapitals stammen aus einem Standard Mezzanine-Programm.

Erfolgsfaktor internationale Vielfalt
Die internationale Ausrichtung des Unternehmens spiegelt sich neben seinem multikulturellen Mitarbeiterstamm auch in der Expansionspolitik wider: Schritt für Schritt erschließt LIMO internationale Märkte in Asien, Europa und Amerika. Dazu baute das Unternehmen zunächst ein Vertriebsnetz im asiatischen Raum auf. Weitere Kooperationen zur Distribution seiner Produkte sind in Europa und Südamerika geplant. Um möglichst professionell mit den ausländischen Vertriebspartnern zusammenzuarbeiten und wichtige Kunden direkt zu betreuen, verpflichtete die Geschäftsführung zusätzlich Vertriebsmitarbeiter, die aus den jeweiligen Ländern stammen. So gehören zum Vertriebspersonal Mitarbeiter aus Italien, Bulgarien, Japan und China. Insgesamt sitzen die Firmenkunden von LIMO in über 40 Ländern. Um die Internationalisierung voranzutreiben, gründete LIMO im Juli 2002 den Geschäftsbereich Elektronik in Irland. Dort produzieren irische Mitarbeiter Power Supplies für Lasersysteme. Seit 2004 unterhält LIMO ein Sales Office in Atlanta, USA. Lissotschenko zufolge steht auch in Zukunft für LIMO das Ziel an oberster Stelle, die Technologieführerschaft in den Bereichen Mikrooptiken und Lasersysteme zu verteidigen und so ein nachhaltiges, zweistelliges Umsatzwachstum sicherzustellen.

Eva Brand

Kurzprofil: LIMO Lissotschenko Mikrooptik GmbH
Gründungsjahr: 1992
Branche: Mikrooptik- und Lasersysteme
Unternehmenssitz: Dortmund
Mitarbeiterzahl: 220
Umsatz 2007: 26 Mio. Euro
Internet: www.limo.de

„Der Markt für Standard Mezzanine-Programme ist aktuell in einer Neuorientierungsphase“

Interview mit Olivier Weddrien, DZ Equity Partner GmbH

Unternehmeredition: Herr Weddrien, was hat Sie überzeugt, die LIMO Lissotschenko Mikrooptik GmbH zu finanzieren?
Weddrien: LIMO ist aus unserer Sicht der technologische Vorreiter in einer Zukunftsbranche und überzeugt uns durch dynamisches Wachstum getragen von der hohen Innovationskraft des Unternehmens bei gleichzeitig attraktiver Ertragslage.

Unternehmeredition: Die Finanzierung kombiniert individuelles und Standard Mezzanine. Welche Gründe sprachen dafür?
Weddrien: Zum einen erlaubt die gewählte Struktur, die Last des Gesellschafterwechsels auf die Schultern mehrerer Finanzpartner zu verteilen. Zum anderen konnten dem Unternehmen so attraktive Konditionen angeboten und gleichzeitig die Eigenkapitalausstattung gestärkt werden, um das zukünftige Wachstum auf eine solide Basis zu stellen. Unser Mezzanine-Kapital schloss dabei die Eigenkapitallücke, die nach den aufgenommenen Fremdkapital- und Standard Mezzanine-Mitteln noch vorhanden war.

Unternehmeredition: Konnte das Mezzanine in diesem Fall in der Bilanz als Eigenkapital ausgewiesen werden?
Weddrien: Die individuelle Mezzanine-Lösung wird entgegen der Mezzanine-Finanzierung des Standard Mezzanine-Programmes zu 100% im Eigenkapital nach HGB bilanziert und stärkt damit direkt die Eigenkapitalbasis des Unternehmens. Sollte sich das Unternehmen überplanmäßig erfreulich entwickeln, haben wir ihm zudem die Möglichkeit eingeräumt, unsere Mezzanine-Finanzierung sukzessive vorzeitig zurückzuführen.

Unternehmeredition: DZ Equity Partner hat 2004 das Standard Mezzanine-Programm ge|mit aufgelegt. Welche Rolle spielen Standardprogramme momentan für Sie? Planen Sie, wieder ein Standard Mezzanine-Programm aufzulegen?
Weddrien:
Der Markt für Standard Mezzanine-Programme ist aktuell in einer Neuorientierungsphase. Hintergrund ist neben der Finanzmarktkrise eine hohe Anbieterzahl, die erfolgreiche Transaktionen erschwert. Wir machen uns intensiv Gedanken, wie wir uns für die nächsten Jahre aufstellen wollen, und führen hierzu mit anderen Marktteilnehmern auch das eine oder andere Gespräch. Sicherlich werden wir das Thema Standard-Mezzanine weiterhin besetzen.

Unternehmeredition: Was hebt die individuellen Mezzanine-Produkte von DZ Equity Partner von denen anderer Anbieter ab?
Weddrien:
Wir sind aufgrund unseres Produktangebotes in der Lage, eine auf die Bedürfnisse des Kunden hin ausgerichtete Finanzierung anzubieten. Diese kann z. B. eine Mischung aus einer direkten Beteiligung und Mezzanine-Mitteln sein. Zudem sind wir in der Lage, verschiedene Mezzanine-Finanzierungen umzusetzen, die fallspezifisch eher Richtung Fremdkapital oder Richtung Eigenkapital ausgestaltet werden. Tilgungsoptionen oder stufenweise Auszahlungen geknüpft an bestimmte Meilensteine ergänzen die Individualität unseres Angebotes.

Unternehmeredition: Herr Weddrien, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Eva Brand.

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