Mit Private Equity Übernahmen finanzieren

„Win-Win-Situation für Investoren und Mittelstandsunternehmen“
Interview mit Dr. Michael Mehler, CEO, Riemser Arzneimittel AG

Unternehmeredition: Herr Dr. Mehler, seit dem Rückzug von Norbert Braun Mitte letzten Jahres führen Sie die Riemser AG. Die Finanzinvestoren GE Healthcare Financial Services und TVM Capital sind schon seit über anderthalb Jahren mit an Bord. Wie gestaltete sich bisher die Zusammenarbeit?
Mehler: Die Zusammenarbeit mit den Investoren funktioniert sehr gut. Unsere Interessen sind sehr ähnlich gelagert, sie sind keine Kurzfrist-Investoren. Das erlaubt es uns, das Unternehmen gemeinsam wirklich nachhaltig weiterzuentwickeln. Wir reden regelmäßig auch außerhalb der Aufsichtsratsitzungen miteinander, um uns abzustimmen. Das wird dadurch erleichtert, dass die Gesellschafterstruktur mit drei Haupteignern weiterhin sehr überschaubar geblieben ist.

Unternehmeredition: Wie bewerten Sie allgemein Private Equity als Finanzierungsinstrument für den Mittelstand?
Mehler: Seit ich von der Großindustrie und Biotechnologie zu Riemser gewechselt bin, habe ich festgestellt, dass Private Equity ein zunehmendes Interesse am Mittelstand hat. Die Möglichkeit, dort ein gesundes Unternehmen weiterzuentwickeln und seinen Wert zu steigern, ist oft besser als bei größeren Firmen. Wenn ich allein in unserer Branche die Entwicklung der Firmenwerte der Big Pharma in den letzten Jahren betrachte, wurden teilweise so viele Werte vernichtet, dass Investoren nicht wirklich glücklich sein können. Und der Mittelstand wiederum profitiert auch davon, wenn er für Private Equity attraktiv ist – er bekommt dadurch zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten, und das zu häufig besseren Bedingungen als bei den Banken. Außerdem können wir vom Know-how-Transfer und den Netzwerken der Finanzinvestoren profitieren. Es ist also eine Win-Win-Stuation für Investoren und Mittelstandsunternehmen.

Unternehmeredition: Welche Ziele verfolgen Sie in den nächsten ein, zwei Jahren mit dem Unternehmen Riemser?
Mehler: Neben dem Erreichen unserer quantitativen Wachstumsziele ist für uns die Weiterentwicklung von Riemser zu einem echten Specialty-Pharma-Unternehmen das wesentliche Ziel. Wir fokussieren uns dabei auf die Wachstumssegmente Onkologie – hier vor allem die supportive Onkologie -, Dermatologie und Antiinfektiva sowie den Dentalmarkt. Die Internationalisierung ist dabei ein wesentlicher Wachstumsmotor. Wir machen im Moment zwei Drittel des Umsatzes in Deutschland – das wollen wir in den nächsten zwei Jahren in Richtung von mindestens 50:50 ausbauen. Und unsere Akquisitionsstrategie werden wir auf jeden Fall weiterverfolgen, aber fokussierter als in der Vergangenheit.

Unternehmeredition:
Herr Dr. Mehler, herzlichen Dank für das Gespräch!

Artikel und Interview: Esther Mischkowski
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Riemser Arzneimittel AG
Gründungsjahr: 1992
Branche: Pharma
Unternehmenssitz: Greifswald/Insel Riems
Mitarbeiter: ca. 600
Umsatz 2009: ca. 100 Mio. EUR
Internet: www.riemser.com

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