Mit Private Equity aus dem Credit Crunch (Ausgabe 3/2010)

Der Ausstieg eines Großkunden brachte die in der Windenergiebranche tätige SSB Group GmbH 2007 nahe an den Niedergang. Mit Hilfe der Private-Equity-Gesellschaft Parcom Deutsche Private Equity (DPE) konnte dies nicht nur verhindert, sondern das Unternehmen auch fundamental neu ausgerichtet werden. Mittlerweile konzentriert es sich immer mehr auf Wartungsdienstleistungen.

Der Ausstieg eines Großkunden brachte die in der Windenergiebranche tätige SSB Group GmbH 2007 nahe an den Niedergang. Mit Hilfe der Private-Equity-Gesellschaft Parcom Deutsche Private Equity (DPE) konnte dies nicht nur verhindert, sondern das Unternehmen auch fundamental neu ausgerichtet werden. Mittlerweile konzentriert es sich immer mehr auf Wartungsdienstleistungen.

Schwer angeschlagen durch Ausstieg des Großkunden
Vor vier Jahren war die SSB – damals noch unter dem Namen SSB Antriebstechnik GmbH & Co. KG – schwerpunktmäßig im Bereich Pitchsysteme, die Rotorblattantriebe einer Windkraftanlage, tätig. Neben diesem Kerngeschäft produzierte das Unternehmen Motoren und Getriebe für die Maschinenbauindustrie. Das Geschäft lief seinerzeit gut, 2006 konnte die Firma aus dem niedersächsischen Salzbergen 92 Mio. EUR Umsatz verbuchen, davon etwa 75 Mio. EUR allein durch die Pitchsysteme. Doch genau in diesem umsatzstarken Kerngeschäft bahnte sich ein strukturelles Problem an. Man war maßgeblich von einem einzigen Kunden aus der näheren Umgebung abhängig, und als dieser sich aus strategischen Gründen für ein Insourcing entschied, rutschte SSB innerhalb eines Jahres in die roten Zahlen. „Der Umsatz ging von 2006 bis 2007 auf 60 Mio. EUR zurück“, erinnert sich Ulrich Schomakers, der damals frisch als CEO hinzustieß. Nun galt es dringend, eine neue Kundenbasis aufzubauen. Ein wichtiger Markt wurde in China aufgetan – und auch andere Neukunden kamen überwiegend aus dem Ausland. Das Logistiksystem musste deshalb an die internationalen Herausforderungen angepasst, die Fertigung in Qingdao/China aufgebaut werden. Gleichzeitig wurde mit der SSB Service GmbH – einem Dienstleister im Bereich Wartungsservice für Windkraftanlagen nach deren Gewährleistungszeit – ein komplett neuer Geschäftsbereich aufgebaut. Angesichts hoher Fremdkapitalverschuldung wollten die Banken dies jedoch nicht finanzieren. „Wir liefen Gefahr, Aufträge zu verlieren, da wir sie nicht vorfinanzieren konnten“, so Schomakers.

Beteiligungsgesellschaft übernimmt die Mehrheit
Zum Glück hatte das Management einen nützlichen Kontakt in der Hinterhand. Es wandte sich an Volker Hichert, der schon längere Zeit Mitglied des Beirates war und als Managing Partner der Parcom Deutsche Private Equity (DPE) Beteiligungskapital zur Verfügung stellen konnte. „Ich war der Meinung, dass es sich lohnen würde, die Firma aus ihrer finanziell schwierigen Lage zu befreien“, erklärt Hichert. Im Juli 2008 gab DPE bekannt, rückwirkend zum 1. Januar die Mehrheit an der SSB Group erworben zu haben. Das Management – CEO Schomakers und CFO Markus Spitzer – beteiligten sich mit einer Minderheit von unter 20%. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der neue Eigentümer handelte sofort. „Wir haben zu allererst die Banken vollständig befriedigt und so ihren Einfluss auf das Unternehmen ausgeschaltet“, so Hichert, und Schomakers ergänzt: „DPE löste das Fremdkapital komplett durch Gesellschafterdarlehen und Eigenkapital ab.“

Komplette Umstrukturierung
Auch die Unternehmensstruktur bekam ein Facelift: Mitte 2009 wurde der Windenergiebereich in die SSB Wind Systems GmbH & Co. KG umbenannt, die Antriebstechnik unter dem Namen SSB Duradrive GmbH als eigenständige Tochter ausgegliedert – die SSB Service GmbH war ja von Anfang an selbstständig. Schomakers übernahm zusätzlich zu seiner CEO-Funktion den Posten als Geschäftsführer der Dienstleistungssparte. Mit dem Kapital von DPE konnte auch der Wachstumskurs beschleunigt werden, besonders in China. „Die SSB Wind Systems konnte dort pro Jahr den Umsatz verdoppeln, von 5 Mio. EUR im Jahr 2007 auf zuletzt fast 40 Mio.“, freut sich Schomakers. Und so blieb auch das Minusjahr 2007 eine einmalige Angelegenheit für die SSB Group.

Verkauf der Windenergiesparte
Doch die Umstrukturierung der Gruppe war damit nicht abgeschlossen. Im November 2009 wurde die SSB Wind Systems an die amerikanische Emerson Electric Co. verkauft. Das damalige Kerngeschäft der SSB Group erwirtschaftete 2009 bis zum Zeitpunkt des Verkaufs etwa 82 Mio. EUR, wird nun aber vom boomenden Service ersetzt. „Wir sind dort innerhalb von drei Jahren auf 23 Mio. EUR Umsatz und 150 Mitarbeiter angewachsen – 2010 sind schon 28 Mio. EUR geplant, 2012 wollen wir auf 46 Mio. EUR verdoppeln“, verrät Schomakers die hochgesteckten Ziele. An DPE sollte das auch nicht scheitern, auch wenn sie für den Servicebereich ebenfalls wiederholt Kaufangebote erhalten. „Wir denken, dass wir in den nächsten fünf Jahren mit unseren Mitteln ein sehr solides globales Unternehmen aufbauen können, deshalb nehmen wir diese Gesprächsmöglichkeiten derzeit nicht wahr“, erläutert Hichert.

Esther Mischkowski
mischkowski@unternehmeredition.de

Kurzprofil: SSB Group GmbH
Gründungsjahr: 1970
Branche: Windenergie und Antriebssysteme
Unternehmenssitz: Salzbergen
Mitarbeiter: 650 (inklusive SSB Wind Systems)
Umsatz 2009: 41 Mio. EUR (ohne SSB Wind Systems)
Internet: www.ssb.eu

„Als Exitszenario wäre ein Börsengang vorstellbar“
Interview mit Volker Hichert, Managing Partner, Parcom Deutsche Private Equity

Unternehmeredition: Herr Hichert, die SSB Wind Systems war das Kerngeschäft der SSB Group und machte den weitaus größten Anteil des Umsatzes aus. Warum verkauften Sie sie trotzdem Ende November an Emerson?
Hichert: Von Anfang waren wir uns bewusst, dass das zyklische Geschäft der SSB Wind Systems keine fünf- bis zehnjährige Investition sein wird, wie wir es hingegen bei der SSB Service anstreben. Dazu bewegt es sich zu stark in Richtung eines internationalen Großkonzerngeschäftes – Bosch oder Siemens beispielsweise bauen derzeit eigene Systeme auf, der Markt wird neu verteilt. Bevor unsere Marktanteile verfallen und das Firmenwachstum im bisherigen Maß nicht mehr aufrecht zu erhalten sein wird, wollten wir lieber zu einem guten Preis verkaufen.

Unternehmeredition: Warum bekam Emerson den Zuschlag?
Hichert: Einerseits haben sie – relativ trivial – den besten Preis geboten, und andererseits hatten wir den Eindruck, dass wir mit Emerson auch anschließend gut zusammenarbeiten können. Wir haben ja weiterhin noch Berührungspunkte mit der SSB Wind Systems: Die SSB Duradrive liefert dort zu, und die SSB Service nimmt bestimmte Produkte ab. Von daher war es für uns wichtig, dass wir einen Käufer finden, der in Zukunft auch ein Partner sein wird.

Unternehmeredition: Welches Exitszenario können Sie sich für Ihre übrigen Beteiligungen an der SSB Group vorstellen?
Hichert:
Als Exitszenario wäre ein Verkauf an einen Strategen vorstellbar, aber durchaus auch ein Börsengang. Die Wachstumsraten insbesondere der Servicesparte versprechen in den nächsten zehn Jahren sehr hoch zu sein, weil für viele tausend Anlagen pro Jahr die Gewährleistung ausläuft. Wenn wir unsere starke Position im Markt behaupten oder sogar ausbauen können, kann SSB langfristig den Zugang zum Kapitalmarkt gut gebrauchen – sowohl für die Finanzierung des organischen Wachstums als auch die Übernahme von Mitbewerbern.

Unternehmeredition: Welche Unternehmen stehen denn besonders in Ihrem Investmentfokus?
Hichert: Wir interessieren uns sehr stark für Dienstleistungsunternehmen, sowohl für Prozess- als auch technische Dienstleister. Restrukturierung ist dabei jedoch nicht unser Kerngeschäft, Sanierungsfälle wie die SSB sind eher eine Ausnahme. Wir finanzieren mit Vorliebe klassisches Wachstum oder Buy-outs, und sind dabei sowohl zu Mehr- als auch Minderheitsbeteiligungen bereit.

Unternehmeredition: Herr Hichert, vielen Dank für das Gespräch!

Esther Mischkowski
mischkowski@unternehmeredition.de