Minderheitsbeteiligung bei der Nachfolge (Ausgabe 2/2009)

Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH: Scharfmacher aus Schwaben

Wenn man in Baden-Württemberg nach Vorzeigemittelständlern sucht, stößt man auch auf das idyllische Biberach an der Riß, wo die Vollmer Gruppe ihren Hauptsitz hat. Doch wer hier die sprichwörtliche schwäbische Gemütlichkeit vermutet, hat weit gefehlt:

Wenn man in Baden-Württemberg nach Vorzeigemittelständlern sucht, stößt man auch auf das idyllische Biberach an der Riß, wo die Vollmer Gruppe ihren Hauptsitz hat. Doch wer hier die sprichwörtliche schwäbische Gemütlichkeit vermutet, hat weit gefehlt: In der Sparte Schleif- und Erodiermaschinen für die Herstellung zerspanender Werkzeuge ist Vollmer seit Jahrzehnten führend auf dem Weltmarkt. Damit diese Führungsposition weiter gestärkt wird, wurde die BWK als langfristiger Partner mit ins Boot geholt.

Traditionsreiche Firmengeschichte
Seit Jahrzehnten ist der Name Vollmer in der Werkzeugbranche ein Begriff. 1909 legte Heinrich Vollmer mit seiner ersten Sägenschrank- und Sägenfeilmaschine den Grundstein für das Unternehmen, das sich bis heute überwiegend im Familienbesitz befindet. Hauptgesellschafterin ist Sieglinde Vollmer – „Fräulein Vollmer“, wie sie selbst stets betont. Die 84-jährige ist die Tochter des Gründers und verkörpert die Beständigkeit des Unternehmens. Neben Fräulein Vollmer ist aber auch die BWK Unternehmensbeteiligungsgesellschaft aus Stuttgart Gesellschafterin bei Vollmer und hält seit 1998 eine Minderheitsbeteiligung an dem Maschinenbauer.

Investor für Nachfolgeregelung gesucht
Damals wurde ein Finanzinvestor gesucht, der die Nachfolgeregelung im Gesellschafterkreis unterstützt und an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert ist. Vollmers Argumente waren absolut stichhaltig: marktführende Stellung, hohe technische Lösungskompetenz und eine innovative Forschungs- und Entwicklungsabteilung. „Die weltweite Industrie für die Herstellung von Holz und Metall verarbeitenden Werkzeugen hat einen hohen Bedarf an Werkzeugmaschinen und birgt noch viel Potenzial“, fasst Dr.-Ing. Stefan Brand, seit 2003 Geschäftsführer von Vollmer, die Branchensituation zusammen. Die gute Ertragskraft und die positiven Wachstumsaussichten vervollständigten das Bild des etablierten Mittelständlers als ideale Investition für die BWK. Als ein Gesellschafter bei Vollmer ausschied, wurden dessen Anteile von den Enkeln des Gründers und der BWK übernommen. Bis heute funktioniert die Zusammenarbeit gut, stellt Brand heraus: „Wir schätzen die BWK als Investor, der uns, wie die Familiengesellschafter auch, die Freiheit zur operativen Unternehmensführung lässt und dann zur Stelle ist, wenn er wirklich gebraucht wird.“

Mit Zuversicht durch schwierige Zeiten
Und da sie gerade in schwierigen Zeiten gebraucht wird, steht die BWK Vollmer auch jetzt zur Seite. Der Maschinenbauer muss sich wie die gesamte Branche mit der Wirtschaftskrise auseinander setzen. Um seine Kundenattraktivität zu steigern, hat Vollmer sein firmeneigenes Finanzierungsprogramm erweitert: Vollmer Finance bietet verschiedene Möglichkeiten zum Ratenkauf und Leasing der Maschinen. Dass das Unternehmen für den Aufschwung nach der Krise gut gerüstet ist, beweist das neue Technologie- und Dienstleistungszentrum in Biberach, das zum 100-jährigen Firmenjubiläum im Juli eingeweiht wird. Es bietet Raum für Kundenveranstaltungen und Hausmessen, aber auch für Schulungen von Mitarbeitern der Industriekunden an den Vollmer-Maschinen. Der ausgezeichnete Service ist nur ein weiteres Qualitätsmerkmal des schwäbischen Maschinenbauers, das Brand zuversichtlich stimmt: „Unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass Vollmer immer gestärkt aus einer Krise hervorgetreten ist – und diese Tradition werden wir beibehalten.“

Esther Mischkowski
mischkowski@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH
Gründungsjahr: 1909
Branche: Maschinenbau
Unternehmenssitz: Biberach an der Riß
Mitarbeiter: 700 weltweit
Umsatz 2008: 110 Mio. Euro
Internet: www.vollmer.de

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