Annova Systems GmbH: Redaktionssysteme für Funk und FernsehenAnnova Systems GmbH ist eine Softwareschmiede, die Programme für die Produktion von Nachrichtensendungen entwickelt und vertreibt. Sie entstand im Januar im Zuge eines Management Buyout. Die Annova-Gesellschafter verließen dabei allerdings den ausgetreten Pfad üblicher MBOs – und behielten die Mehrheit am Unternehmen.
Annova Systems GmbH ist eine Softwareschmiede, die Programme für die Produktion von Nachrichtensendungen entwickelt und vertreibt. Sie entstand im Januar im Zuge eines Management Buyout. Die Annova-Gesellschafter verließen dabei allerdings den ausgetreten Pfad üblicher MBOs – und behielten die Mehrheit am Unternehmen.
Zwei Strategien, zwei Unternehmen
Tagtäglich, 20:00 Uhr. Fünf Mio. Deutsche sehen die Tagesschau. Für ihren reibungslosen Ablauf sorgen hinter den Kulissen Redaktionssysteme. Das sind Softwareprogramme für die Planung und Gestaltung von Nachrichten- und Magazinsendungen – wie OpenMedia: Sie gibt ihnen Zugriff auf Archive, Agenturmeldungen, Bild- und Videomaterial – 24/7. Ist der Beitrag im Kasten, steuert sie bei der Ausstrahlung den Sendungsablauf. OpenMedia wechselte im Januar im Zuge eines MBO den Besitzer: Die Rechte sicherte sich die deutsche Tochter der französischen Dalet S.A., die OpenMedia entwickelt und vermarktet hatte. Bei der Transaktion erhielt die neue Gesellschaft den Namen Annova Systems. Die strategische Ausrichtung auf verschiedene Kundensegmente gab den Anstoß für den Spin-off, sagt Michael Schüller, Geschäftsführer der Münchner Firma: Während die französische Mutter ihr Kerngeschäft in Software für den Produktionsprozess kleiner bis mittelständischer Rundfunkanstalten sieht, fokussiert sich Annova auf die Branchengrößen.
Untypischer MBO
Den siebenstelligen Kaufpreis zu stemmen, war die größte Hürde, die die MBO-Gesellschafter zu nehmen hatten. Besonders da die oberste Prämisse der Manager lautete, Herr im Haus zu bleiben, also einen Investor zu beteiligen, der nicht – wie sonst bei MBOs üblich – die Mehrheit der Anteile übernimmt. Die Corporate Finance-Beratung Proventis vermittelte den Kontakt zur S-Partner Kapital AG, der bayerischen Beteiligungsgesellschaft der Sparkassen. S-Partner Kapital schoss schließlich neben Eigenkapital einen Teil des Kaufpreises in Form von Mezzanine-Kapital zu, der Rest wurde durch Eigenmittel des Managements und Fremdkapital bestritten. Somit beteiligt sich der Investor mit 38%, 62% der Anteile am Stammkapital halten die Gesellschafter. Als „typische Finanzierungsstruktur für einen MBO, bei dem die Mehrheit bei den Gesellschaftern bleiben soll“ beschreibt Rainer Wieser, Berater bei Proventis, die Finanzierung. Als „eine kostspielige, aber lohnende Investition“ bezeichnet Schüller die Zusammenarbeit mit der Beratung, die Annova auch in Rechts- und Steuerfragen und bei den Verhandlungen mit den französischen Gesellschaftern unterstützte.
Standards setzen von Australien bis Alaska
Ein Finanzinvestor auf der Jagd nach der schnellen Rendite kam für Schüller nie in Frage. Entsprechend ist der Exit von S-Partner Kapital frühestens nach acht Jahren geplant. In der Zwischenzeit ist die internationale Expansion Kern der Strategie. Schüller zufolge nutzen 15.000 Journalisten innerhalb der ARD derzeit die Software, u. a. bei der Produktion der Tages- und Sportschau. Die ARD ist somit der wichtigste Kunde von Annova, in deren Auftragsbüchern außerdem Fernsehsender wie RTL TVI Belgien und RTSI Schweiz zu finden sind. Der Marktanteil der Softwareschmiede entspricht Schüller zufolge im Inland rund 50%, in Europa etwa 10%. Schüller gibt sich zuversichtlich, letzteren in den nächsten drei Jahren um 10% zu steigern und die Umsatzziele von 3,5 Mio. bis 5 Mio. Euro p. a. zu erreichen. Das schlagende Argument dafür ist ihr USP: Im Vergleich zu Konkurrenzprodukten sei OpenMedia leichter integrierbar mit den bei Medienunternehmen verbreiteten Technologien anderer Softwarehersteller. Seine Vision für Annova formuliert Schüller selbstbewusst: „Langfristig wollen wir die Standards in der internationalen Rundfunkindustrie setzen – von Australien bis Alaska.“

Eva Brand

Kurzprofil: Annova Systems GmbH
Gründungsjahr: 2008
Branche: Software
Unternehmenssitz: München
Mitarbeiter: 20
Umsatz 2007: k. A.
Internet: www.annova.de