Management Buy-in (Ausgabe 1/2008)

Dömer GmbH: Externe Nachfolge sichert Standort LennestadtJedes Jahr stehen Tausende kleine und mittlere Unternehmen vor der Regelung der Nachfolgefrage
Jedes Jahr stehen Tausende kleine und mittlere Unternehmen vor der Regelung der Nachfolgefrage. Gerade Unternehmer, die ihren Betrieb über Jahrzehnte selbst aufgebaut haben, wünschen sich dessen Fortbestand – doch wenn sich innerhalb der Eigentümerfamilie keine Lösung anbietet, gibt es als Alternative zur Schließung nur den Verkauf. Dann gilt es einen Käufer oder Investor zu finden, der nicht nur am Namen und an der Technologie des Übernahmekandidaten interessiert ist, sondern auch an der Erhaltung des Standortes und der Arbeitsplätze. Die Wuppertaler Gesco AG konzentriert sich seit 1989 als Beteiligungsgesellschaft auf Investmentchancen, die sich aus der Nachfolgeproblematik im deutschen Mittelstand ergeben. Sie hat seither ein Portfolio von 13 Unternehmen in den Bereichen Maschinen- und Werkzeugbau sowie Kunststofftechnik aufgebaut, bei dem der Exit nicht zum Geschäftsmodell gehört.
Den Übergang mit dem Alteigentümer meistern
Seit 2005 gehört die Dömer GmbH & Co. KG Stanz- und Umformtechnik aus Lennestadt im Sauerland zum Gesco-Portfolio. „Die Dömer GmbH ist ein Paradebeispiel für unsere Art zu investieren“, erläutert Gesco-Vorstand Dr. Hans-Gert Mayrose, „Margot und Josef Dömer, die die Betriebe über 35 Jahre aufgebaut und geleitet haben, waren Unternehmer, die nicht nur den Verkaufspreis im Auge hatten, sondern auch den Erhalt des Standortes und der Arbeitsplätze. Wenn mir ein potenzieller Verkäufer im ersten Gespräch signalisiert, dass er sich nach dem Verkauf so schnell wie möglich Richtung Süden absetzen will, weiß ich schon, dass er eher nicht der richtige Kandidat für uns ist.“ Gesco legt großen Wert darauf, nach der Transaktion noch etwa ein Jahr mit dem Alteigentümer zusammenzuarbeiten, um gemeinsam einen neuen Geschäftsführer auszuwählen, der in der Gesco-Strategie immer eine ganz besondere Rolle spielt: Sobald nach ein- bis zweijähriger Bewährungsphase klar ist, dass man den richtigen Kandidaten gefunden hat, beteiligt er sich mit ca. 10 bis 20% in Form eines Management Buy-ins am Unternehmen. Dabei sind die Konditionen variabel und hängen vom Wert des jeweiligen Unternehmens ab.
Der Geschäftsführer als Unternehmer
Dr. Jochen Asbeck, der seit Oktober 2006 die Dömer GmbH als Geschäftsführer leitet, weiß dieses Vorgehen zu schätzen: „Der wichtigste Grund, in das Unternehmen einzutreten, war für mich die Möglichkeit, selbst als Unternehmer tätig zu sein. Das Maß der Identifikation ist einfach höher, wenn man nicht nur als angestellter Geschäftsführer tätig ist. Denn in dieser Konstellation kommt es mir natürlich darauf an, dass meine Anteile beim Ausscheiden aus dem Unternehmen mehr wert sind als zu dem Zeitpunkt, an dem ich sie erworben habe.“ Bei der Gestaltung des MBI stehen den Geschäftsführern der Portfoliounternehmen alle Möglichkeiten offen – finanzieren können sie privat, durch Banken, öffentliche Fördergelder, Mischformen oder durch die Gesco selbst. Den Vorteil der MBI-Finanzierung durch die Beteiligungsgesellschaft beschreibt Vorstand Mayrose: „Bei Gesco gilt die Regel, dass die Eigenkapitalquote eines Portfoliounternehmens nicht unter 30% fallen darf; sollte es dennoch vorkommen, wird eine Ausschüttungssperre verhängt. Da die Minderheitsgesellschafter ihre Tilgungsraten in der Regel den Ausschüttungen entnehmen, können sie mit uns in so einem Fall sehr viel besser über ein Aussetzen der Tilgung verhandeln als mit einer Bank. Dort ginge es wahrscheinlich gleich in die Abteilung Problemkredit, aber uns sind die Gründe ja en détail bekannt.“
Umsatzwachstum von 10 bis 15% angestrebt
Zum Zeitpunkt der Übernahme hat die Dömer GmbH, die in der Stanz-, Biege- und Umformtechnik sowie im zugehörigen Werkzeugbau tätig ist, mit rund 80 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von gut 10 Mio. Euro erzielt. Kunden sind in erster Linie die Automobilindustrie, Unternehmen der Gebäudetechnik, für die hochwertige Sicherheitsbeschläge für Fenster produziert werden, und Hersteller von Schienenfahrzeugen, die Dömer mit Radsatz-Schwingungsabsorbern zur Geräuschdämmung und Komforterhöhung beliefert. Bereits der Alteigentümer hat den Einstieg in das Feinschneidsegment angestrebt und begonnen, das erforderliche Kapital von 2,5 Mio. Euro für eine Feinschneidpresse anzusparen. „Wir haben dafür gesorgt, erst einmal die Kunden zu finden, um die neue Maschine zu 50% auslasten zu können, und anschließend investiert“, erinnert sich Gesco-Vorstand Mayrose. Heute ist die Feinschneidpresse bereits zu 100% ausgelastet und soll wesentlich zu der Umsatzsteigerung von 10 bis 15% beitragen, die die Dömer GmbH für dieses Jahr anstrebt: „Wir wollen in den Nischen, die wir erfolgreich besetzt haben, weiter wachsen und gezielt nach neuen Kunden suchen“, gibt Geschäftsführer Asbeck den generellen Kurs des Unternehmens vor.

Bernd Luxa

Kurzprofil: Dömer GmbH
Gründungsjahr: 1969
Branche: Metallverarbeitung
Unternehmenssitz: Lennestadt
Mitarbeiterzahl: 97
Umsatz 2007: 11,7 Mio. Euro
„Das Wichtigste ist, dass das Unternehmen weitergeführt wird“
Interview mit Josef Dömer, Gründer der Dömer GmbH
Unternehmeredition: Herr Dömer, auf welche Weise hat sich in Ihrer Unternehmensgruppe die Frage der Nachfolge gestellt?
Dömer: Meine Frau und ich haben das Unternehmen in 35 Jahren aufgebaut und geführt. Wir hatten uns vorgenommen, mit 65 aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Eine unserer beiden Töchter hat sich für einen Lebensweg entschieden, bei dem die Unternehmensnachfolge überhaupt nicht in Betracht kam; die andere hat zwar Maschinenbau studiert, anschließend aber eine Laufbahn an der Hochschule eingeschlagen und sich nach zweijähriger Bedenkzeit für deren Fortsetzung entschieden. Damit war eine Lösung innerhalb der Familie nicht gegeben.
Unternehmeredition: Mit welchen Möglichkeiten der Nachfolge haben Sie sich dann auseinandergesetzt?
Dömer: Für mich war immer klar, dass wir den Standort und die Arbeitsplätze erhalten wollten. Es gibt in unserer Region viele Beispiele dafür, dass ein Betrieb nach dem Verkauf an einen Investor oder ein anderes Unternehmen nicht am alten Standort fortgeführt wurde oder dass Arbeitsplätze in erheblichem Umfang reduziert wurden. Das wollten wir auf gar keinen Fall.
Unternehmeredition: Welche Bedeutung hatte denn Ihr Unternehmen für den Standort Lennestadt?
Dömer: Wir haben damals rund 80 Leute beschäftigt, die alle aus der näheren Umgebung kamen. In der Zeit, in der wir den Betrieb führten, haben mehr als 100 Auszubildende das Unternehmen durchlaufen. Wenn in einer Gemeinde wie Lennestadt mit ihren rund 27.000 Einwohnern ein Betrieb unserer Größe plötzlich nicht mehr existieren würde, wäre das schon ein Verlust, der sich sowohl in der Arbeitsmarktstatistik als auch bei den Gewerbesteuereinnahmen deutlich niederschlagen würde.
Unternehmeredition: Warum haben Sie sich schließlich für die Gesco AG entschieden?
Dömer: Weil diese Lösung bedeutet, dass das Unternehmen weitergeführt wird, das war für uns das Wichtigste. Wir haben auch einige andere Kontakte gehabt, waren aber sehr schnell von der Seriosität des Ansatzes überzeugt, den die Gesco verfolgt. Und ebenso schnell sind wir uns auch einig geworden, das hat gerade einmal acht Wochen gedauert. Die Gespräche waren nicht öffentlich angekündigt, um die Belegschaft nicht zu beunruhigen, die natürlich wusste, wie andere Übernahmen hier in der Region gelaufen sind. Als dann der „Tag der Offenbarung“ kam, hat es aber schon einige hängende Köpfe gegeben, doch Gesco-Vorstand Mayrose hatte einen sehr überzeugenden Auftritt vor der Belegschaft, der sie schnell wieder aufgerichtet hat. Letztlich war es ein Traum, wie das über die Bühne gegangen ist.
Unternehmeredition: Herr Dömer, vielen Dank für dieses Gespräch.
Das Gespräch führte Bernd Luxa.

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