Leveraged Buy-out (Ausgabe 3/2008)

Turbulente Zeiten für den börsennotierten Modekonzern Hugo Boss AG: Im ersten Quartal dieses Jahres nahm der Vorstandsvorsitzende Dr. Bruno Sälzer seinen Hut, kurz darauf traten Vorstand Dr. Werner Lackas und der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Giuseppe Vita ihren Rückzug an – „in bestem Einvernehmen“, so die offizielle Begründung

Turbulente Zeiten für den börsennotierten Modekonzern Hugo Boss AG: Im ersten Quartal dieses Jahres nahm der Vorstandsvorsitzende Dr. Bruno Sälzer seinen Hut, kurz darauf traten Vorstand Dr. Werner Lackas und der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Giuseppe Vita ihren Rückzug an – „in bestem Einvernehmen“, so die offizielle Begründung. Doch hinter den Kulissen brodelt es – der Grund sind Meinungsverschiedenheiten mit dem Finanzinvestor Permira.

Permira schlägt zu
Im Mai 2007 hatte das auf große Transaktionen spezialisierte Private-Equity-Haus die Boss-Mutter Valentina Fashion Group (VFG) übernommen. Seitdem hält Permira über die niederländische VFG 88,02 % der Stammaktien und 55,28 % der Vorzugsaktien. Die Übernahme des deutschen Traditionskonzerns hat in der Öffentlichkeit für Verstimmungen gesorgt – das Bild der Heuschrecken, die Firmen finanziell aussaugen, tauchte im deutschen Blätterwald wieder auf. Dazu wollten sich auf Anfrage weder Hugo Boss noch Permira bis Redaktionsschluss äußern. Die Unstimmigkeiten sind offenbar gröberen Ausmaßes. Nicht umsonst gab auch Finanzchef Joachim Reinhardt Mitte Juli sein fluchtartiges Ausscheiden bekannt.

Permira macht Kasse
„Das Ausscheiden von Herrn Reinhardt erfolgt vor dem Hintergrund unterschiedlicher Auffassungen über die Umsetzung der Wachstumsstrategie des Unternehmens“, so Hugo Boss in einer Pressemitteilung. Das verwundert kaum einen Beobachter, da es bereits mehrmals unterschiedliche Auffassungen zwischen der Geschäftsführung und dem Investor gegeben hat. Für besonders großen Aufruhr sorgte im März dieses Jahres, dass Permira gegen den Willen des Vorstandes eine Sonderdividende von fünf Euro je Aktie durchsetzte. Und das, obwohl die Dividende ohnehin um 22 % auf 1,45 Euro je Stammaktie bzw. 1,46 Euro je Vorzugsaktie erhöht wurde.

Verschuldung steigt
Das sei alles gar kein Problem, wiegelt Hugo Boss auf der Firmenhomepage ab. Immerhin partizipierten auch die anderen Aktionäre von der Sonderdividende am nachhaltig profitablen Wachstum des Konzerns. Außerdem sei die Kapitalstruktur aus finanztheoretischer Sicht ohnehin verbesserungswürdig gewesen. Die Sonderdividende bewirkt jedoch, dass die Verschuldung des Unternehmens steigt und die Eigenkapitalquote von 52 auf rund 20 % sinkt. Die Bonität sei nach eigenen Angaben bisher nicht gefährdet. Im Gegenteil, die veränderte Kapitalstruktur habe den Vorteil, dass die durchschnittlichen Kapitalkosten sänken. Zwar sind Fremdkapitalkosten regelmäßig niedriger als Eigenkapitalkosten. Aber eine steigende Verschuldung birgt das Risiko, in Zeiten von Umsatz- und Gewinneinbußen den Zins- und Tilgungsdienst nicht mehr leisten zu können. Die Folge: Liquiditätsprobleme tauchen auf, wie etwa bei der Werkstattkette Auto-Teile-Unger. Hier musste der Private Equity-Riese KKR Anfang dieses Jahres frisches Eigenkapital nachschießen.

Fazit:
Ex-Vorstandschef Sälzer, mittlerweile an der Spitze des Modekonzerns Escada, hat nach seinem Abgang Permiras Vorgehen scharf kritisiert. Seit 1. August ist der neue Vorstandsvorsitzende, Claus-Dietrich Lahrs, bei Hugo Boss in Amt und Würden. Ob der frühere Geschäftsführer der Edelmarke Christian Dior Coutoure künftig auch Kontroversen mit Permira ausfechten muss, wird sich zeigen.

Alexander Endlweber
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Hugo Boss AG
Gründungsjahr: 1923
Unternehmenssitz: Metzingen
Branche: Konsumgüter/Textilien
Mitarbeiter: 7.800
Umsatz 2007: 1,6 Mrd. Euro
Internet: www.hugoboss.de

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