Internationalisierung mit Finanzinvestor

Wenn alles nach Plan verläuft, hat Markus Belte in zwölf Jahren den Sprung aus der heimischen Küche an den persischen Golf geschafft. In Deutschland und Europa konnte er das Wachstum noch alleine bewältigen, für den nächsten Schritt hat er sich die Unterstützung eines Finanzinvestors gesichert.

Kontinuierliches Wachstum

Seine ersten Versuche der Wärmebehandlung von Aluminium fanden in der Küche statt, dann wanderte Markus Belte in den Keller und schließlich in die Garage. Mit der Zeit verfeinerte er die Technik so sehr, dass der bayerische Autohersteller Audi den Tüftler zum Serienlieferanten beförderte. „Das war schon eine sehr große Überraschung, als die Herrschaften vor meiner Tür standen“, berichtet Belte mit einem Tonfall, in dem auch heute noch ungläubiges Erstaunen mitschwingt. Im Mai 1998 legte er mit lediglich 70.000 DM Startkapital und der ersten, 400 qm großen Produktionshalle in Delbrück bei Paderborn los, ein halbes Jahr später erwirtschaftete Belte monatlich 600.000 DM Umsatz, ein weiteres halbes Jahr später beschäftigte die nach dem Gründer benannte Belte AG 40 Mitarbeiter. In den Folgejahren wuchs das Unternehmen kontinuierlich auf aktuell 450 Mitarbeiter. Weitere Standorte in Bayern und Baden-Württemberg kamen hinzu.

Absicherung durch Internationalisierung

Das Geschäftsmodell basiert auf einer speziellen Wärmebehandlung von Aluminium, um den leichten Werkstoff auf sicherheitsrelevantes Niveau zu härten. Bei gleicher Materialqualität wie Stahl können Fabrikanten wie Audi und BMW mit dem behandelten Aluminium Gewicht bei ihren Produkten einsparen und somit den Spritverbrauch senken. Weitere Abnehmer entstammen der Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, dem Schiffbau und der Transporttechnik. „Da fast alle Gewinne im Unternehmen verblieben, hatten wir bis Herbst 2008 eine sehr hohe Eigenkapitalquote“, berichtet Markus Belte. Dann schlug die Finanzkrise zu und traf den Automobilmarkt mit voller Wucht – Aufträge blieben aus, das Eigenkapital schrumpfte. Mit einer Internationalisierungsstrategie will sich die Belte AG nun breiter aufstellen. Der Finanzinvestor MIT Munich Industrial Technologies soll dabei helfen. Erst vor wenigen Wochen im Oktober 2009 übernahm MIT für eine ungenannte Summe 25,7% der Anteile an der Belte AG. „Das Unternehmen bietet Lösungen für zwei Megatrends der Automobilindustrie – Leichtbau und Berücksichtigung der Energiebilanz eines Automobils“, begründet Managing Partner Rüdiger Olschowy den Einstieg.

Strategisches Gesamtkonzept

Derzeit arbeiten Investor und Unternehmer an einem gemeinsamen Businessplan, der im ersten Quartal 2010 fertig gestellt sein soll. „Eine einzelne Produktion im europäischen Ausland lässt sich immer leicht aufbauen. Uns geht es um ein strategisches Gesamtkonzept, das deutlich darüber hinausgeht“, gibt Olschowy die Richtung vor. Mit dem persischen Golf stehe das erste Ziel der Route bereits fest, so Belte. Später könne die Belte AG auch ihren Industriepartnern nach China und in die USA folgen.

Ausblick:
Trotz der Krise in der Automobilbranche ist die Belte AG auf Wachstumskurs. Investor Olschowy schaut positiv in die Zukunft: „Aluminium verdrängt Stahl im Automobilbau so massiv, dass ein rückläufiger Gesamtmarkt überkompensiert wird.“

Torsten Paßmann
passmann@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Belte AG
Gründungsjahr: 1998
Branche: Aluminiumveredelung/Automobilzulieferer
Unternehmenssitz: Delbrück
Mitarbeiter: 450
Umsatz 2008: k.A.
Internet: www.alutec-belte.de