Generationenwechsel in vier Schritten

Christine Leikeim wollte sich aus der familieneigenen Traditionsbrauerei zurückziehen. Die jungen Söhne standen für die Nachfolge bereit, aber es fehlte ihnen an Erfahrung. Deshalb holte die Unternehmerin einen Interim-Manager ins Haus.

Schritt drei: Nachfolge

Ein halbes Jahr lang wurde Andreas Leikeim von Interim-Manager Eiche für die Nachfolge für die Brauerei Leikeim gecoacht. Sein jüngerer Bruder Bastian war derweil mit seinem Betriebswirtschaftsstudium fertig und nahm auf dem Chefsessel der Altenburger Brauerei Platz. Auch er wurde dabei vom erfahrenen Eiche angeleitet.

Schritt vier: Übertragung der Anteile

Als die beiden Brüder schließlich auch ohne fremde Hilfe operativ fest im Sattel der beiden Brauereien saßen, entschied Christine Leikeim, den letzten Schritt der Nachfolgeregelung zu vollziehen: die Übertragung ihrer Gesellschaftsanteile auf ihre Kinder. Die beiden Söhne bekamen jeweils 35 Prozent der Anteile an jeder der beiden Brauereien, die restlichen 30 Prozent gingen auf ihre Schwester Anne über.

Ganz hat sich Christine Leikeim aber nicht zurückgezogen. Zusammen mit Eiche und einem ehemaligen Manager der Henninger-Brauerei sitzt sie in den neu geschaffenen Beiräten der beiden Brauereien. „Damit soll sichergestellt werden, dass mein Bruder und ich auch in Zukunft ausreichend Unterstützung bekommen“, sagt Andreas Leikeim. Interim-Manager Eiche zieht ein positives Fazit seiner Arbeit bei den Leikeims: „Es war eine harmonische Zusammenarbeit. Es ist viel leichter, etwas zu erreichen, wenn man die volle Unterstützung der Gesellschafter bekommt.“


„Regionale Brauereien werden wieder gesucht“

Andreas LeikeimInterview mit Andreas Leikeim, Geschäftsführender Gesellschafter des Brauhauses Altenkunstadt

Unternehmeredition: Wie sieht Ihre Strategie angesichts eines nachlassenden Bierkonsums aus?
Leikeim:
In einem rückläufigen Markt ist es besonders wichtig, sich richtig zu positionieren. Wir haben den Vorteil, dass die regionalen Brauereien schon wieder gesucht werden. Regionale, heimatverwurzelte Marken sind attraktiv. Deshalb setzen wir im Marketing auf diese Besonderheit. Wir sehen, dass wir auf diese Weise auch gegen sehr starke Biermarken Kunden gewinnen können. Wir haben außerdem in den 1990er-Jahren die Bügelverschlussflasche wiedereingeführt. Das kommt dem aktuellen Retrotrend entgegen.

Exportieren Sie Ihre Biere auch?
Wir exportieren unsere Biere bereits nach Italien und nach China. Dort arbeiten wir mit Importeuren zusammen, die unser Produkt in diesen Ländern vermarkten. Wir wollen versuchen, unseren Export in der Zukunft noch zu steigern.

Bieten Sie auch Craft-Biere an?
Wir haben vor sieben Jahren ein Steinbier entwickelt, das nach einem ganz alten Brauverfahren gemacht wird. Das entspricht in etwa einem Craft Beer. Wir nehmen dabei zum Beispiel heiße Steine und bringen damit die Bierwürze zum Kochen. Aber wir sind im Grunde eine typische Sortimentsbrauerei, wir haben für jeden Geschmack etwas dabei.

Eine Übernahme durch einen Großen der Branche kommt für Sie nicht infrage?
Sollten wir auf ein derartiges Interesse stoßen, würde uns das sehr freuen, denn es zeigte, dass wir alles richtig gemacht haben. Derzeit würden wir ein Übernahmeangebot aber nicht annehmen.

 

Kurzprofil Brauhaus Altenkunstadt Andreas Leikeim GmbH & Co. KG

Gründungsjahr 1887
Branche Brauerei
Unternehmenssitz Altenkunstadt in Oberfranken
Umsatz 2015
ca. 25 Mio. Euro
Mitarbeiterzahl 100

www.leikeim.de

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