„Eine AG erlaubt in der Außenwirkung eine deutliche Unterscheidung“



Interview mit Wolfgang E. Mueller, Vorstandsvorsitzender, Scholpp AG

Unternehmeredition: Viele Unternehmer fürchten bei der Beteiligung eines Private-Equity-Unternehmens, dass sie nicht mehr das Sagen haben. Sie nicht?

Mueller: Diese Frage stellt sich immer. Wer sich mit 49 % an einem Unternehmen beteiligt, muss auch Möglichkeiten haben, bei wesentlichen Entscheidungen mitzureden. Aber wir haben das positiv gelöst. Odewald hat nicht nur Geld mitgebracht, sondern auch unternehmerischen Input. Ins operative Geschäft mischen sie sich nicht ein. Wenn ein Finanzinvestor das will, ist er aus meiner Sicht nicht der richtige Partner. Mit seinem breiten Erfahrungsschatz ist Odewald für uns ein wichtiger Sparringspartner geworden. Ich würde das genauso wieder machen.

Unternehmeredition: Könnte die von Ihnen gewählte Rechtsform der AG auch auf Börsenpläne hindeuten?

Mueller: Wenn es eines Tages wieder ein für Börsengänge geeignetes Umfeld geben sollte – warum nicht. Eine AG erlaubt aber auch in der Außenwirkung eine deutliche Unterscheidung von anderen Unternehmen und eine gute Rollenverteilung. Wir haben neben einem zweiköpfigen Vorstand einen Aufsichtsrat mit sechs externen Fachleuten, von Finanzexperten über einen Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bis zu Unternehmern.

Unternehmeredition: Können Sie Unternehmern einen Rat geben, die mit der Beteiligung eines Private-Equity-Unternehmens liebäugeln?

Mueller: Wenn man nur seine Anteile zum maximalen Preis veräußern will, wird man selten eine für das Unternehmen nachhaltige Lösung finden. Der persönliche Draht muss da sein, denn in einer fünf- oder sechsjährigen Ehe kann es nicht immer nur Sonnenschein geben. Man muss ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Da muss man auch mal miteinander ein Glas Wein trinken. Und die Größe eines Finanzinvestors sollte zur Größe des Unternehmens passen. Es muss auch von vornherein klar sein, dass am Ende des Prozesses der Exit steht.

Unternehmeredition: Warum wollen Sie die Maschinen nicht nur verlagern, sondern auch modernisieren?

Mueller: Wenn eine ältere Presse in der Autoindustrie noch einen Ausbringungsgrad von 70% hat, kann man ihn mit mechanischen Methoden um 7 bis 8% erhöhen und mit der Elektronik um weitere 10%. Damit kommt man in eine Größenordnung, bei der man sich schon überlegen kann, ob eine neue Presse oder eine Modernisierung wirtschaftlicher ist. Wenn wir die Maschinen bei der Verlagerung und Montage gleich auf neuen Stand bringen, schlagen wir für unsere Kunden zwei Fliegen mit einer Klappe.

Unternehmeredition: Herr Mueller, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Lorenz Goslich.
redaktion@unternehmeredition.de