Börsennotierte Anleihe

Von einer Bauflaschnerei zum Automobilzulieferer

Die Dürr AG blickt auf eine 116-jährige Unternehmensgeschichte zurück: 1895 gründet Paul Dürr in Cannstatt eine Bauflaschnerei. 1917 beginnt er mit der Blechbearbeitung. 37 Jahre nach der Gründung übernimmt Otto Dürr den Betrieb seines Vaters. Mit der Einrichtung eines Konstruktionsbüros beginnt die Entwicklung hin zum Engineering-Unternehmen in seiner heutigen Form. 1963 schaffte Dürr mit der ersten Anlage zur elektrophoretischen Tauchlackierung den Durchbruch in der Automobilindustrie. Bis heute hat sich die Dürr AG auch dank zahlreicher Akquisitionen zum führenden Anbieter in diesem Bereich entwickelt: Weltweit sind rund 60% aller Lackierereien mit Dürr-Technologien ausgestattet.

Börsengang öffnete Tor zum Kapitalmarkt

Mit dem Börsengang im Jahr 1989 öffnete sich Dürr einer breiten Investorenschicht. Bereits 1992 ließ der Konzern eine größere Kapitalerhöhung folgen. Mehrere kleine Maßnahmen in Höhe von jeweils 10% des Grundkapitals führte das Unternehmen in den Jahren 2000, 2005 und 2008 durch. Bis heute ist die Familie Dürr mit 31,6% der größte Anteilseigner des Unternehmens.

Mit Anleihenemission die Finanzierung auf breite Basis gestellt

Neben der Börse waren für Dürr Bankkredite lange Zeit die wichtigste Geldquelle, ehe der Vorstand 2004 ein Finanzierungspaket zur Optimierung der Fremdkapitalstruktur beschloss. Dazu zählten eine Unternehmensanleihe im Volumen von rund 200 Mio. EUR und ein syndizierter Kredit, der sich aus einer Kreditlinie von circa 200 Mio. EUR und einer Avallinie von weiteren rund 200 Mio. EUR zusammensetzte. Die beiden in engem Zusammenhang stehenden Transaktionen dienten unter anderem der Refinanzierung eines im Februar 2001 vereinbarten syndizierten Kredits.

Großer Platzierungserfolg im Jahr 2010

Um die 2004 begebene Anleihe vorzeitig abzulösen, hat Dürr im September 2010 eine neue Unternehmensanleihe im Volumen von 150 Mio. EUR und einem Kupon von 7,25% begeben. Mit dem Papier, das über eine Laufzeit von fünf Jahren verfügt, hat sich die Gesellschaft insbesondere an Privatinvestoren, Vermögensverwalter und kleinere institutionelle Investoren gerichtet. Die Anleihe ist an der Börse Frankfurt und im Segment Bondm der Börse Stuttgart im Freiverkehr notiert. Aufgrund des großen Erfolgs – die Emission war dreifach überzeichnet – hat Dürr die Anleihe im Dezember 2010 um 75 Mio. EUR aufgestockt. Finanzvorstand Ralph Heuwing resümiert: „Wir sind mit dem Emissionserfolg extrem zufrieden: Wir verbessern nicht nur unsere Zinskosten und Fälligkeitsstrukturen, sondern freuen uns auch über die große Resonanz im Kapitalmarkt für unser innovatives Platzierungskonzept.“

Solide Unternehmensfinanzierung schafft Basis für Wachstum

Der Erlös aus der Aufstockungstranche der Anleihe dient neben der Reduzierung von Verbindlichkeiten dem Ausbau des Geschäfts mit Umwelt- und Energietechnik. Daneben hat Dürr die Expansion in den Emerging Markets sowie Akquisitionen auf der Agenda. Für 2011 erwartet das Management ein Umsatzwachstum von mindestens 15%. Die Marge auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (EBIT) soll zwischen 3,5% und 4% landen. Ebenso sagt die Gesellschaft einen deutlichen Anstieg des Nettoergebnisses sowie der Dividende voraus. Für die Folgejahre ist kein Ende des Aufwärtstrends in Sicht: 2012 soll die EBIT-Marge 4,5% bis 5% betragen, 2013 bereits 6%.

Artikel und Interview: Christian Scheid
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Dürr AG
Gründungsjahr: 1895
Branche: Lackieranlagen
Unternehmenssitz: Bietigheim-Bissingen
Mitarbeiterzahl: 5.915
Umsatz 2010: 1.261,4 Mio. EUR
Internet: www.durr.de

Autorenprofil
Vorheriger ArtikelVon der Beteiligungsfinanzierung zum Börsengang
Nächster ArtikelBörsenerfahrung eines Familienunternehmens