Der Auftragshersteller Vetter Pharma verfolgt seit Jahren eine offensive Investitionsstrategie. Der Standort Ravensburg wird genauso ausgebaut wie die Präsens im größten Pharmamarkt USA. Im Interview erklärt Geschäftsführer Oliver Albrecht den Spagat zwischen einer fixen Eigenkapitalquote und einem limitierten Verschuldungsgrad.

Bei der Finanzierung setzten Sie verstärkt auf Schuldscheindarlehen sowie auf sogenannte syndizierte Kreditlinien. Wieso haben Sie sich für diese beiden Instrumente entschieden?


Mit unserer guten Bonität haben wir Zugang zu verschiedenen Finanzierungsquellen. Der syndizierte Kredit bietet sich bei einem größeren Kreditvolumen beziehungsweise einer längeren Kreditlinie an. Es gibt einen Kreditvertrag für alle Syndikatsbanken mit den gleichen Konditionen. Das sorgt für Transparenz zwischen den Banken und verringert für uns als Kreditnehmer den Aufwand. Die Schuldscheindarlehen sind ein sehr interessantes Instrument, um sich bankenunabhängig am Kapitalmarkt zu finanzieren. Auch hier ist der Aufwand überschaubar mit einer schlanken Kreditdokumentation. Daneben nutzen wir auch Förderdarlehen, zum Beispiel für Investitionen zugunsten der Energieeffizienz. Allerdings fallen wir mit unserer Größe bei den Fördertöpfen langsam durchs Raster.

Kürzlich haben Sie in einem Interview ein Umsatzziel von 1 Mrd. Euro angepeilt. Wann ist das realistisch?

Derzeit befinden wir uns ja im Kapazitätsausbau. Wenn das alles abgeschlossen ist und sich eingeschwungen hat, ist eine Milliarde erreichbar. Die Perspektive ist für uns rund um das Jahr 2025. Das basiert auf Marktanalysen und Kundenanfragen. Die Pharmabranche ist mit ihren langen Zulassungsverfahren und dem Patentschutz eher konservativ aufgestellt. Aufträge und Partnerschaften sind oft längerfristig ausgelegt, was die Planungssicherheit für alle Parteien erhöht.

Neuer Standort in Ravensburg: Vetter investiert jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag, um organisch zu wachsen.
Neuer Standort in Ravensburg: Vetter investiert jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag, um organisch zu wachsen.

Sie haben neben den Investitionen am Standort Ravensburg 2016 auch in den USA investiert und ein Grundstück im US-amerikanischen Des Plaines in der Nähe von Chicago gekauft. Wie stark hängt diese Entscheidung mit der Trump-Regierung zusammen?

Die Entscheidung, das Grundstück zu kaufen, haben wir schon vor der US-Wahl gefällt. Bislang können wir an einem anderen Standort nahe Chicago die klinische Abfüllung für Entwicklungsprojekte unserer Kunden durchführen. Auf dem neuen Grundstück wollen wir in absehbarer Zeit ein eigenes Produktionswerk errichten, um auch die industrielle Abfüllung direkt vor Ort anzubieten. Durch die US-Steuerreform wird das Ganze natürlich attraktiver. Die USA sind mit rund 60 Prozent Umsatzanteil schon heute der wichtigste Markt für uns.

Seit 2014 haben Sie auch in Asien sukzessive Vertriebsbüros aufgebaut. Wie hoch schätzen Sie hier das Potenzial für Vetter ein?

Wir haben mittlerweile drei Vertriebsbüros in Singapur, Japan und Südkorea bei einem Anteil von rund sechs Prozent unseres Gesamtumsatzes. Mit dem höheren Wohlstand in Asien gehen wir davon aus, dass auch dort die Nachfrage nach modernen, häufig biotechnologisch basierten Medikamenten deutlich zunimmt.