„Insolvenz immer noch mit einem Makel behaftet“

Firmenzentrale in Dresden: Seit 2014 wächst die Zahl der Beschäftigten wieder.
Firmenzentrale in Dresden: Seit 2014 wächst die Zahl der Beschäftigten wieder.

Im Jahr 2012 beendete Solarwatt das Schutzschirmverfahren und zog sich aus dem Massenmarkt mit Solarmodulen zurück. Seitdem geht es für das Dresdner Solarunternehmen wieder aufwärts. Damit sich Haushalte selbst mit Strom versorgen können, setzt CEO Detlef Neuhaus auf spezielle Module, Speicherlösungen und Energiemanagementsysteme. 

Unternehmeredition: Herr Neuhaus, vor Kurzem meldete Solarworld, der einst größte Solarkonzern Deutschlands, Insolvenz an. Einer unter vielen, der in den vergangenen Jahren den Weg zum Gericht antreten musste. Ist die deutsche Solarindustrie noch zu retten?

Neuhaus: Ja, und ist sie wieder vorsichtig optimistisch. Die Zukunft besteht allerdings nicht aus Massenprodukten, die sich nicht von denen aus Ländern wie China unterscheiden. Davon haben wir uns vor Jahren verabschiedet.

Warum schlitterte eine gesamte Branche in die Krise?

Der Niedergang hatte viele Väter. Neben politischen Fehlern wie einer falschen Förderpolitik setzte letztlich auch die Industrie viel zu spät auf Differenzierung und Strategien zur Abgrenzung von Massenware.

War das nicht abzusehen? Schließlich gab es früher schon ähnliche Entwicklungen, etwa in der Halbleiterindustrie.

Nachher ist man immer schlauer. Wir haben uns 2012 komplett aus dem Massenmodulmarkt zurückgezogen, weil dieser schon damals an die Asiaten verloren gegangen ist. Wir haben uns darauf konzentriert, uns über Innovationen und Systeme, weg von der Großfläche, am Markt zu behaupten. Und zwar förderunabhängig. Das heißt nicht, dass die Technologie nicht gefördert werden soll. Allerdings nicht nach dem Gießkannenprinzip.

Auch Sie hatten große Probleme und schlüpften als eines der ersten Unternehmen überhaupt 2012 unter den Schutzschirm des ESUG.

Bei uns war die Krise die Initialzündung. Stecken Sie in der Insolvenz, dann wissen Sie, wie es nicht weitergeht. Wir haben diese genutzt, um konsequent alles umzustellen. Wegen drohender Überschuldung sind wir damals in die Insolvenz gerutscht.

Was war das für ein Gefühl?

In Deutschland ist eine Insolvenz immer noch mit einem Makel behaftet. In den USA ist es auch ein Managementtool, um Restrukturierungen voranzutreiben. Der Vorteil des Verfahrens lag darin, dass wir das Unternehmen weiterführen und selbst umstrukturieren konnten. Allerdings unter harten Auflagen. Wir hatten den Willen, uns neu auszurichten, und mit Stefan Quandt einen Investor, der hinter unserer Strategie stand und mit uns den Weg in die Zukunft gehen wollte.

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