Die Marke Sennheiser will sich nach zwei schwächeren Ertragsjahren erneuern. Eine Restrukturierung sowie ein neues Technologieprogramm sollen die Grundlage dafür sein. Im Interview erklären die beiden geschäftsführenden Gesellschafter Andreas und Daniel Sennheiser, warum gerade die Auslandsmärkte dafür entscheidend sind.

Sie haben im vergangenen Jahr 180 Stellen gestrichen, gleichzeitig stellen Sie viele neue Leute ein. Suchen Sie heute andere Qualifikationen für das Unternehmen?

Andreas Sennheiser: Das kann man sagen, ja. Insbesondere im Bereich Forschung und Entwicklung ändert sich der Fokus von der Hardware hin zur Software. Von den derzeit 30 Stellenausschreibungen sind 26 im Kompetenzbereich Software.

Suchen Sie unabhängig vom Know-how auch andere Persönlichkeiten?

Daniel Sennheiser: Persönlichkeit spielt für uns eine große Rolle. Für uns zählt Haltung daher mehr als die Qualifikationen allein. Wir sehen, dass beispielsweise Millennials, die jetzt in den Beruf einsteigen, schon anders sind als die, die vor zehn Jahren ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Sie wollen auch flexibler arbeiten, und das passt zu dem, was wir wollen.

Produktion von Kopfhörern am Stammsitz in Wennebostel nahe Hannover: Rund die Hälfte der rund 2.800 Mitarbeiter arbeitet in Deutschland.
Produktion von Kopfhörern am Stammsitz in Wennebostel nahe Hannover: Rund die Hälfte der rund 2.800 Mitarbeiter arbeitet in Deutschland.

In diesem Jahr haben Sie einen Produktionsstandort von China nach Rumänien verlegt. Warum haben Sie diese Entscheidung gefällt, obwohl Sie in China stark wachsen?

Daniel Sennheiser: Wir versuchen generell, so nah wie möglich am Markt zu sein. Die Region EMEA ist seit Jahren unsere umsatzstärkste. Mit dem neuen Werk in Rumänien schaffen wir einen dritten europäischen Produktionsstandort und erweitern gleichzeitig unser Zulieferernetzwerk in Europa. Die Nähe zu den Absatzmärken verfolgen wir seit 30 Jahren mit unseren Vertriebs-, aber auch Produktionsstandorten. Deshalb haben wir jetzt wieder beides stärker zusammengebracht – den europäischen Markt und die Produktion. Unser Standbein in China bleibt aber weiter stark.

Auffällig ist, dass Sie die Marke international und fast schon amerikanisch präsentieren. Zieht die deutsche Produktzentriertheit heute nicht mehr?

Andreas Sennheiser: In der Vergangenheit haben wir faktenbasierter und mit unseren Erfindungen gepunktet. Heute ist die Kommunikation insgesamt aber sehr viel schneller, komprimierter und auch emotionaler. Es sind diese berühmten sieben Sekunden, die darüber entscheiden, ob jemand weiter zuschaut oder nicht. Die Aufmerksamkeitsspanne hat sich drastisch reduziert, dem muss man auch in der Kommunikation gerecht werden. Das hat aber weniger etwas mit amerikanisch versus europäisch oder asiatisch zu tun.

Wie wird Ihre Marke denn speziell in China wahrgenommen, wo deutsche Produkte traditionell sehr beliebt sind?

Daniel Sennheiser: China ist unser stärkster Wachstumsmarkt mit hohen zweistelligen Raten. Vermutlich wird China im Consumer-Markt in diesem Jahr die USA überholen und damit unser größter Markt sein. Die Zukunft einer deutschen Qualitätsmarke ist in China eine sehr sichere.