„Man weiß um die eigene Endlichkeit“

Werner Kieser hat vor 50 Jahren das Kieser Training erfunden und daraus eine europäische Marke entwickelt. Nun haben er und seine Frau die gemeinsamen Gesellschafteranteile abgegeben. Im Interview werfen der Gründer und sein Nachfolger Michael Antonopoulos einen Blick auf die schwierige Anfangszeit und die heutige Expansion nach China.

Kieser Training will weder Lifestyle noch Vergnügen sein, sondern hartes Training. Ist das heute schwerer zu vermitteln als früher?

WeK: Nein, in unserer Zielgruppe findet ein rationaler Bezug zum Thema Fitness eher Akzeptanz als beim typischen Fitnesspublikum. Hier hat sich die Differenzierung vollzogen.

Trotzdem sind Sie nicht ganz günstig. Was gibt es, was man in anderen Studios nicht findet?

MiA: Ein standardisiertes Produkt, das wir durchziehen und bei dem wir jeden Schnickschnack weglassen. Wir stellen unsere Maschinen selbst her und legen großen Wert auf einen hohen Ausbildungsstandard bei unserem Personal. In anderen Ketten wird viel ohne Aufsicht trainiert, da kann man natürlich Personalkosten sparen.

WeK: Unser Angebot ist nicht an Trends ausgerichtet, sondern strikt wissenschaftlich-gesundheitlich.


„Wir müssen meist die Köpfe der Leute, die zu uns kommen, entrümpeln, weil sie so viele Dummheiten mitbringen.“

Werner Kieser, Gründer der Kieser Training AG


Was ist so schlimm an Trends?

WeK: An sich nichts, aber sie sind verwirrend. Wir müssen meist die Köpfe der Leute, die zu uns kommen, entrümpeln, weil sie so viele Dummheiten mitbringen. Heute werden viele Trends nur gemacht, um den Umsatz zu steigern, und nicht, weil sie einen Nutzen haben. Da hört man nur noch Schlagwörter, meist Anglizismen. Trends helfen zwar dem Cashflow, das darf aber nicht das erste Kriterium sein, sondern der Nutzen für den Kunden.

 An Ihrer Methode gab es immer wieder Kritik von Ärzten und Wissenschaftlern. Wie sind Sie damit umgegangen?

WeK: Ich hatte immer Kontakt zur Forschung. Ich habe die Methode ja auch nicht erfunden, sondern in Amerika gelernt. Das High Intensity Training (HIT) gab es schon, es hat allerdings ein paar Jahre gedauert, bis es sich auch in Deutschland etabliert hat. Erst als die alten Koryphäen abgetreten sind, wurde meine Methode akzeptiert. Die junge Generation ist offener damit umgegangen, weil sie noch kein Lebenswerk zu verteidigen hatte.

Wie ist das Verhältnis zu Medizinern, Orthopäden und Chirurgen heute?

WeK: Gegenüber früher hat sich das Verhältnis aufgehellt. Nicht zuletzt, weil mittlerweile unser Verfahren von jüngeren Forschern aufgegriffen und in seiner Effizienz bestätigt wird.

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