„Ein Unternehmen ist ein soziales Gebilde“

Die Gründer des Softwarespezialisten Iteratec haben sich dazu entschlossen, ihr Unternehmen schrittweise an eine Genossenschaft zu übertragen. Im Interview erklären Klaus Eberhardt und Mark Goerke, welche Idee sie mit dem Nachfolgemodell verfolgen und wie diese zur etablierten Unternehmenskultur passt.

In Ihrem Geschäftsbericht verwenden Sie für die Belegschaft häufig das Wort Kompetenzdichte. Welche Idee steckt dahinter?


Eberhardt: Wir stellen nicht nach Skills ein, sondern nach Potenzialen. Für uns ist es wichtig, dass wir zwar gut ausgebildete, aber vor allem schnell lernende Leute haben. Die Kompetenzdichte berechnen wir im Prinzip so, wie man in der Physik die Dichte eines Stoffes berechnet: das Verhältnis aus allen Kompetenzen geteilt durch die Summe der Köpfe. Für uns ist also nicht die Größe des Unternehmens entscheidend, sondern eben die Kompetenzdichte, weil wir damit gegenüber dem Wettbewerb die bessere Software bauen und ein nachhaltigeres Wachstum erreichen.

Goerke: Das ist für uns schlicht eine Notwendigkeit. Wenn wir keine höhere Kompetenz beziehungsweise Innovationskraft haben, dann stellen wir keinen Mehrwert für unsere Kunden da. Und dafür brauchen Sie die besten Leute, fachlich wie menschlich. Da haben wir nie Kompromisse gemacht. Selbst in den Zeiten des Booms, als man jeden hätte einstellen können, wollten wir nur in dem Maße wachsen, wie es unseren Ansprüchen entspricht. Darauf basiert das gesamte Unternehmensmodell.

Klaus Eberhardt (oben links) und Mark Goerke beim Interview am Iteratec-Hauptstandort in München: "Die Mitarbeiter haben erkannt, dass ihnen Iteratec zukünftig gehören wird, und das ist schon spürbar.
Klaus Eberhardt (oben links) und Mark Goerke beim Interview am Iteratec-Hauptstandort in München: „Die Mitarbeiter haben erkannt, dass ihnen Iteratec zukünftig gehören wird, und das ist schon spürbar.“

Sie sind die Gründer von Iteratec und stolz auf Ihre Unabhängigkeit. Kam Ihnen nie der Gedanke, das Unternehmen wie bei klassischen Familienunternehmen an Ihre Kinder weiterzugeben?

Eberhardt: Das spielt für mich keine Rolle. Es gibt viele Beispiele, wo das gut funktioniert. Aber wir machen ein sehr spezielles Geschäft, und jemanden zu finden, der das richtig gut kann und auch mag, ist nicht einfach. Wenn das von vornherein die Kinder sein sollen – da wäre für mich schlichtweg zu viel Zufall dabei.

Goerke: Ich glaube, wenn Sie Ihre Kinder dazu erziehen, ein selbstständiges Leben zu führen, so kann etwas wie Familiennachfolge eine Bürde sein. Ein Unternehmen kann man nicht so einfach weitergeben. Es ist ein soziales Gebilde, hinter dem Menschen stehen. Das betrifft auch den Eigentumsbegriff: Unser Rechtsverständnis hinkt hier einem gesellschaftlichen Verständnis hinterher. Man kann kein Eigentum an Menschen haben.

Der Rechtsstaat definiert nicht nur das Eigentum, sondern erhebt darauf auch Steuern, beispielsweise bei der Nachfolge. Wie stehen Sie zur Erbschaft- und Schenkungsteuer?

Eberhardt: Die Erbschaftsteuer ist sicher berechtigt, wenn die Nachfolgergeneration ein Unternehmen veräußert. Sollte das Unternehmen aber in Familienbesitz bleiben, wird der Wert nicht nutzbar.

Goerke: Wir zahlen aber auch jetzt circa 30 Prozent Kapitalertragsteuer auf die Veräußerung an die Genossenschaft. Der Staat verdient gut daran.