„Vermögen sollte beruhigen“

Die Fürstlich Castell’sche Bank entwickelt sich vom klassischen Kreditgeber hin zu einem Vermögensverwalter. Im Interview sprechen Gesellschafter Ferdinand Fürst zu Castell-Castell und der Vorstandsvorsitzende Sebastian Klein über die wechselvolle Geschichte des Bankhauses und erklären, warum sie immer das gleiche Produkt anbieten.

Haben Sie also nur relativ risikoaverse Kunden oder gibt es auch diejenigen, die ein hohes Risikobudget bevorzugen?

Klein: Es gibt auch den Anleger, der mehr als fünf Prozent Rendite erwartet und entsprechend ein hohes Risikobudget toleriert. Aber wir weisen dann auch auf das Risiko hin. Anders gesagt: Wer bei einem konservativen Ansatz nach Abzug der Kosten mehr als zwei oder drei Prozent Rendite erwartet, dem sagen wir, dass das nicht geht.

Welche Vehikel bevorzugen Sie bei Ihrer Anlage?

Klein: In der Vermögensverwaltung achten wir strikt darauf, dass jeder Titel hochliquide ist. Es gibt keine geschlossenen Beteiligungen oder Fonds in der gesamten Bank. Insofern bevorzugen wir in den Märkten ETFs, bei denen aktives Research aus unserer Sicht keinen Unterschied macht wie beim S&P 500 oder E-Stoxx 50. Wenn Sie es in einem Bild haben wollen: Wir sind ein Ein-Produkt-Unternehmen. Wir machen vielleicht das beste Vanilleeis, immer nach der gleichen Rezeptur. Ob der Kunde das im Hörnchen, in der Glasschale oder im Becher essen will, überlassen wir ihm.

Ein Effekt der Niedrigzinsphase ist der Hype um Sachwerte. Nun haben Sie selbst ein beträchtliches Kapital in Ihrem Schloss, dem Weingut et cetera gebunden und könnten diese Assets kompetent empfehlen. Tun Sie das?

Klein: Nein, weil es eben keine liquiden Assets sind und deshalb nicht zu unserer Philosophie passen. Deshalb empfehlen wir da gar nichts. Wer in Sachwerte investiert und eine hohe Rendite erwartet, übersieht, dass man dafür Unternehmer sein sollte und nicht bloß Anleger. Ein Großteil der Investoren sieht sich dabei leider nicht als Mitunternehmer.


„Wir sind ein Ein-Produkt-Unternehmen. Wir machen vielleicht das beste Vanilleeis, immer nach der gleichen Rezeptur.“

Dr. Sebastian Klein


Die Bankbranche steckt in einem Umbruch. In Deutschland müssen sich gerade die großen Institute restrukturieren, daneben treiben die Fintechs die alte Bankenwelt vor sich her. Wie blicken Sie auf die Gemengelage und stellen die Weichen für die Zukunft?

Klein: Ich habe jetzt gelernt, dass die wichtigste Qualifikation für einen modernen Manager ist, agil zu sein. Das betrifft auch die Digitalisierung. Die haben wir meiner Ansicht nach recht leichtfüßig bewältigt. Da geht es um die internen Prozesse, also dass alle Akten digitalisiert sind. Beim Kontakt mit dem Kunden ist es wichtig, dass die Informationen online verfügbar sind. Gerade die jungen Kunden schließen gar nicht aus, dass sie einen persönlichen Bankberater haben wollen. Deshalb haben wir entschieden, unseren Investmentansatz – das beste Vanilleeis – komplett online anzubieten, inklusive Kontoeröffnung et cetera. Das passt zu uns. Dagegen würde es nicht passen, jetzt in bestimmte Fintechs zu investieren.