„Vermögen sollte beruhigen“

Die Fürstlich Castell’sche Bank entwickelt sich vom klassischen Kreditgeber hin zu einem Vermögensverwalter. Im Interview sprechen Gesellschafter Ferdinand Fürst zu Castell-Castell und der Vorstandsvorsitzende Sebastian Klein über die wechselvolle Geschichte des Bankhauses und erklären, warum sie immer das gleiche Produkt anbieten.

Sie wollen verstärkt als Vermögensverwalter wahrgenommen werden. Welche Strategie steckt dahinter?

Klein: Wir nennen das bei uns duales Geschäftsmodell. Das eine Standbein ist als Nachklang der Gründungsgeschichte das mittelständische Kreditgeschäft in unserer Region. Das zweite Standbein ist die Vermögensverwaltung, die auch eine historische Linie hat. In den vergangenen Jahren haben wir den Fokus auf die Vermögensverwaltung gelegt. Das hat mit dem Niedrigzinsumfeld zu tun und mit dem teils ruinösen Wettbewerb um ein paar Kreditmandate, gerade in so einer starken Wettbewerbsregion wie hier. Dazu kommen neue Vorschriften durch die Baselabkommen, die den Return on Equity des Kreditgeschäfts verringern. Von daher versuchen wir gerade bei Neueinstellungen, das Kompetenzprofil in Richtung Vermögensverwaltung weiter zu verschieben.

Können Sie diese Gewichtsverlagerung auch beziffern?

Klein: Von unserem Gesamtertrag kommen derzeit 60 Prozent aus der Vermögensverwaltung und 40 Prozent aus dem Kreditgeschäft. Das kann sich auch mal wieder verlagern. Aber aktuell wollen wir in der Vermögensverwaltung wachsen und das Kreditgeschäft optimieren. Anders ausgedrückt: Wir wollen den Ertrag erhöhen, nicht primär den Umsatz.


„Es gibt nur ein freies Mittagessen am Kapitalmarkt, und das ist die Diversifikation.“

Dr. Sebastian Klein


Sie haben eben den Return on Equity angesprochen. Gleichzeitig definieren Sie Ihre Anlagestrategie als konservativ, zum Beispiel bevorzugen Sie Indexfonds am Aktienmarkt. Wie kommunizieren Sie Ihren vermögenden Kunden, dass die Rendite nicht im Vordergrund steht?

Klein: Unser Investmentansatz ist in der DNA der Bank verankert. Dieser Ansatz basiert auf zwei Nobelpreisträgern. Der eine ist Harry Markowitz mit seiner Portfoliotheorie. Von ihm kann man den Satz ableiten: Es gibt nur ein freies Mittagessen am Kapitalmarkt, und das ist die Diversifikation. Von daher sind wir im ersten Schritt davon beseelt, unseren Kunden diversifizierte Portfolios anzubieten. Der zweite Pfeiler beruht auf Richard Thalers Behavioral Finance (Verhaltensökonomie, Anmerkung der Redaktion), der dafür im vergangenen Jahr – aus unserer Sicht endlich – den Nobelpreis bekommen hat. Seine psychologischen Studien nutzen wir, um das – wie wir das nennen – emotionale Risikobudget unserer Kunden herauszubekommen. Dabei geht es einfach darum, wie viel Verlustpotenzial ein Kunde toleriert, unabhängig von seinem Vermögen. Aus unserer Sicht sollte Vermögen nicht belasten, sondern beruhigen.

Wie setzen Sie Ihren theoriegeladenen Ansatz in der Praxis um?

Klein: Wir bieten eigentlich keine Einzelprodukte an, sondern nur ein komplettes Konzept. Wir verteilen dann das liquide Vermögen auf die verschiedenen Anlageklassen, um zu diversifizieren und damit das Risikobudget möglichst gering zu halten. Wichtig ist dabei, dass diese Anlageklassen liquide sind. Denn im Extremfall, also bei einer Finanzkrise, müssen wir in der Lage sein, das Portfolio zu 100 Prozent in Cash, Gold oder Renten zu erhalten.