Seit etwas mehr als 30 Jahren steht Prof. Thomas Bauer inzwischen an der Spitze der Bauer AG. Im Interview spricht er darüber, wie man mehrere Projekte gleichzeitig vorfinanziert und warum das Deutschlandgeschäft trotz guter Auftragslage schwierig ist.

Bohr- und Rammgerät von Bauer am Dogerner Aubecken: Die Firma ist Spezialist im Tiefbau.
Bohr- und Rammgerät von Bauer am Dogerner Aubecken: Die Firma ist Spezialist im Tiefbau.

Ihre Bilanz weist zum Ende des dritten Quartals eine deutliche Verschiebung von kurz- zu langfristigen Finanzkrediten aus. Welche Erklärung gibt es dafür?

Bauer: Solche Veränderungen sind bei unseren Finanzierungsinstrumenten vollkommen normal. Bereits im nächsten oder übernächsten Quartal kann sich das Verhältnis wieder verschieben. Schaut man sich beispielsweise einen dreijährigen Schuldschein an, so fällt dieser im letzten Jahr automatisch unter die kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten. So sind die Regeln, wobei ich nicht sicher bin, ob eine solche Bilanzierungspraxis wirklich sinnvoll ist.

Nachdem sich Ihre Aktie 2017 sehr positiv entwickelt hat, tauchten am Markt Spekulationen um eine geplante Kapitalerhöhung auf. Ist diese Option nach der jüngsten Korrektur erst einmal vom Tisch?

Bauer: Die Kapitalerhöhung war lediglich ein Gerücht. Wir selber haben nie über einen solchen Schritt wirklich nachgedacht. Eine Kapitalerhöhung wäre für uns theoretisch nur auf einem deutlich höheren Kursniveau sinnvoll. Wir glauben jedenfalls fest daran, dass wir besser sind, als die Börse uns derzeit bewertet. Unsere Aktie leidet letztlich immer noch unter den Nachwirkungen der schwierigen Branchensituation der vergangenen Jahre. Hinzu kommt, dass wir für unser operatives Geschäft keine Kapitalerhöhung benötigen.

Wie bewerten Sie als mittelständisches Unternehmen den Nutzen der Börsennotiz und den direkten Zugang zum Kapitalmarkt?

Bauer: Aus unserer Sicht überwiegen ganz klar die Vorteile. Neben der Möglichkeit, neues Kapital aufzunehmen, spielt für ein Familienunternehmen auch die deutlich bessere Handelbarkeit der Anteile eine wichtige Rolle. Es kommt immer wieder mal vor, dass Aktien übertragen werden sollen oder nach dem Tod in den Besitz eines anderen Familienmitglieds übergehen. Ebenfalls positiv bewerte ich die disziplinierende Wirkung einer Börsennotiz. Als gelistetes Unternehmen muss man sich klaren Regeln unterwerfen. Nimmt man alles zusammen, dann ist die Börse für uns keine Last. Das gilt umso mehr, wenn man die jährlichen Aufwendungen zu dem beschriebenen Nutzen ins Verhältnis setzt.