Geschäftsführender Gesellschaft Prof. Thomas Bauer: Er steht seit 1994 an der Spitze des Konzerns.
Geschäftsführender Gesellschaft Prof. Thomas Bauer: Er steht seit 1994 an der Spitze des Konzerns.

Seit etwas mehr als 30 Jahren steht Prof. Thomas Bauer inzwischen an der Spitze der Bauer AG. Im Interview spricht er darüber, wie man mehrere Projekte gleichzeitig vorfinanziert und warum das Deutschlandgeschäft trotz guter Auftragslage schwierig ist.

Unternehmeredition: Herr Prof. Bauer, das Baugeschäft im Spezialtiefbau ist gekennzeichnet durch viele Großprojekte und einen hohen Working Capital-Bedarf. Wie bewältigen Sie diese Ansprüche?


Bauer: Es trifft zu, dass unser Geschäftsmodell sehr vorfinanzierungslastig ist, wobei der Grund dafür nicht bestimmte Großprojekte sind. Betreibt man vor allem langlaufende Bauprojekte, dann lassen sich für diese häufig gewisse Anzahlungen vereinbaren. So kann sich eine Firma aus laufenden Bauvorhaben refinanzieren. Bei uns ist es genau andersherum. Unsere Projekte bewegen sich grob zwischen 500.000 Euro und 50 Mio. Euro und die Bauzeit ist dabei um einiges kürzer, weshalb wir fast nie Anzahlungen erhalten. Vielmehr geht die Rechnung für unsere Leistung manchmal erst raus, wenn das Bauprojekt bereits fertiggestellt ist. In Summe finanzieren wir etwa drei Monate des Umsatzes im Baubereich vor.

Auf welche Finanzierungsinstrumente setzen Sie dabei?

Großbaustelle mit Maschinen von Bauer: Das Unternehmen bietet sowohl Maschinen als auch Dienstleistungen an.
Großbaustelle mit Maschinen von Bauer: Das Unternehmen bietet sowohl Maschinen als auch Dienstleistungen an.

Bauer: Hier bauen wir auf einen Mix aus verschiedenen Instrumenten, wobei wir nicht einzelne Bauprojekte, sondern unseren Working Capital-Bedarf als Ganzes im Blick haben. Alles andere wäre auch viel zu aufwändig und kostenintensiv. Ein wichtiger Baustein ist unser Konsortialkredit. Darüber hinaus begeben wir regelmäßig Schuldscheine und setzen natürlich auch auf Einzelkredite. Diese breite Streuung ist vor allem aufgrund der unterschiedlichen Fälligkeiten der einzelnen Kredite sinnvoll. Würde man dagegen die gesamte Finanzierung bündeln, müssten wir diese auch auf einen Schlag refinanzieren. Bei einer Finanzkrise kämen wir somit in große Schwierigkeiten.

Viele Unternehmen haben die Niedrigzinsphase der vergangenen Jahre genutzt, um ihre Refinanzierungskosten zu senken. Inwieweit hat die Bauer AG von diesem günstigen Umfeld profitiert?

Bauer: Natürlich machen sich die derzeit niedrigen Zinsen bei den einzelnen Finanzierungsinstrumenten deutlich bemerkbar. Wir nutzen aber ganz bewusst auch Zinssicherungen, um uns ein bestimmtes Zinsniveau langfristig garantieren zu lassen. Die dadurch erzielte Planungssicherheit wiegt aus unserer Sicht die etwas höheren Refinanzierungskosten am Ende mehr als auf.