„Wir bevorzugen entwickelte Märkte“

Taschen und Accessoires: Im vergangenen Geschäftsjahr eröffnete Bree neue Sho
Taschen und Accessoires: Im vergangenen Geschäftsjahr eröffnete Bree neue Shops.

Das Taschenlabel Bree gilt als Musterbeispiel des globalen Mittelständlers. Nach einer Krise hat eine Investorengruppe um Ex-Karstadt-Chef Peter Wolf den Großteil der Gesellschafteranteile gekauft. Seitdem modernisiert sich Bree und kurbelt das Auslandsgeschäft weiter an. Im Gespräch verrät Geschäftsführer Axel Bree, wie er die globale Strategie verfolgen wird.

Unternehmeredition: Herr Bree, Ihr Unternehmen denkt global. Die Produktion haben Sie komplett ausgelagert und an internationale Zulieferer vergeben. Warum?

Axel Bree: Von Anfang an war das unser Geschäftskonzept. Wir stehen für die Marke, weil wir die Kollektionen hier am Stammsitz in Isernhagen entwerfen. Für die Umsetzung brauchen wir dann Spezialisten in Europa und Asien, je nach Modell und Material. Die gesamte Lederwarenbranche hat bereits in den 70er- und 80er-Jahren ihre inländische Produktion ausgelagert. Deswegen findet man heute kaum Handwerker in Deutschland, die mit den Materialien arbeiten können, wie Mustermacher, geschweige denn ganze Nähwerkstätten. Die großen Produktionsstraßen liegen woanders auf der Welt.

Gerade die Nähwerkstätten in Asien haben ein zweifelhaftes Image. Wie wählen Sie die richtigen Betriebe aus?

Es gibt nicht den Standort Asien. Wir bevorzugen entwickelte Märkte wie China, Vietnam oder Indien mit Qualitätsherstellern, die schon lange am Markt aktiv sind. Oberstes Credo ist Topqualität. Deswegen lassen wir nicht in Bangladesch oder Pakistan produzieren und gehen nicht in irgendeine Lotterbude. Ich war erst zuletzt in einem neuen Werk in Vietnam, das ein südchinesischer Partner dahin ausgelagert hat. Ein topmoderner Betrieb, blitzeblank. Die Preise sind entsprechend hoch für asiatische Verhältnisse.

 Beim Vertrieb ist Bree mit rund 500 Verkaufsstellen sehr international aufgestellt. Wofür steht Ihre Marke?

Für alltagstaugliche Taschen, auf die man sich verlassen kann und die den heutigen Zeitgeist widerspiegeln. Gerade ist etwa die Öffnung Kubas ein großes Thema in der Modebranche mit frischen, kräftigen Farben, dementsprechend ist unsere Kollektion inspiriert. Unsere Produkte sind Premium, aber nicht Luxus. Im Englischen nennt man das Affordable Luxury. Unsere Modelle kosten zwischen 50 und 600 Euro mit Schwerpunkt 250 Euro und haben den Anspruch, in ihrem Segment Qualitätsführer zu sein. Wenn wir unsere Taschen zum Reparateur in die Schweiz bringen, sagt der uns: „Ihr braucht euch vor den Luxusmarken überhaupt nicht zu verstecken. Ihr nehmt ein Zehntel vom Preis, habt aber zum Teil deutlich bessere Qualität.“

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