Alexander Brochier gründete vor über zwanzig Jahren das Haus des Stiftens in München. Er gilt als Berater und Botschafter für Unternehmer, die mit ihrem Vermögen einen guten Zweck fördern wollen. Im Interview spricht er über sein schlechtes Gewissen und warum eine Stiftung auch die eigene Eitelkeit bedient.

Sie garantieren, dass Sie allein für die Verwaltungskosten der Stiftung aufkommen. Aus Ihrem Privatvermögen?

Ja. Auch das Haus des Stiftens bekommt von mir Geld, das ist alles nicht kostendeckend und lebt auch von Spenden. Normalerweise verlangen wir von unseren Stiftungen drei Prozent der Spenden als Verwaltungskosten. Das konnten die Stiftungen gerade noch tragen, aber bei der jetzigen Zinssituation wird das schwierig.

Sie haben wegen drohender Negativzinsen sogar Ihrer Bank gekündigt.

Ja, aber es gibt ja noch andere Banken. Wir haben jetzt über das Haus des Stiftens drei Fonds aufgelegt, die zwischen 1,8 und 2,8 Prozent im Jahr erwirtschaften. Und es gibt noch andere Methoden, bei großen Stiftungen etwa, die in Immobilien oder Aktien mit großen Dividendenausschüttungen investiert sind. Ich habe inzwischen fast das ganze Geld in Immobilien angelegt und deswegen kein Problem mehr mit irgendwelchen Zinssätzen.

Gleichzeitig haben Sie weggebrochene Zinseinnahmen mit Zuschüssen aus dem Unternehmen ausgeglichen.

In der glücklichen Lage bin ich und sind viele Unternehmensstiftungen. Ich bekomme aus meiner Stiftung nicht das, was ich bräuchte für meine Verpflichtungen. Deswegen habe ich geregelt, dass ich, solange ich Gesellschafter bin, einen Betrag X vom Unternehmen als Spende bekomme.

Gab es da Widerstand in der Geschäftsführung?

Überhaupt nicht, im Gegenteil. Mit dem Unternehmen unterstützen wir ja auch noch andere Projekte außerhalb der Stiftung.

Hauptsitz der Brochier Gruppe in Nürnberg: Das Unternehmen bietet Heizungs- und Energietechnik sowie dazugehörige Diensteleistungen an.
Hauptsitz der Brochier Gruppe in Nürnberg: Das Unternehmen bietet Heizungs- und Energietechnik sowie dazugehörige Diensteleistungen an.

Sie sind seit 2016 nach 40 Jahren nicht mehr im operativen Geschäft. War das eine große Umstellung?

Nein. Ich habe mir früh die Kandidaten für meine Nachfolge ausgesucht und sie ein paar Jahre begleitet, weil ich mit 65 aufhören wollte. Jetzt ist der Sohn meiner Cousine in fünfter Generation Geschäftsführer, dazu ein Fremd-Geschäftsführer, den ich auch schon sehr lange kenne – von daher ist das Unternehmen in besten Händen. Im Nachhinein muss ich sagen, hätte ich das viel früher tun sollen, so schön ist das Loslassen.

Inwiefern?

Die Last ist weg, der permanente Druck, dem man da ausgesetzt ist. Vor allem genieße ich die Zeit, die ich jetzt für die Stiftung und anderes nutze. Und für Urlaub, ich war früher nie länger weg als 14 Tage, und das war schon viel.

Sie sind Hauptgesellschafter – wie stark sind Sie noch ins Unternehmen eingebunden?

Im Rahmen der zustimmungspflichtigen Geschäfte der Geschäftsführer und bei den Themen Strategie, Unternehmenskäufe, Akquisition und Finanzen.

Sie wollten ursprünglich Schauspiel studieren, in die Entwicklungshilfe gehen. Warum sind Sie doch Unternehmer geworden?

(lacht) Ich war als Student in Heidelberg in der linken Szene, da waren das die Grundgedanken. Aber das hat sich schnell zerschlagen, nachdem mir mein Vater klargemacht hat, was es heißt, ein Familienunternehmen in der vierten Generation zu führen: was es an Verantwortung mit sich bringt, an finanziellen Folgen, an Konsequenzen für mich.