Papierkünstler vom Tegernsee

Die Gmunder Büttenpapierfabrik produziert ihre Ware auf einer Maschine aus dem vorletzten Jahrhundert. Dennoch gehört das Traditionsunternehmen zu den innovativsten und erfolgreichsten Produzenten der Branche. Oscarpreisträger halten die Umschläge in der Hand und auch der König von Jordanien ist Kunde.

Von wegen verstaubt

Über zu wenige Zusagen für ihre Hochzeit musste sich Yahoo-Vorstandschefin Marissa Mayer sicherlich keine Gedanken machen. Dennoch kam auch die Internet-Managerin aus dem Silicon Valley nach Gmund, um sich persönlich die Einladungskarten auszusuchen. Kohler war dann auch zur Feier eingeladen – und ließ sich diese nicht entgehen. Sein prestigeträchtigstes Geschäft ist das mit den goldenen Umschlägen für die Oscarverleihung. Bereits im fünften Jahr wurden diese am Tegernsee produziert. Eigentlich sollte er sie verschenken, schließlich werden auch Autolimousinen dort kostenlos zur Verfügung gestellt. Doch beharrte der Firmenchef darauf, sie zu verkaufen. Nicht umsonst hätte der verantwortliche Designer keine schöneren Goldumschläge weltweit gefunden. Kohler setzte sich durch.

Geschulter Blick: Jedes Papier wird sorgfältig kontrolliert, bevor es das Haus verlässt.
Geschulter Blick: Jedes Papier wird sorgfältig kontrolliert, bevor es das Haus verlässt.

„Der Vorteil der analogen Kommunikation liegt darin, dass man einen Gang herunterschaltet und zulässt, dass Informationen an einen herantreten“, sagt Kohler. Doch ist er sich auch im Klaren darüber, dass die digitale Welt eine Bedrohung darstellt „Wir leben in einer Revolution, es ist kompletter Sturm an Bord.“ Von zu viel Romantik im Tegernseer Tal hält er wenig. Trotz des stattlichen Alters des Unternehmens sieht sich Kohler eher als Start-up-Unternehmer denn als verstaubten Papierproduzenten. Erst kürzlich ließ er sich das sogenannte Blockerpapier patentieren. Eines, das Fotos realistischer darstellt als herkömmliches Papier. Der Kunde soll die gedruckten Bilder real wahrnehmen können. Sie sollen nicht spiegeln und sich auch nicht wie auf einem Tablet-Display einfach wegwischen lassen.

Fortschrittlicher geworden ist auch die Produktion: Längst laufen die Papierbahnen nicht mehr nur auf der alten Maschine. In den 80er-Jahren legten sich die Spezialisten eine neue Papierherstellungsanlage zu. Noch heute gehört sie zu den modernsten weltweit. Alleine in den letzten drei Jahren investierte Gmund einen siebenstelligen Betrag in zwei Papierschneidemaschinen. „Wie bei Häusern ist es eigentlich egal, wie alt die Maschine ist, da die Grundbausteine dieselben sind“, sagt Kohler.

 

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