Dagmar Fritz-Kramer hat 2004 als Familiennachfolge die Leitung des Fertighaus-Anbieters Baufritz übernommen. Im Interview resümiert sie den schrittweisen Übergang von einer auf die nächste Generation, spricht über ökologische Alternativen zu Industrieklebern und zeigt sich überzeugt, dass Deutschland beim Bauen anderen Ländern einen Schritt voraus ist.

Wie haben Sie während der Krisenjahre gegengesteuert?

Entscheidend war, dass wir die Assoziation von „Öko“ verändert haben: weg von Rückschritt und Verzicht, hin zu Gesundheitsgenuss. Da spielt gerade auch das Design eine große Rolle. Zum Beispiel haben wir uns auf die tolle Haptik von Holz fokussiert. Außerdem ist uns wichtig, auch bei wohnlichen Details mit Komfort zu punkten. Nehmen Sie als Beispiel einen Apfel: der aus ökologischer Landwirtschaft wird immer teurer sein. Also muss man den Kunden den Nutzen vermitteln, den sie durch den höheren Preis dazugewinnen.

Der Branchenanteil hat sich in den vergangenen Jahren bei um die 15 Prozent eingependelt. Glauben Sie denn an ein Wachstum oder geht es darum, sich innerhalb des Marktvolumens gegen Konkurrenten durchzusetzen?

Ich glaube, dass noch Luft nach oben ist, weil Holz als nachwachsender Rohstoff viel Potenzial hat, sowohl bei der Gewinnung als auch der Nutzung und dem Recycling. Ich denke, dass die Bauwirtschaft einen großen Wandel vor sich hat und wir als Fertigbau-/Holzbaubranche den konventionellen Anbietern einen großen Schritt voraus sind. Für die mittel- bis langfristige Zukunft mache ich mir deshalb keine Sorgen.

In welchen Geschäftsbereichen sehen Sie für Baufritz die größten Wachstumsmöglichkeiten?

Das größte Potenzial liegt derzeit im verdichteten Bau in urbanisierten Regionen. Gerade bei der Nachverdichtung, zum Beispiel durch Aufstockungen, sind wir als Fertigbauer wettbewerbsfähig, weil wir schnelle und leichte Lösungen anbieten. Ansonsten setzen wir auf Auslandsmärkte, wie Schottland, Irland, die Schweiz oder die Beneluxländer. Gerade im energetischen Bauen haben wir gegenüber anderen Ländern deutlich mehr Know-how, teilweise sind wir da Lichtjahre voraus. Deshalb sehe ich hier großes Exportpotenzial. Wir bauen beispielsweise gerade in England für Andrew Lloyd Webber (bekannter britischer Musical-Komponist, Anmerkung der Redaktion) ein Haus.


Frau Fritz-KramerZur Person

Dagmar Fritz-Kramer führt in vierter Generation den Familienbetrieb Baufritz, den sie von ihrem Vater Hubert Fritz übernommen hat. Die Nachfolge erfolgte stufenweise. Nach ihrem Studium der Innenarchitektur erhielt Fritz-Kramer im Jahr 1999 die ersten Anteile von ihrer Mutter und arbeitete fortan mit im Betrieb. Im Jahr 2004 übernahm sie die operative Leitung der Firma zusammen mit einem Co-Geschäftsführer. Baufritz beschäftigt derzeit am Standort Erkheim im Allgäu 300 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei rund 78 Mio. Euro.

www.baufritz.com