Dagmar Fritz-Kramer hat 2004 als Familiennachfolge die Leitung des Fertighaus-Anbieters Baufritz übernommen. Im Interview resümiert sie den schrittweisen Übergang von einer auf die nächste Generation, spricht über ökologische Alternativen zu Industrieklebern und zeigt sich überzeugt, dass Deutschland beim Bauen anderen Ländern einen Schritt voraus ist.

Wenn man bei Ihnen auf die Website schaut, fällt auf, dass Ihnen ein eigenes Profil wichtig ist. Wie würden Sie Ihr Unternehmen beschreiben?

Wir sind kein klassischer Fertigbauer mit einem Hauskatalog „Hannelore“, in dem man irgendwelche Modellhäuser aussuchen kann. Wir produzieren die einzelnen Bestandteile in unserem Werk vor, richten uns aber dabei nach den persönlichen Wünschen der Bauherren. Im Prinzip sind wir eine industrielle Groß-Zimmerei. Daneben bieten wir das gesamte Dienstleistungsspektrum an, von der Grundstücksanalyse bis hin zu Wartungsarbeiten.

Die Fertighaus-Branche schreibt sich auf die Fahnen, nachhaltiger zu wirtschaften als die klassische Immobilienwirtschaft. Ihnen scheint das aber zu wenig zu sein…

Wir sind die Hardcore-Ökos im Bauen. Wir haben Ende der 70er-Jahre angefangen, die gesamte Firma sowie unsere Produkt komplett ökologisch auszurichten. Seitdem haben wir stetig an Verbesserungen gearbeitet und konventionelle Materialien durch nachhaltige ersetzt. Viele klassische Stoffe im Hausbau wie Kleber oder PU-Bauschäume gibt es bei uns nicht. Dafür hat jedes unserer Häuser eine integrierte Elektrosmog-Schutzebene. Gerade zur Anfangszeit gab es auf dem breiten Markt keine ökologischen Alternativen. Deswegen haben wir im Laufe der Jahre einige Patente entwickelt. Heute sind es ca. 40 bis 50 Stück. Beispielhaft dafür steht unsere Bio-Späne-Dämmung, die mit Soda und Molke imprägniert ist. Die klassischen Dämmstoffe hatten für uns einen zu großen ökologischen Fußabdruck.

Schauer
Fertighäuser von Baufritz: Viele von ihnen sind aus Holz.

Die Innovationen entstehen bei Ihnen im „Holzkopf“, einem Holzhaus für die F&E-Abteilung. Wie viel Umsatz investieren Sie in die Forschung?

Wir haben eigene Ingenieure, die unser Produkt weiterentwickeln. Schätzungsweise investieren wir fünf bis zehn Prozent unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Viele neue Ideen entstehen aber auch aus der täglichen Arbeit. Beispielsweise wird bei uns vor jeder Hausübergabe standardmäßig eine Luftschadstoffmessung durchgeführt. Wenn wir da eine Emission feststellen, schauen wir, auf was sie zurückzuführen ist und überlegen uns eine Lösung. Daneben arbeiten wir eng mit Hochschulen und Universitäten zusammen.

Heute, wo selbstverständlich über Nachhaltigkeit und Klimaschutz gesprochen wird, scheint Ihr Geschäftsmodell mehr als plausibel zu sein. Vor dreißig Jahren war dem noch nicht so. Wie haben Sie Kunden von Ihren Innovationen und den damit höheren Kundenpreisen überzeugen können?

In den frühen 80er-Jahren gab es schon eine erste Öko-Welle mit Pionieren wie Rapunzel oder Weleda. Wir hatten damals eine kleine, feine Kundschaft, die mit viel Eigenantrieb die Häuser ausgebaut hat. Aber als diese Welle abebbte, gab es auch sehr schwierige Zeiten für unsere Firma. Bis heute ist das Thema ja nicht komplett in der Breite angekommen. Uns ist klar, dass wir uns in einem Nischenmarkt befinden.

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