„Über den Kapitalmarkt bekommt man eine unmittelbare Rückmeldung“ (Ausgabe 2/2010)

Interview mit Stefan Greiffenberger, Vorstand, Greiffenberger AG

Das Marktredwitzer Familienunternehmen Greiffenberger AG wagte schon vor fast 25 Jahren den Schritt an die Börse. Die Gruppe deckt mit Antriebstechnik, Metallbandsägeblättern & Präzisionsbandstahl sowie Kanalsanierungstechnologie drei völlig unterschiedliche Geschäftsbereiche ab.

Das Marktredwitzer Familienunternehmen Greiffenberger AG wagte schon vor fast 25 Jahren den Schritt an die Börse. Die Gruppe deckt mit Antriebstechnik, Metallbandsägeblättern & Präzisionsbandstahl sowie Kanalsanierungstechnologie drei völlig unterschiedliche Geschäftsbereiche ab. Im Interview spricht der Vorstand in 2. Familiengeneration, Stefan Greiffenberger, über die Börsennotiz und die Finanzierungsstrategie des Unternehmens sowie die aktuelle Entwicklung.

Unternehmeredition: Herr Greiffenberger, schon seit 1986 ist die Greiffenberger-Gruppe erfolgreich börsennotiert. Zahlreiche Familienunternehmer schrecken vor einem solchen Schritt zurück. Wie war es bei Ihnen?
Greiffenberger: Eine Börsennotiz hat zwei Vorteile: erstens, wie bei uns 1986 geschehen, die Kapitalbeschaffung, und zweitens die zahlenmäßige Öffnung. Alle Zahlen müssen pünktlich und sehr genau geliefert werden. Über den Kapitalmarkt bekommt man eine unmittelbare Rückmeldung, wie das Unternehmen von außen betrachtet wird. Man muss deswegen auch nicht gleich den Fehler machen, sich quartalsgetrieben zu verhalten, sondern kann weiterhin nachhaltige Entscheidungen treffen. In unserem Fall zumindest brauchen wir uns auch keine Sorgen machen, dass andere Großaktionäre zu großen Einfluss ausüben, denn meine Familie hält über 61% der Anteile.

Unternehmeredition: Welche Faktoren müssen gegeben sein, um eine Börsennotiz zu einem sinnvollen Finanzierungsinstrument für mittelständische Unternehmen zu machen?
Greiffenberger: Ich denke, die Börsennotiz ist für Unternehmen geeignet, die ein starkes Wachstum vor sich sehen, und solche, die, wie bei uns 1986, nach einer erfolgreichen Sanierung Investitionskapital benötigen.

Unternehmeredition: Wie entwickelten sich Umsatz und Gewinn der Greiffenberger AG 2009, und was waren die Gründe hierfür?
Greiffenberger: Wir haben im Gesamtjahr 2009 einen Umsatzrückgang von insgesamt 28% erlebt, weil wir von der Wirtschaftskrise als exportorientierter Zulieferer der Investitionsgüterbranche besonders betroffen sind. Im Vergleich zur gesamten Branche haben wir uns damit aber noch ganz gut geschlagen. Den Tiefpunkt hatten wir bereits im 1. Quartal 2009. Danach ist es stetig besser geworden, im zweiten Halbjahr lag der Umsatz schon 20% über dem im ersten. Im Ergebnis haben wir nach Steuern 7,5 Mio. EUR Verlust gemacht, 2008 hatten wir noch einen Jahresüberschuss von 5 Mio. EUR. Allerdings haben wir in diesem Jahr auch viel für unsere Zukunft auf den Weg gebracht: Wir investierten in neue Produkte und Innovationen und erweiterten unsere Finanzierung. So konnten wir die Nettoverschuldung verringern, und unser betrieblicher Cashflow liegt sogar über dem von 2008. Das alles erreichten wir durch einen strukturellen Abbau unserer Vorräte und Bestände, einen massiven Einsatz von Kurzarbeit und Einsparungen. Für 2009 haben wir bewusst eine sehr konservative Bilanzierung gewählt.

Unternehmeredition: Welche Ihrer drei Geschäftsbereiche wurden besonders hart von der Krise getroffen, und welche schlugen sich am besten?
Greiffenberger: Am besten geschlagen hat sich die Kanalsanierungstechnologie mit 14% Wachstum, weil erstens in diesem Markt der Einbruch nicht so groß war und wir zweitens ein modernes Produkt haben, das in Bezug auf das Kosten-Leistungs-Verhältnis sehr attraktiv ist. Es gelingt uns weiterhin zu wachsen und zusätzliche Marktanteile einzunehmen. Umgekehrt hat uns in den beiden anderen Bereichen ein jeweils rund 30%iger Umsatzrückgang hart getroffen. Der heutige Stand ist hier, dass wir bei Metallbandsägeblättern & Präzisionsbandstahl in der Fertigung keine Kurzarbeit mehr haben, nur in der Verwaltung. Und bei der Antriebstechnik haben wir etwa noch 12% Kurzarbeit. In diesem Jahr hat das Geschäft aber deutlich angezogen, der März ist in der Gruppe ein erstaunlich starker Monat gewesen.

Unternehmeredition: Welche Entwicklungen erwarten Sie bis Ende 2010 für Ihre Unternehmen?
Greiffenberger: Wir gehen zwar von einem deutlich zweistelligen Wachstum aus, aber genauere Prognosen sind derzeit noch schwierig. Was wir uns außerdem vorgenommen haben und auch schaffen werden, ist unser negatives EBIT von 6 Mio. EUR im Jahr 2009 wieder in die positiven Zahlen zu bekommen. Aber wo wir genau landen, kann man jetzt noch nicht sagen. Es kann durchaus nochmals durch weltwirtschaftliche Ereignisse zu Rückschlägen kommen.

Unternehmeredition: 2008 führten Sie eine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln und ein Aktiensplitting durch. Was waren damals die Hintergründe, und planen Sie in diesen schwierigen Zeiten eine weitere Kapitalerhöhung?
Greiffenberger: Das war in dem Sinne keine Kapitalerhöhung mit Mitteln von außen, es wurde nur aus Rücklagen ein runder Betrag geschaffen, um das Aktiensplitting durchführen zu können. Das Splitting sollte die Handelbarkeit der Aktie verbessern. Wir haben damals also kein Kapital eingesammelt und für die nächste Zeit auch diesbezüglich noch nichts Konkretes vor. Eine Kapitalerhöhung würde sich bei uns sowieso nur einzelfallbezogen anbieten, um etwa bei einer Akquisition eine Eigenkapitalstärkung durchzuführen.

Unternehmeredition: Welche Finanzierungsstrategie fahren Sie abgesehen von der Börsennotiz? Welche Finanzierungsinstrumente nutzen Sie und warum?
Greiffenberger: Momentan nutzen wir einen mit KfW-Mitteln unterlegten Konsortialkredit, der eine Darlehenskomponente und eine Linie für Kurzfristkredite beinhaltet. Außerdem haben wir 2007 einen Genussschein über 10 Mio. EUR aufgenommen, der Ende 2014 fällig wird und eine Festverzinsung in Höhe von 7,59% hat. Das ist Teil unserer langfristigen Finanzierungsstrategie. Diese beiden Bausteine machen den Großteil unserer Finanzierung aus. Im kleineren Maße nutzen wir auch Leasing und Factoring, wenn die Konditionen attraktiv sind. Wichtig ist bei der Finanzierung die richtige Balance zwischen Kosten, Nutzen und Laufzeit. So ist der Zinssatz beim Genussschein zwar vergleichsweise hoch, aber als eigenkapitalähnliches Instrument müssen dafür keine Sicherheiten gestellt werden. Gerade im heutigen Umfeld ist das ein sehr sinnvolles Instrument. Über kurzfristige Kapitalbeschaffungsmaßnahmen werden wir uns hingegen nicht zu stark finanzieren.

Unternehmeredition: Sie erleben also keine Kreditklemme?
Greiffenberger: Keineswegs, wir hatten zum 31.12.2009 sogar noch über 20 Mio. EUR an freien Mitteln zur Verfügung. In dem Umfang haben wir das gar nicht erwartet. Es zeigt, wie gut wir unsere Hausaufgaben bezüglich der Kapitalbindung gemacht haben. Wir haben nun einen sehr angenehmen Kapitalpuffer für den Aufschwung.

Unternehmeredition: Herr Greiffenberger, herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Esther Mischkowski.
mischkowski@unternehmeredition.de

Zum Interviewpartner: Stefan Greiffenberger
Stefan Greiffenberger ist seit 2003 Alleinvorstand der Greiffenberger AG. Die Unternehmensgruppe wurde ab 1981 von seinem Vater Heinz Greiffenberger erfolgreich aufgebaut und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2009 einen Umsatz von 107,2 Mio. EUR. www.greiffenberger.de

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