Thomas Kemmerich, Vorstand, Bundesvereinigung Liberaler Mittelstand e.V.: Im „Würgegriff“ der Banken (Ausgabe 2/2009)

Steigende Anforderungen bei der Kreditvergabe

Bei Sonnenschein verleihen Banken Regenschirme, die sie dann bei einsetzendem Regen wieder einsammeln. Im Zuge der Finanzmarktkrise, die sich nunmehr zu einer weltwirtschaftlichen Rezession ausgeweitet hat, warten auch Kreditinstitute nicht mehr auf sonnige Prognosen, sondern blicken argwöhnisch zum Himmel

Bei Sonnenschein verleihen Banken Regenschirme, die sie dann bei einsetzendem Regen wieder einsammeln. Im Zuge der Finanzmarktkrise, die sich nunmehr zu einer weltwirtschaftlichen Rezession ausgeweitet hat, warten auch Kreditinstitute nicht mehr auf sonnige Prognosen, sondern blicken argwöhnisch zum Himmel. Ist es nicht doch besser, Regenschirme auf Vorrat zu besitzen?

Ungebrochene Bereitschaft zu Investitionen
An die Variabilität von meteorologischen Voraussagen hat man sich gewöhnt. An dem Abschwung kollabieren jedoch Investitionsvorhaben, insbesondere im Mittelstand. Der klagte bereits in der „Unternehmensbefragung 2008“ der KfW-Bankengruppe vermehrt über eine Verschlechterung der Kreditfinanzierung oder deren gänzliche Ablehnung. Demgegenüber ist die Bereitschaft, in das eigene Unternehmen zu investieren, ungebrochen. Jedoch, ohne die Finanzierung durch Banken wird diese Chance vertan. Ein Abschwung stellt nicht sofort das System in Frage, sondern gehört genauso zum Wirtschaftsleben wie Investitionen und Risikobereitschaft. Auch für Banken gelten diese Regeln. Auf politischer Ebene wäre es daher sinnvoll, ihnen in dieser Phase soweit entgegen zu kommen, dass sie weniger Eigenkapital zur Absicherung von Krediten vorrätig haben müssten. Dieser Schritt stellt ein Instrumentarium dar, die Kreditklemme im Mittelstand abzumildern.

Hürden auf dem Weg zum Kapital

Mittlerweile befinden sich alle Branchen im sprichwörtlichen „Würgegriff“ der Kreditinstitute: Die Anforderungen der Kreditvergabe verlangen ein erhöhtes Eigenkapital, inkludieren verschärfte Sicherheitsauflagen und steigern die Offenlegung von Informationen. Alarmierend: Insbesondere Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 1 Mio. Euro werden von Banken vier Mal sooft abgelehnt wie Großunternehmen. Sie scheitern an genau diesen Hürden. Erschwerend kommt hinzu: Die grundsätzliche Betrachtungsweise nach Sinn und Potenzial eines Projektes steht nicht mehr vorrangig im Raum. Warum aber müssen Erfolg versprechende Vorhaben mit Forderungen nach einem Mehr an Eigenbeteiligung und Sicherheit gefährdet werden? Seit Bürgschaften von Seiten des deutschen Staates sowie durch Landes- und Förderbanken verteilt werden wie Stockschirme an der Kaufhauskasse, wird es für viele mittelständische Firmen schwer, an Darlehen zu kommen. Sie sind nicht groß genug, als dass ihr Scheitern eine Kettenreaktion auslösen würde. Allein für den Vorgang des Prüfens, ob ein Unternehmen die Möglichkeit der Inanspruchnahme einer Bürgschaft hat, vergehen Zeit und fallen Kosten für die Verwaltung und Bearbeitung entsprechender Anträge an. Im Mittelstand warten Investoren mitunter wochenlang auf einen Bescheid ihrer Hausbank, der im schlimmsten Fall auch negativ ausfallen kann.

Fazit:
Unabhängig von Wahlkampf und Koalitionsgerangel muss das Vertrauen der Banken in den deutschen Mittelstand wieder aufgebaut werden. Maßnahmen, die diese Ziele unterstützen, müssen erstens praktikable Bürgschaftsrahmen einräumen und zweitens antizyklisches Handeln ermöglichen. Ein zu starres Regelwerk, wie es verständlicher Weise gerade jetzt eingefordert wird, darf eine Vertrauensbasis nicht ersetzen oder einschränken.

Autorenprofil

Thomas Kemmerich (t.kemmerich@liberaler-mittelstand.de) ist stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung Liberaler Mittelstand e.V. (BLM) und wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP Thüringen. Zudem ist er Vorstandsvorsitzender der Friseur Masson AG mit 47 Filialen in 22 Städten. www.liberaler-mittelstand.de
www.friseur-masson.de

Vorheriger Artikel„Auch im Jahr 2009 wollen wir zusätzlich zum KfW-Sonderprogramm das hohe Niveau unserer Förderprogramme halten“ (Ausgabe 2/2009)
Nächster Artikel„Spare in guten Zeiten, dann hast du in der Not“