„Ich habe die Firma nicht geschenkt bekommen, sondern musste mir alles selbst erarbeiten“ (Ausgabe 1/2010)

Interview mit Michael Käfer, Hauptgesellschafter, Käfer GmbH & Co. KG

Feinkost Käfer hat sich binnen drei Generationen vom kleinen Münchner Familienbetrieb zum international tätigen Unternehmen entwickelt. Den Grundstein dazu legten Elsa und Paul Käfer im Jahr 1930 mit der Eröffnung eines Kolonialwarengeschäftes.
Feinkost Käfer hat sich binnen drei Generationen vom kleinen Münchner Familienbetrieb zum international tätigen Unternehmen entwickelt. Den Grundstein dazu legten Elsa und Paul Käfer im Jahr 1930 mit der Eröffnung eines Kolonialwarengeschäftes. Heute setzt der Spezialist für lukullische Genüsse mit über 850 Mitarbeitern knapp 100 Mio. EUR um. Michael Käfer trat 1988 in die Geschäftsleitung ein und führt seit 1995 als Hauptgesellschafter und -geschäftsführer die Geschicke des Unternehmens. Im Interview spricht der Münchner Edel-Gastronom über den Generationswechsel und seine Finanzierungsstrategie.
Unternehmeredition: Herr Käfer, viele Kinder aus Familienunternehmen überlegen lange, ob sie in die Fußstapfen ihrer Eltern treten oder nicht. Wann war für Sie klar, dass Sie das Unternehmen weiterführen möchten?
Käfer
: Ich bin mit dem Unternehmen aufgewachsen und wollte von klein auf dort arbeiten. Nach dem Studium habe ich im Alter von 26 Jahren zunächst meinen ersten eigenen Betrieb in München aufgebaut – vier Gaststätten und die Diskothek P1. Meine Großmutter hat mir als Startkapital 25.000 Mark gegeben. In dieser Zeit habe ich viel gelernt und musste auch einiges an Lehrgeld zahlen. Glücklicherweise hat alles gut geklappt. Nach diesen Erfahrungen bin ich in den elterlichen Betrieb eingestiegen.
Unternehmeredition: Was schätzen Sie besonders am Familienunternehmen?
Käfer
: Hier wird das Unternehmerische tatsächlich noch gelebt. Ein Familienunternehmer ist freier in seinem Handeln und seinen Entscheidungen als ein Konzernmanager, er ist hauptsächlich sich selbst gegenüber Rechenschaft schuldig. Während ein Manager eher an die eigene Karriere denkt, steht für den Familienunternehmer tatsächlich das Wohl seiner Firma im Vordergrund.
Unternehmeredition: Was waren die wichtigsten Meilensteine in Ihrem Nachfolgeprozess, und welche Strategie steckte dahinter?
Käfer
: Unser Generationswechsel war nicht von langer Hand geplant, er hat sich im Laufe der Zeit so ergeben. Als sich mein Onkel Helmut Käfer aus dem Unternehmen zurückziehen wollte, habe ich ihm angeboten, ihm zu einem fairen Preis stückweise die Anteile abzukaufen, und er war damit einverstanden. Damals verfügte ich noch nicht über die nötigen Mittel, deswegen lief die Bezahlung teils über eine Leibrente, teils über einen Bankkredit. Der Kreditchef unserer Hausbank kannte mich von klein auf, und es bestand ein Vertrauensverhältnis – die Finanzierung wäre so heute sicher nicht mehr möglich. Auf diese Weise kam ich relativ schnell in den Besitz der Mehrheit und hatte plötzlich das Sagen in der Firma. Das war nicht leicht für meinen Vater Gerd Käfer, und er hat schließlich auch seine Anteile sukzessive an mich verkauft. Im Rückblick klingt es sehr einfach, aber für mich war es eine schwierige Zeit – am Ende ist doch alles gut gegangen. Die Situation bei Käfer war anders als in den meisten Familienunternehmen. Ich habe die Firma nicht geschenkt bekommen oder geerbt, sondern musste mir alles selbst erarbeiten – letztendlich war es eine Art Management Buy-out. Ich will nicht sagen, dass es ein Patentrezept für alle ist, aber in meinem Fall hat es gut funktioniert.
Unternehmeredition: Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Faktor im Übergabeprozess?
Käfer
: Der wichtigste Faktor ist Vertrauen, das spielt bei Familienunternehmen meiner Meinung nach eine noch wichtigere Rolle als bei Konzernen. Einem Familienunternehmer muss wirklich 100%-ig klar sein, dass er seinem potenziellen Nachfolger vertraut, und dann muss er auch radikal diesen Schritt gehen. Das sagt sich jetzt natürlich einfacher, als es tatsächlich ist. Ich bin heute selbst in einem Alter, in dem ich über die eigene Nachfolge nachdenke. Je früher man damit anfängt, desto besser. Dann ist es auch einfacher loszulassen. Dazu gehört auch zu akzeptieren, dass der Nachfolger anders handelt als man selbst.
Unternehmeredition: Welche Strategie fahren Sie bei der Finanzierung?Könnte Private Equity oder ein Börsengang grundsätzlich eine Option für Sie sein?
Käfer
: Ich setze ganz klar auf eine Finanzierung aus eigener Kraft und bin sehr dankbar, dass wir bisher gut damit gefahren sind. Man darf jedoch niemals nie sagen. Natürlich könnte es sein, dass man ein Unternehmen übernimmt und dafür externes Kapital braucht. Grundsätzlich finde ich auch einen Börsengang interessant, aber man braucht dafür eine bestimmte Größe, die wir noch nicht haben, und große Wachstumsphantasien. Gleichzeitig ist eine Notierung an der Börse aber auch mit hohen zusätzlichen Kosten für Investor Relations, Hauptversammlung etc. verbunden. Als Familienunternehmer kann ich frei sagen, was ich denke, als Vorstand einer AG wird jedes Wort auf die Waagschale gelegt. Bisher hat sich unsere Strategie der Eigenständigkeit bewährt.
Unternehmeredition: Was ist Ihr wichtigster Rat an Unternehmer?
Käfer
: Mein Rat an jeden Familienunternehmer lautet, sich neben der Firma privates Vermögen aufzubauen, um später im Ruhestand finanziell unabhängig vom Unternehmen zu sein. Kleinere Mittelständler stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn sie drei Generationen versorgen müssen. Letztendlich sollte der Senior nicht auf Zahlungen aus der Firma angewiesen sein, sondern seinen Lebensunterhalt im Alter eigenständig bestreiten können. Dann kann er mit dem Nachfolgeprozess auch lockerer umgehen und leichter über Fehler hinwegsehen.
Unternehmeredition: Herr Käfer, vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@goingpublic.de
Zur Person: Michael Käfer
Michael Käfer ist Hauptgesellschafter und -geschäftsführer der Käfer GmbH & Co KG und Familienunternehmer in der 3. Generation. Im Bereich Partyservice ist Käfer europäischer Marktführer und betreut jährlich auf rund 2.000 Veranstaltungen 300.000 Gäste – darunter etwa das Catering der Formel 1 Rennstrecke in Bahrain oder die Fußballweltmeisterschaft 2006. Außerdem verköstigt Käfer seit 1997 die Abgeordneten im Deutschen Bundestag. www.feinkost-käfer.de

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